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Live und in Echtzeit: Mit den richtigen Tools kann das Internet der Dinge völlig neue Geschäftsmodelle schaffen. Und dabei ganz schön disruptiv sein.


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Das linke Kniegelenk ist überlastet. Kaum hat der Trainer das Problem erkannt, wird bereits ein neuer Schuh in Auftrag gegeben, mit etwas mehr Stütze auf der Innenseite. Wenige Stunden später steht das frische Paar, das aus einem 3D-Drucker kommt, auch schon zur Anprobe bereit, selbstverständlich in der gewünschten Farbe. Eine Topbetreuung.

Dabei ist der Läufer bei Gott kein Spitzenathlet, eher ein gemütlicher Hobbysportler. Und der Trainer ist streng genommen kein Trainer, sondern ein potenter Rechner, der mit Daten gefüttert wird, die der Schuh permanent per Sensor abgreift und auf eine hochsichere Plattform lädt. Als das Programm, das auf die Daten zugreifen darf und mit einer Unmenge von Algorithmen gefüttert wird, das Knieproblem erkennt, bekommt der Läufer eine Verständigung auf sein Smartphone. Das Einzige, was er jetzt tun muss, ist zu entscheiden: sich den neuen Schuh gleich zuschicken lassen oder noch zuwarten.

Von der Produktion bis zum Endnutzer

An diesem disruptiven Showcase, den SAP heuer gemeinsam mit dem Sportartikelhersteller Adidas vorgestellt hat und der das Bild einer zukünftigen, völlig neuen Sportschuhindustrie erahnen lässt, wird deutlich, was hinter dem Schlagwort Internet of Things stecken kann, wenn es mit Leben gefüllt wird. Und wenn man es tatsächlich zu einer End-to-End-Strategie macht, bei der alle Zwischenstufen von der Bestellung des Rohmaterials über die individuelle Produktion bis zum Endkunden miteinander vernetzt sind.

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Heute fehlt eine solche Durchgängigkeit noch, erzählen Experten, die Brüche beginnen bereits auf einer ziemlich basalen Ebene. Da wird zum Beispiel eine Fehlermeldung einer Maschine in der Zentrale empfangen; um das Problem aber zu beheben, müssen die Daten erst einmal in ein anderes System übertragen werden. Oder: Ein Wartungsauftrag wird im Anschluss an die Fehlermeldung zwar automatisch erstellt, die Teile, die der Techniker dafür braucht, muss er aber extra ordern.

„Das Internet der Dinge ist ohne Zweifel inzwischen auch in den Produktions- und Lagerhallen angekommen. Die große Herausforderung für Unternehmen besteht nun darin, daraus den bestmöglichen Nutzen für ihre Geschäftsprozesse zu ziehen“, fasst Rudi Richter, der Österreich-Chef von SAP, die aktuelle Situation zusammen. Und sein Kollege, Johannes Tulusan, Leiter IoT und Digital Supply-Chain für Österreich und Osteuropa, ergänzt: „Vor zwei bis drei Jahren waren die Projekte rund um das Internet der Dinge sehr stark technologischer Natur. Da ging es um grundsätzliche Machbarkeit, da konnte ein IoT-Pilotprojekt bis zu einem Jahr in Anspruch nehmen.“ Inzwischen seien die grundlegenden technischen Fragen gelöst. „Was Unternehmen jetzt wollen, sind kurze Pilotprojekte von zwei bis drei Monaten und ein klarer Umsetzungsplan.“

Schnellstart in die IoT-Welt

Tools dafür existieren bereits. Die IoT-Plattform Leonardo von SAP bietet ein „Schnellstartprogramm“, das Unternehmen hilft, IoT-Anwendungsfälle unterschiedlichster Felder zu optimieren. „Wir arbeiten stark mit der Design-Thinking-Methode und natürlich gibt es je nach Kundenwunsch Unterstützung von unseren Branchenexperten“, erklärt Christoph Kränkl, Bereichsleiter Industrie bei SAP Österreich, um dann auf eine besonders große Stärke von SAP Leonardo hinzuweisen: „Das Programm funktioniert nach dem Baukastenprinzip. Jeder kann die Elemente zusammenstecken und nutzen, die er braucht.“ Unschlagbar sei auch die Kompatibilität der Anwendung: Sie verträgt sich auch mit fremden, ja sogar mit selbstentwickelten „Unternehmensbausteinen“.

Doch auch andere Lösungen können Unternehmen in der IoT-Welt unterstützen, vor allem in jenen Branchen, in denen die Unterscheidung durch das Produkt immer schwieriger wird, weil alle Anbieter inzwischen ein ähnlich hohes Niveau erreicht haben. „Da kommt es dann sehr stark auf den Service an, den man zur perfekten Maschine noch dazu anbieten kann“, weiß Kränkl und verweist auf das SAP Asset-Intelligence-Network, eine Plattform, die genau für solche Fälle entwickelt wurde. Über sie können alle, die mit einer konkreten Maschine zu tun haben, kommunizieren und Daten austauschen: vom Hersteller über Händler und Zwischenhändler bis zu den Endkunden und Instandhaltern.

Ein Leben lang vernetzt

„Jede Maschine, die auf der Plattform registriert ist, bekommt eine eindeutige Adresse und bleibt so über ihren gesamten Lebenszyklus verfolgbar“, erklärt Kränkl. Und weil die Plattform unabhängig ist, können darauf einerseits auch Maschinen unterschiedlicher Hersteller verfolgt werden, andererseits gehen die maschinenbezogenen Daten auch bei einem Eigentümerwechsel nicht verloren. Und: Weil unabhängig, bietet die Plattform allen Beteiligten die Sicherheit, dass jeder nur die Daten einsehen kann, die auch wirklich für ihn bestimmt sind.

Eine sichere Einbindung in bestehende Geschäftsprozesse sehen Experten generell als den entscheidenden Punkt, der über die Zukunft von IoT in der Produktion entscheiden wird. Es sei wie bei einem Eisberg, sagen sie: Die technische Herausforderung, die zunächst am sichtbarsten ist, mache in Wirklichkeit vielleicht zwanzig Prozent aus, die wahre Kunst sei es, den unsichtbaren Teil zu managen: die Konnektivität, die Sicherheit und die Verwendung in konkreten Businessfällen, aus denen dann neue Geschäftsmodelle werden.

Wie das gehen kann, zeigt sehr gut das Anwendungsbeispiel „Live Airport“, ein auf der CeBIT von der SAP vorgestellter Case, der viele bereits im Realbetrieb genutzte Lösungen zu einem komplett vernetzten Flughafen zusammenfasst. Ein Beispiel daraus: Wenn aus der Analyse der Einkäufe in den Flughafenshops deutlich wird, dass Besucher, die in eine bestimmte Destination reisen, bestimmte Warengruppen verstärkt einkaufen, dann können Werbeanzeigen während der Wartezeiten für entsprechende Flüge nach dieser Destination speziell auf diese Produkte optimiert werden. Es kann sogar Werbung in der Landessprache der Reisenden eingeblendet werden.

Airport-Logistik einfach steuern

Und natürlich hilft die Vernetzung, die gesamte Airport-Logistik reibungsloser zu gestalten. Ausgefallene Flüge, kaputte Zubringerbusse, fehlende Gangways – sie alle lassen sich vernetzt besser managen, vor allem, wenn statt langer Datenlisten grafische Oberflächen die Übersicht erleichtern. Denn sie verkürzen den Weg von der Analyse des gesammelten Materials bis zur Entscheidung ganz erheblich. Ja oder nein, links oder rechts, Variante eins oder zwei. In Zukunft wird der Einzelne noch mehr Entscheidungen treffen als heute, die Vorarbeit werden ihm aber selbstlernende Systeme abnehmen.

Und sie werden, wie die heutigen Navigationsgeräte, mit ihren Nutzern per Sprachsteuerung kommunizieren. „Ich denke, es wird schneller gehen, als wir alle glauben, dass auch komplexe SAP-Anwendungen per Spracheingabe gesteuert werden“, sagt jedenfalls SAP-Österreich-Chef Rudi Richter.

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