Digitalisierung

So kam PPC zur „digitalen Reife“

Mit einer Digitalisierungsoffensive will der Kärntner Servietten- und Tischdeckenproduzent PPC die Billigkonkurrenz auf Abstand halten. Unterstützung kommt dabei von Fraunhofer Austria.

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Das Wort „Hilfe“ ist nicht erwünscht. Lieber verwendet Harald Hauke, Geschäftsführer von Paper Print Converting GmbH (PPC), den Begriff „Unterstützung“, wenn es um seine Digitalisierungsattacke und die Zusammenarbeit mit Fraunhofer Austria geht. Hauke, der seit 26 Jahren den Laden in Spittal an der Drau in Kärnten am Laufen hält, möchte das Unternehmen vor weiteren Investitionen digital t machen. Das Spittaler Unternehmen produziert hochwertige Servietten aus Tissue, Einweg-Teller mit Dekor und Tisch- decken. Der 65-Mann-Betrieb ist Mitglied der Papstar-Gruppe, die wiederum im Besitz vom langjährigen Swarovski-Konzernchef Gernot Langes-Swarovski ist. Wichtig war für Hauke die Weiterentwicklung des Datenaustausches mit Kunden und der interne Ablauf. Gleichzeitig wollte der 57-jährige Manager die letzten manuellen Tätigkeiten in der Produktion automatisieren. „Ich will nicht investieren, um Personal zu sparen“, fügt der erfolgreiche Geschäftsmann sofort hinzu. Die Mitarbeiter würden dann andere Aufgaben bekommen, in welche sie „den schnelleren Prozess kontrollieren, anstatt selber die Tätigkeiten auszuführen“. Er habe schon vor der Zusammenarbeit mit Fraunhofer Austria an der einen oder anderen Schraube gedreht. Doch es fehlte ein digitales Gesamtkonzept, wie der erfahrene Manager ganz offen zugibt. Nachdem er mit seinem ganzen Stab zusammentraf, war der Weg klar: „Wir legen uns auf den Röntgen-Tisch und schauen, wie weit wir sind.“

65 Faktoren

Fraunhofer Austria unterstützt seit 2015 Industrieunter- nehmen in Digitalisierungsfragen. Nach einer mehrjährigen Forschungsarbeit haben sie ein „Industrie 4.0-Reifegradmodell“ entwickelt, welches das Unternehmen von der Strategieentwicklung bis hin zum konkreten Umsetzungsprojekt unter- stützen soll. „Die Industrie 4.0 aus Unternehmenssicht greifbar und messbar zu machen, ist das Ziel des Modells“, sagt Projektleiter Andreas Schumacher. Insgesamt haben sie in den vergangenen zwei Jahren zahl- reiche Unternehmen bewertet, das heißt, sie haben die „digitale Reife“ der Betriebe festgestellt. Die Analyse beinhaltet 65 kritische Erfolgsfaktoren, die vorher festgelegt sind. Die einzelnen Punkte werden Hand in Hand mit den Mitarbeitern durchgearbeitet. Am Ende werden dann die Unternehmen in einen von vier definierten Reifelevel eingeordnet. Nach der Feststellung des Ist-Zustands geht es zur Festlegung des Soll-Reifegrads. „Nicht bei allen Unternehmen ist eine Volldigitalisierung sinnvoll“, sagt Schumacher. Denn eine Schokoladenmanufaktur solle nicht vollautomatisiert herstellen, sehr wohl aber sich über den digitalen Kundenkontakt Gedanken machen.

Doch bei PPC war dann nach vier Monaten ganz klar, dass der „Wertschöpfungsprozess“-Reifegrad wachsen soll. „Denn PPC hat einen großen Umbruch im Zeichen der Digitalisierung vor sich“, sagt Schumacher. Die zu treffenden Maßnahmen werden immer in engem Kontakt mit den leitenden Mitarbeitern im Betrieb getroffen.

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Konkurrenz auf Abstand halten

In der zweiten Phase sind die Mitarbeiter im Unternehmen noch mehr gefordert. Sie müssen die gemein- sam erarbeiteten Pläne selbst umsetzen. Fraunhofer trifft sie dann nur, um offene Fragen zu klären. Deswegen hat Harald Hauke die Umsetzung zur Chefsache erklärt. Er holt die zuständigen Mitarbeiter regelmäßig zu sich. „Meinen Mitarbeitern ist es bewusst, dass wir Innovationen brauchen, um den technologischen Vorsprung zu den Billiglohnländern aufrechtzuerhalten“, sagt Harald Hauke. In den nächsten Monaten möchte Hauke in allen festgelegten Bereichen den Soll-Reifegrad erreichen. Doch in einem Punkt sind sich Schumacher und Hauke einig: Digitalisierung ist nur ein Zweck zum Ziel und nicht das Ziel selbst. Und gerade deswegen fängt die Arbeit erst danach an. Der erfahrene Unternehmer will demnächst eine neue Servietten- Produktionsanlage aufbauen. 2,3 Millionen Euro Investitionssumme sind schon eingeplant. „Wir warten jetzt die Ergebnisse des ersten Folgeprojekts ab“, sagt Hauke. Es sei sogar möglich, dass sie eine neue Technologie entwickeln und sie dann in der neuen Anlage einsetzen.

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