Retrofitting

So werden Maschinen nachträglich digitalisiert

Produzierende Betriebe sowie Anlagen- und Maschinenbauer stehen vor der Herausforderung, ihre Maschinen und Anlagen im Hinblick auf die Digitalisierung zu modernisieren. Das Projekt „Diretronet“ hilft beim digitalen Retrofitting.

Der Digital Retrofit Guide ist ein Handlungsleitfaden für die Digitalisierung von Maschinen und Anlagen. Ein Best-Practice-Beispiel dafür kommt von WFL.

Digitales Retrofitting kann den Neukauf von Maschinen ersetzen und punktet dabei auch mit geringeren Investitionskosten oder weniger Schulungsaufwand. Das Projekt „Diretronet“ soll dabei als Unterstützungsumfeld für die regionale Industrie zum Retrofitting fungieren. Unter wissenschaftlicher Begleitung wurde ein Handlungsleitfaden erarbeitet, der neben allgemein gültigen Schritten auch branchenspezifische Aspekte und Best-Practice-Beispiele enthält.

In einer virtuellen Präsentation stellte Leander Bernd Hörmann (Linz Center of Mechatronics – LCM) den „Digital Retrofit Guide“ vor und informierte über Chancen und Potenziale des Retrofittings. Das LCM lieferte dabei auch den wissenschaftlichen Background für den Digital Retrofit Guide. „Je höher der Digitalisierungsgrad, desto mehr Synergieeffekte zeigen sich. Bewährte und solide Anlagen können meist nachträglich digitalisiert werden. Die Einbeziehung der Mitarbeiter ist dabei wichtig, da der Erfolg der Digitalisierung auch von ihnen abhängt. Erfolgreiche Digitalisierung eröffnet neue Geschäftsmöglichkeiten und Geschäftsmodelle sowie Wettbewerbsvorteile“, so Hörmann. 

Die Praxisbeispiele steuerten Kenneth Sundberg (Managing Director After Market Sales von WFL Millturn) und Klaus Grissenberger vom Wälzlagerhersteller NKE bei. Sundberg berichtete, wie es dem Maschinenbauer gelingt, mit digital aufgerüsteten Gebrauchtmaschinen erfolgreich zu sein. Als positiven Nebeneffekt des Retrofittings betonte er auch den Nachhaltigkeitsaspekt: „Wenn eine bestehende Maschine genutzt und nachgerüstet wird, kann der CO2-Ausstoß um mindestens 80 bis 90 Prozent reduziert werden.“ NKE beschäftigt sich bereits seit 2017 damit, die Wälzlager mit zusätzlichen Funktionen aufzuwerten und so neue Geschäftsmodelle zu erschließen. „Wir haben die Digitalisierung sowohl für Neu- als auch für Altanlagen parallel umgesetzt. Letzteres war uns wichtig, schließlich will man keine funktionstüchtige Anlage verschrotten, wenn sie aufgerüstet werden kann“, sagte Klaus Grissenberger.

White Paper zum Thema

Im Digital Retrofit Guide sind weitere Praxisbeispiele von Steinbach (Spezialist für Pools und Poolzubehör) aus dem Bereich Kunststoffverarbeitung, vom Lebensmittelhersteller Spitz, sowie von Rubble Master, der seine mobilen Brecher mit digitaler Technologie aufrüstet, beschrieben.

 Überblick über regionale Softwareanbieter

Da für viele Anwendungen einer digital aufgerüsteten Anlage „Software as a Service“ aus der Cloud genutzt wird, gehört zum Projekt „Diretronet“ auch der Industrial CloudPool. Hier hat der IT-Cluster die Services regionaler Softwareanbieter gesammelt, um den Anwendern in der Industrie den Zugang zu hochqualifizierten digitalen Lösungen zu erleichtern. Aktuell sind 23 Anbieter mit insgesamt 32 Services gelistet.