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So wollen Europäer die US-Sanktionen gegen den Iran umgehen

Berlin, Paris und London wollen mit einer neuen Finanzinstitution die US-Sanktionen gegen den Iran umgehen. Diese Institution soll als Tauschbörse für Finanzansprüche von Firmen dienen - was Exporteuren entgegen käme.

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Deutschland, Frankreich und Großbritannien prüfen nach Presseberichten die Schaffung einer neuen Finanzinstitution, um die US-Sanktionen gegen den Iran zu umgehen. Zweck der Stelle wäre es, abseits üblicher Finanzkanäle Zahlungen für Geschäfte europäischer Firmen mit Teheran abzuwickeln, berichtet der "Spiegel" auf seiner Website.

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Eine Sprecherin des deutschen Wirtschaftsministeriums sagte, bei dem genannten Modell handle es sich um eine von mehreren Optionen, die derzeit diskutiert würden. Laut "Handelsblatt" würde die Institution wie eine Art Tauschbörse funktionieren, in der finanzielle Ansprüche von Unternehmen gegeneinander aufgerechnet werden.

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Trump will Einfluss Irans zurückdrängen

US-Präsident Donald Trump hatte im Mai das Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt und die Wiedereinführung von Wirtschaftssanktionen gegen Teheran angekündigt. Trump kritisiert dabei das kriegerische Vorgehen des Iran in Syrien und in der gesamten Region sowie den aggressiven außenpolitischen Kurs gegen Israel. Beobachter verweisen darauf, dass auch energiepolitische Gründe beim Kurs Washingtons gegen den Erdölexporteur eine Rolle spielen.

Die EU dagegen hält an dem Abkommen fest und sucht nun nach Wegen, trotz der US-Sanktionen die Geschäftsbeziehungen mit dem Iran aufrecht zu erhalten.

Das größte Problem: Die Finanzierung von Geschäften

Großes Problem dabei ist, dass Banken, die bisher solche Transaktionen abwickeln, fürchten müssen, selbst Ziel der US-Sanktionen zu werden. Plan sei es deshalb, "das Iran-Geschäft vom globalen Finanzsystem abzukoppeln", hieß es im "Handelsblatt". Geprüft werde, dafür eine Zweckgesellschaft - ein sogenanntes Special Purpose Verhicle (SPV) - zu gründen.

In dieser Clearingstelle würden Forderungen von iranischen und europäischen Unternehmen miteinander verrechnet, hieß es in dem "Handelsblatt"-Bericht. Wenn etwa der Iran Öl nach Spanien liefere und ein deutscher Maschinenbauer eine Fabrik in Teheran ausstatte, könne das Geld, das aus Spanien an den Iran fließen müsste, verwendet werden, um die Rechnung des deutschen Maschinenbauers zu begleichen.

Von Banken unabhängige Clearingstelle

Auch wenn die Pläne derzeit von Deutschland, Frankreich und Großbritannien - den europäischen Unterzeichnern des Atomabkommens - vorangetrieben werden, soll die Einrichtung laut "Spiegel" allen Mitgliedstaaten der EU offenstehen. Demnach zeigt auch die italienische Regierung Interesse, sich bei der Zweckgesellschaft zu engagieren.

Eine Sprecherin des deutschen Finanzministeriums erklärte auf Anfrage, die Bundesregierung arbeite gemeinsam mit der EU-Kommission sowie Frankreich und Großbritannien daran, "unabhängige Zahlungskanäle" in den Iran aufrechtzuerhalten. Die Beratungen dazu dauerten noch an, es lägen verschiedene Modelle auf dem Tisch. (afp/apa/red)