Automobilindustrie

Skoda im Streit mit Konzernschwester VW um friedlichere Töne bemüht

Bei Volkswagen gibt es Überlegungen, Teile der Produktion von Skoda aus Tschechien nach Deutschland zu verlagern - innerhalb des Konzerns werden seit Langem Kannibalisierungseffekte beklagt. Skoda-Chef Bernhard Maier verweist nun auf die massive Nachfrage und die hohe Auslastung bei Skoda.

Im Streit über mögliche Produktionsverlagerungen nach Deutschland will die tschechische VW-Tochter Skoda die Gemüter besänftigen. In einem Brief an Mitarbeiter, der der Nachrichtenagentur Reuters vorlag, hob Skoda-Chef Bernhard Maier hervor, dass Skoda an der Auslastungsgrenze arbeite. Die Nachfrage sei so groß, dass über eine Erweiterung der Kapazitäten nachgedacht werde.

"An dieser Stelle kommt uns der in der Automobilindustrie weltweit einmalige Produktionsverbund des Volkswagen Konzerns zugute", so Maier. Dabei gehe es aber nur um den Ausgleich von Produktionsspitzen, betonte Maier. "Grundsätzlich sind und bleiben unsere tschechischen Standorte erste Wahl."

Tschechien sei und bleibe weiter die Heimat von Skoda Auto, schrieb Meier nach Informationen der Agentur CTK in einem Brief an die Mitarbeiter in der Stadt Mlada Boleslav.

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Vorwürfe von unfairen Vorteilen innerhalb der Gruppe

Wie von INDUSTRIEMAGAZIN.at hier gemeldet, tauchten vergangene Woche Berichte über eine mögliche Verlagerung auf. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf Insider, Manager und Betriebsrat des Wolfsburger Autobauers wollten den wachsenden Wettbewerb unter den Schwestermarken VW und Skoda eindämmen. Dazu werde auch darüber diskutiert, dass Skoda Teile der Produktion an schwach ausgelastete deutsche Werke abgebe.

Die Nachricht rief die Gewerkschaft bei Skoda auf den Plan. In einem Brief an die Belegschaft wies Gewerkschaftschef Jaroslav Povsik den Vorwurf zurück, der tschechische Autobauer habe einen unfairen Vorteil, weil er deutsche Technologie mit niedrigen Arbeitskosten kombinieren könne. Er drohte indirekt damit, Überstunden zurückzufahren. Auch die tschechische Regierung machte Front gegen eine mögliche Verlagerung von Teilen der Fertigung.

"Niemand schlachtet das Huhn, das goldene Eier legt"

Zuletzt äußerte sich der frühere Skoda-Vorstandschef Vratislav Kulhanek beschwichtigend. "Niemand schlachtet das Huhn, das goldene Eier legt", sagte der 73-Jährige nach einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Fernsehens CT.

"Die Gewerkschafter, die früher innerhalb des Konzerns zusammengehalten haben, setzen auf einmal sehr intensiv ihre eigenen Interessen durch, besonders die Deutschen", sagte Kulhanek. Er war in den Jahren 1997 bis 2007 erst Vorstandschef und dann Aufsichtsratschef der VW-Tochter.

Deutsche Technologie, tschechische Löhne - und das "Drehscheibenkonzept"

Volkswagen verwies auf sein Drehscheibenkonzept, über das die Auslastung der einzelnen Standorte und der Ausgleich von Produktionsspitzen markenübergreifend sichergestellt sei. Die turnusmäßige Überprüfung der Werksbelegung sei Teil des regulären Planungsprozesses. "Aktuell steht für die Marke Skoda dabei keine Veränderung an", erklärte ein Sprecher.

Der VW-Betriebsrat äußerte sich nicht. Die Auslastung der Werke ist im November Thema im Aufsichtsrat. Das Kontrollgremium entscheidet regelmäßig im Herbst über die Investitionen für die kommenden Jahre.

(red/reuters/dpa/apa)

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