Autoindustrie

Sohn von Carlos Ghosn: Manager wird zu Schuldeingeständnis gedrängt

Carlos Ghosn sitzt in Japan weiter in Haft, und viele Einzelheiten scheinen immer seltsamer. Jetzt berichtet sein Sohn vom massiven Druck der Behörden auf den immer noch amtierenden Konzernchef von Renault.

Der einst mächtige Auto-Manager Carlos Ghosn wird nach Darstellung seines Sohnes von der japanischen Staatsanwaltschaft zu einem Geständnis gedrängt. Sein Vater werde sich aber verteidigen und seinen Namen reinwaschen, sagte der 24-jährige Anthony Ghosn der französischen Zeitung "Journal du Dimanche".

Schuldgeständnis nur in japanischer Sprache verfasst

Anthony Ghosn berichtet, ihm sei nicht erlaubt worden, seinen Vater in der Untersuchungshaft zu besuchen. "Paradoxerweise ist das Geständnis, von dem sie wollen, dass er es unterschreibt, nur in japanischer Sprache verfasst." Sein Vater spreche aber kein Japanisch.

Der ehemalige Chef des Auto-Herstellers Nissan wurde Mitte November verhaftet. Er wird beschuldigt, jahrelang sein Einkommen unvollständig angegeben zu haben. Ghosn weist die Vorwürfe zurück. Ihm droht eine jahrelange Gefängnisstrafe.

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Ghosn ist offiziell weiter Chef von Renault

Ghosn, der weiter Chef bei Renault ist, und seine frühere rechte Hand Greg Kelly waren am 19. November in Tokio wegen des Verdachts auf Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen worden.

Kelly kam kürzlich gegen Kaution aus der Untersuchungshaft frei. Ghosn dagegen bleibt vorerst in Haft, nachdem die Staatsanwaltschaft weitere Vorwürfe gegen den Automanager erhoben hatte. Demnach soll er auch private Investitionsverluste auf seinen früheren Arbeitgeber übertragen haben.

Aktuell dazu:
Erste Gerichtsanhörung: Carlos Ghosn kennt seinen Haftgrund offenbar nicht >>

Immer noch nicht alle Anklagepunkte veröffentlicht

Anthony Ghosn ergänzte in dem Interview, die Anwälte seines Vaters hätten von der Staatsanwaltschaft immer noch nicht alle Unterlagen erhalten. Am kommenden Dienstag soll es in dem Fall eine öffentliche Anhörung vor einem Gericht in Tokio geben. Carlos Ghosn hat diese zur Klärung seiner Haftgründe beantragt. Erstmals werde er seine Sicht der Dinge darlegen können, sagte sein Sohn. Ghosn werde dabei Gefängniskleidung und Handschellen tragen müssen.

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Idee eines Autoverbands wankt

Seit der Festnahme wankt die Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi. Der in Brasilien geborene Franzose mit libanesischen Wurzeln war jahrelang die treibende Kraft hinter dem Auto-Bündnis. Während Ghosn nach seiner Verhaftung bei Nissan und Mitsubishi seiner Ämter enthoben wurde, muss er seinen Chefposten bei Renault bisher nur ruhen lassen. Ghosn gilt als einer der Manager, die Renault einst vor einer nahenden Pleite gerettet hatten,

Renault gibt sich nach außen gelassen

Der französische Regierungssprecher Benjamin Griveaux nahm vergangene Woche mit Verweis auf die Ermittlungen in Japan nicht konkret Stellung zu den Aussichten von Ghosn bei Renault - ließ aber durchblicken, dass keine unmittelbaren Sanktionen drohen. Der Hersteller sei "derzeit solide geführt", erklärte Griveaux nach einer Kabinettssitzung in Paris.

Das Unternehmen profitiere darüber hinaus von den Strategien, die Ghosn eingeführt habe und die für den Erfolg des Herstellers im In- und Ausland gesorgt hätten. Der französische Staat ist bei Renault ein wichtiger Akteur, er hält 15 Prozent der Anteile. (reuters/dpa/apa/red)

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