Antriebstechnik

Siemens: Werk in Görlitz bleibt, Offenbach schließt - und Zugsparte boomt

In der Sparte für Kraftwerke will Siemens den Standort in Görlitz nicht schließen, sondern weiter ausbauen - dagegen wird der Standort in Offenbach mittelfristig aufgegeben. In der Bahnsparte will Siemens seine Geschäfte im Iran zu Ende bringen.

Der deutsche Elektrokonzern Siemens kämpft mit wachsenden Problemen in der Kraftwerkssparte und sieht sich in seinem massiven Sparkurs bestätigt. Im zweiten Geschäftsquartal verschärfte sich die Krise der Sparte und überlagerte die gute Entwicklung in der Digitalisierungs- und in der Zugsparte des Konzerns.

Nach zähem Ringen hat sich der deutsche Elektrokonzern Siemens mit Arbeitnehmervertretern auf Eckpunkte für die geplanten Einschnitte in der Kraftwerkssparte geeinigt. Die umstrittene Schließung des Siemens-Standortes in Görlitz ist endgültig vom Tisch.

Dagegen soll der Standort in Offenbach "perspektivisch" aufgegeben werden. Die Mitarbeiter in Offenbach sollen aber zum Teil im Rhein-Main-Gebiet verbleiben, wie Siemens am Dienstag in München mitteilte. Für den Standort Leipzig, der wie Görlitz und Offenbach von der Schließung bedroht war, werde nun auch ein Verkauf geprüft.

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Werk in Görlitz wird ausgebaut

Nun erklärte Siemens, Görlitz mit zuletzt rund 700 Beschäftigten solle zur weltweiten Zentrale für das Industriedampfturbinengeschäft ausgebaut werden. Allerdings seien dort - wie auch an den Standorten Berlin, Duisburg, Erfurt und Mülheim - Restrukturierungen zwingend nötig, um die Kosten zu drücken.

Das Geschäft in Offenbach, wo ebenfalls rund 700 Beschäftigte Kraftwerke planen und bauen, solle wie bisher vorgesehen mit Erlangen gebündelt werden. Für Leipzig prüfe man den Verkauf des kompletten Standortes, werde diesen aber nur umsetzen, wenn sich ein Käufer mit nachhaltigem Konzept finde, sagte Siemens-Personalchefin Janina Kugel. Der Jobabbau solle möglichst freiwillig und sozialverträglich umgesetzt werden. Sollte dies jedoch nicht ausreichen, kämen etwa Weiterqualifizierungen sowie ein Einsatz der Beschäftigten an anderen Standorten in Frage.

Massive Einsparungen in der Sparte

Insgesamt will Siemens nach den Worten Kugels in der Kraftwerks-und der Antriebssparte einen "großen" dreistelligen Millionen-Euro-Betrag sparen. Ob es bei der Streichung von 6.900 Jobs bleibt, werde sich in den Verhandlungen zeigen. Man sei offen für kreative Lösungen, wichtig sei aber, dass das Sparziel, das Siemens noch genau beziffern will, erreicht werde.

"Die Division Power and Gas, die für 15 Prozent unseres Umsatzes steht, agiert weiterhin in einem enorm wettbewerbsintensiven Markt", sagte Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas. Siemens will in der Sparte weltweit tausende Jobs kappen und hatte erst am Vortag die Einigung auf Eckpunkte für die Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan mit den Arbeitnehmervertretern bekanntgegeben. Auch in Wien gibt es einen Standort der Siemens-Kraftwerkssparte. Vergangenen November wurden für Wien rund 200 Stellenstreichungen angekündigt.

Industrielles Kerngeschäft von Siemens unter Druck

Zwischen Jänner und März drückte das kriselnde Kraftwerksgeschäft auf das Ergebnis im industriellen Kerngeschäft des Konzerns, das im Jahresvergleich um 8 Prozent auf 2,3 Mrd. Euro schrumpfte. Unter dem Strich schnellte der Gewinn des Konzerns aber dank eines Buchwertgewinns um 39 Prozent auf gut 2 Mrd. Euro in die Höhe. Hintergrund ist, dass Siemens seinen Anteil am IT-Unternehmen Atos in seinen Pensionsfonds einbrachte.

Auch die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr (30. September) hob das Unternehmen an. Unter dem Strich peilt Siemens jetzt 6,5 bis 6,8 Mrd. Euro Gewinn an, statt wie bisher 6,1 bis 6,5 Mrd. Euro. An der Börse sorgte das für gute Stimmung: In der Früh gewannen die Siemens-Aktien zeitweise mehr als vier Prozent und notierten bei mehr als 115 Euro.

Im zweiten Quartal blieb der Umsatz mit 20,1 Mrd. Euro auf Vorjahresniveau, und der Auftragseingang ging um 2 Prozent auf 22,3 Mrd. Euro zurück. Dabei bekam Siemens auch starken Gegenwind durch Währungseffekte zu spüren.

In der Kraftwerkssparte schrumpften Auftragseingang und Umsatz zwischen Jänner und März jeweils kräftig, und das Ergebnis brach um fast drei Viertel ein. "Diese Zahlen untermauern, dass wir unsere Kapazitäten anpassen müssen", sagte Lisa Davis, die im Siemens-Vorstand das Energiegeschäft verantwortet.

Zugsparte profitiert von Großaufträgen

Dagegen konnte Siemens vor allem im Digitalisierungsgeschäft kräftig zulegen: Hier kletterten Auftragseingang und Umsatz um jeweils rund ein Fünftel, und das Ergebnis legte sogar um 40 Prozent zu. Die Zugsparte profitierte von Großaufträgen, darunter für Hochgeschwindigkeitszüge in der Türkei. Insgesamt hätten sechs von acht Einheiten nicht nur teils beträchtlich beim Umsatz zugelegt, sondern seien auch bei den Renditezielen in der Spur gewesen, sagte Thomas.

Lokomotiven und Gasturbinen für den Iran: Siemens will Geschäfte "zu Ende bringen"

Derweil müssten die Folgen des Ausstiegs der USA aus dem Atomabkommen mit Iran zunächst abgewartet werden. Klar sei, dass Siemens sich an alle regulatorischen Vorgaben halten werde, sagte Thomas. Zugleich werde man "Dinge, die wir begonnen haben, so das im rechtlichen Rahmen möglich ist, zu Ende bringen".

Der Elektrokonzern hatte die Lizenzfertigung für Gasturbinen und Lokomotiven im Iran vereinbart, die auch angelaufen war. Auch eine Absichtserklärung zur Modernisierung der Bahn-Infrastruktur wurde unterzeichnet, weitere Großaufträge daraus erfolgten aber bisher nicht. (dpa/apa/red)

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