Digitalisierung

"Silicon Alps": Wachstum, Vernetzung und Fachkräftemangel im Süden Österreichs

Vor einem Jahr startete das Firmennetzwerk das "Silicon Alps" in Kärnten und der Steiermark. Inzwischen sind 90 Unternehmen an Bord, die meisten von ihnen Industriebetriebe. An guten Ideen und Projekten mangelt es nicht - sondern an bestens ausgebildeten Mitarbeitern.

Nicht nur für Mozartkugeln und Neujahrskonzert soll Österreich bekannt sein, sondern auch für Computerchips und andere Produkte der digitalen Welt. Das nannte Silicon-Alps Geschäftsführer Günther Lackner kürzlich in Wien als Ziel.

Eckdaten zum Netzwerk

Das Mikroelektronik-Cluster in der Steiermark und Kärnten hat im Vorjahr 90 Kooperationspartner gewonnen, kämpft aber gegen Fachkräftemangel.

Silicon-Alps wurde vor einem Jahr als Public-Private-Partnership zwischen österreichischen Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und der öffentlichen Hand gegründet. Mittlerweile wurden mehr als 90 Partnerfirmen gewonnen, und "es kommen täglich neue Unternehmen auf uns zu, die von dem Cluster profitieren wollen", erklärte Pressesprecher Christian Philipp.

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Größtenteils seien dies Partner aus der Industrie, aber auch alle wichtigen Forschungsinstitutionen der Region wären involviert. Dazu kommen noch Zulieferer, aber auch Rechtsanwaltskanzleien, die in der Sparte tätig sind. Zu den weltweit größten Chiphersteller gehörende Unternehmen wie Intel und Infineon seien Gesellschafter. Maßgebliche Förderung erhält der Cluster von den Bundesländern Steiermark und Kärnten sowie dem Bund.

Problem einer mangelnden Vernetzung in der Industrie

Die bundesländerübergreifende Ausrichtung machte politisch die Gründung "nicht leicht und auch teilweise beim täglichen Betrieb Probleme", so Philipp. Andererseits gebe es viele Lerneffekte der Steirer von den Kärntnern und umgekehrt.

In dieser modernen, recht neuen Sparte der Industrie seien die einzelnen Player nicht gut vernetzt. "Die Sichtbarkeit der Unternehmen in der Mikroelektronik-Nische untereinander ist sehr gering, aber eigentlich sind sie oft voneinander abhängig, weil sie in derselben Wertschöpfungskette hängen", so Lackner. Als Folge suchten die Unternehmen ihre Partner bisher vorwiegend im Ausland. Der Cluster habe nun erfolgreich etwa die kleinen lokalen Zulieferer mit den Leitbetrieben verknüpft, die jetzt oft nach dem Motto "fahr nicht fort, kauf im Ort" zu ihren Einzelteilen kommen.

Meist wisse man auch gar nicht, wie gut die Region in einigen Bereichen aufgestellt ist. Zum Beispiel bei RFIDs ("Identifizierung mit Hilfe elektromagnetischer Wellen") sei man in der Steiermark führend. 90 Prozent der RFID-Chips in Ausweisen würden dort hergestellt, erklärte Lackner.

Menschen mit hervorragenden Kenntnissen fehlen

Was der Branche aber "unter den Nägeln brennt", sei der Fachkräftemangel. Deshalb bemühe man sich, "die Location bei den Talenten auf die Landkarte zu bekommen", so Lackner. Südösterreich biete tolle Arbeitsbedingungen wie ein gutes Lohnniveau bei moderaten Lebenskosten und eine attraktive Umgebung, die Freizeit zu gestalten. Vor allem die kleinen und mittleren Betriebe hätten aber wenig Erfahrung, internationale Talente zu rekrutieren, und ihnen zum Beispiel Hilfe bei der Suche nach einer Wohnung, einer Schule für ihre Kinder und einem Job für den Lebenspartner zu bieten. Außerdem kooperiere Silicon-Alps mit den Fachhochschulen und Unis in Südösterreich, um die Ausbildung für die Fachkräfte praxisgerechter zu gestalten. (apa/red)

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