Bahn

SNCF erwartet erstmals direkte Konkurrenz durch Deutsche Bahn

Nach Öffnung des französischen Bahnmarktes rechnet der staatliche Bahnkonzern SNCF zum ersten Mal mit direkter Konkurrenz aus dem Ausland - vor allem von seinem Nachbarn rechts des Rheins.

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Die französische Staatsbahn SNCF stellt sich in ihrem Heimatland erstmals auf eine direkte Konkurrenz mit der Deutschen Bahn ein. "Es wird mit Sicherheit eine Reihe von Wettbewerbern geben", sagte SNCF-Chef Guillaume Pepy in Berlin mit Blick auf die angekündigte Öffnung des französischen Bahn-Marktes. "Ich gehe davon aus, dass auch Arriva interessiert ist."

Unter der Marke Arriva hat die Deutsche Bahn ihr internationales Geschäft für Regional- und Busverbindungen gebündelt. "Ich bin mir sicher, dass auch Transdev und RATP Züge fahren wollen." Beides sind französische Nahverkehrsunternehmen.

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte, man begrüße die Öffnung des Marktes und sei interessiert an einem Einstieg: "Wir werden uns die Umsetzung der Pläne der französischen Regierung daher nun genau ansehen." Als erfahrener Dienstleister sei man gut aufgestellt.

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Mit dem Monopol ist es vorbei

Bisher hat die SNCF im Nah- und Fernverkehr praktisch ein Monopol in Frankreich. Im Zuge der kürzlich unter heftigem Widerstand der Gewerkschaften beschlossenen Bahnreform wird der Markt jedoch geöffnet. Im Nahverkehr werden Verbindungen wie in Deutschland ausgeschrieben und an den günstigsten Bewerber vergeben. Erste Ausschreibungen soll es ab 2019 etwa in der südfranzösischen Region um Marseille geben.

"Wir werden jetzt ein ganz normales Unternehmen", sagte Pepy. "Wir wollen uns fit für den Wettbewerb machen. Wir müssen uns auf Pünktlichkeit und die Bedürfnisse der Kunden konzentrieren." Dafür wolle das Unternehmen sowohl ins Netz als auch in Nah- und Fernverkehr investieren.

Obwohl auch der Fernverkehrsmarkt geöffnet wird, erwartet Pepy hier nicht so schnell Konkurrenz zu den TGV-Hochgeschwindigkeitszügen. Die Deutsche Bahn und die SNCF machen sich hier keine direkte Konkurrenz, sondern fahren Züge über die Grenzen hinweg mit einem Gemeinschaftsunternehmen. Die SNCF ist im deutschen Nahverkehr seit Jahren über ihre Tochter Keolis aktiv. (reuters/apa/red)