Atomkraft

Slowakischer Atommeiler Mochovce: Dritter Block geht 2019 ans Netz

Im Nachbarland Österreichs ist beim umstrittenen Atommeiler Mochovce eine Inbetriebnahme "definitiv" Mitte nächsten Jahres geplant. Ein neuer Test hätte "die Erwartungen übertroffen", so ein leitender Energiemanager.

Atomkraft Mochovce Enel Slowakei Standort Österreich Italien

Der Bau der zwei neuen Meiler im slowakischen Atomkraftwerk (AKW) Mochovce, rund 120 Kilometer östlich der Hauptstadt Bratislava, kommt sichtlich voran. Ein sogenannter kalter Hydrotest im dritten Block wurde eben erfolgreich abgeschlossen, berichtete die slowakische Tageszeitung Pravda.

Dies sei ein Meilenstein auf dem Weg zur Inbetriebnahme der neuen Blöcke drei und vier, erklärte Branislav Strycek, Generaldirektor der Slowakischen Stromwerke SE, dem Betreiber des AKW. Das Ergebnis habe die "Erwartungen übertroffen". "Die Funktionsfähigkeit aller getesteten Komponenten wurde bestätigt, wir sind der Inbetriebnahme wesentlich näher gerückt", meinte Strycek.

Neuer Test hat "Erwartungen übertroffen"

Eingeleitet wurde der Test bereits Mitte Juli und dauerte 37 Tage. Folgen werde nun eine Revision und ein "heißer Hydrotest", der bis Jahresende abgeschlossen sein soll. Damit laufe die Fertigstellung von Mochovce entsprechend dem von Regierung und den SE zuletzt vereinbarten Zeitplan. Der dritte Block soll demnach im zweiten Quartal nächsten Jahres ans Netz gehen. Block vier dann ein Jahr später. Die Gesamtkosten werden 5,4 Milliarden Euro betragen.

White Paper zum Thema

Ursprünglich sollten die zwei neuen Meiler schon 2012 in Betrieb gehen, wobei man mit Kosten von lediglich 2,8 Milliarden Euro gerechnet hatte. Zwischen der slowakischen Regierung und dem einstigen Mehrheitsbesitzer der SE, dem italienischen Stromkonzern Enel, kam es aber wiederholt zu heftigen Diskrepanzen.

Fertigungstermin mehrmals verschoben

Die Italiener hatten den vereinbarten Fertigungstermin mehrmals verschoben und wiederholt auch das Baubudget aufgestockt, was mit neuen Sicherheitsauflagen nach Fukushima begründet wurde. Damit wurde der Staat, der weiterhin 34 Prozent der SE hält, immer wieder zur Kasse gebeten, während er laut Vereinbarung in der Bauphase auf Dividenden aus den SE verzichten musste.

Nach der 2015 vereinbarten Übernahme der Enel-Mehrheitsanteile an den SE durch die tschechische Industrieholding EPH scheint der stotternde Bau besser voranzukommen. Vorerst hält die EPH allerdings nur 33 Prozent des größten Stromproduzenten der Slowakei, die Italiener werden sich erst nach kompletter Fertigstellung von Mochovce völlig zurückziehen. Zum Bau der zwei neuen Blöcke hatte sich Enel noch mit dem Privatisierungsabkommen mit der Slowakei im Jahr 2006 verpflichtet.

Im AKW Mochovce sind bereits seit den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts die Blöcke 1 und 2 in Betrieb. Die zwei neuen Meiler sollen nach Inbetriebnahme 471 Megawatt liefern, was rund 13 Prozent des gesamten Strombedarfs der Slowakei decken wird. (APA/red)

Verwandte tecfindr-Einträge