Aktueller Überblick

Siemens: Verhandlungen in Wien, Proteste in Deutschland

Mit Wut und Enttäuschung reagieren Beschäftigte von Siemens auf die geplanten massiven Kündigungen. In Wien will die Gewerkschaft die Zahl der betroffenen Jobs nach unten drücken. In Deutschland gehen tausende Menschen auf die Straße.

Die Siemens-Beschäftigten haben mit Wut und Enttäuschung auf die Pläne des Konzerns mit Jobkürzungen und Standortschließungen reagiert. Bei Belegschaftsversammlungen, auf denen die Werksleitungen über die Maßnahmen informierten, protestierten am Freitag Siemens-Mitarbeiter in Berlin, Offenbach und Erfurt gegen die Einschnitte.

Werk in Wien: Gewerkschaft will Zahl der betroffenen Jobs mininieren

In Österreich waren die heimischen Arbeitnehmervertreter vom geplanten Stellenabbau bei Siemens in Wien offenbar überrumpelt. "Diese Entscheidung aus Deutschland hat uns schon überrascht", meinte Barbara Teiber, Regionalgeschäftsführerin der GPA-djp zur APA.

Wegen der Krise in den Kraftwerks- und Antriebssparten sollen auch in Wien 200 Jobs wegfallen. Der Gewerkschaft gehe es nun darum, möglichst jeden Arbeitsplatz abzusichern. Am Montag sollen Details besprochen werden.

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Siemens: Wenn "übliche Maßnahmen" greifen, könnten betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden

Personalchefin Janina Kugel sagte gegenüber dem dem "Tagesspiegel", sie hoffe, dass ein "Interessensausgleich" gelinge. Dieser solle erreicht werden "mit den üblichen Instrumenten: Abfindungen, Beschäftigungsgesellschaften, Weiterqualifizierungen, Frühpensionierungen, Altersteilzeit". Seien genug Mitarbeiter bereit, diesen freiwilligen Maßnahmen zuzustimmen, "dann gibt es keinen Grund, betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen".

Siemens-Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn forderte von der Konzernleitung ein Umdenken und Kompromissbereitschaft. "Diese Ankündigung von Standortschließungen und von Personalabbau, der angeblich aus Strukturgründen alternativlos ist, das ist für uns gar keine Basis für Verhandlungen", sagte Steinborn.

Kürzungen treffen Deutschland stark

Wie berichtet hat Siemens angekündigt, weltweit in der Kraftwerks- und der Antriebssparte 6.900 Arbeitsplätze zu streichen, davon etwa die Hälfte in Deutschland.

Zwei Standorte im sächsischen Görlitz und in Leipzig mit zusammen 920 Arbeitsplätzen sollen geschlossen werden, auch der Standort Offenbach, wo rund 700 Beschäftigte mit Planung und Bau von Kraftwerken beschäftigt sind, ist stark bedroht. Die Einschnitte begründet Siemens mit Nachfrageschwäche und Preisdruck in den Sparten.

Tausende Mitarbeiter im ganzen Land protestieren

In Berlin versammelten sich nach Angaben der IG Metall rund 1.300 Beschäftigte auf dem Betriebsgelände, um gegen die Pläne zu demonstrieren. In Erfurt verließen nach Angaben von Arbeitnehmervertretern gut 500 Mitarbeiter des örtlichen Siemens-Werks vorzeitig eine Belegschaftsversammlung. "Sie sind hochgradig enttäuscht von der angekündigten Planung und können das in keinster Weise nachvollziehen", sagte Betriebsratsvorsitzender Mario in der Au.

Bereits in der Früh hatten sich rund 200 Beschäftigte des Erfurter Standortes an einer Mahnwache beteiligt. Auch in Offenbach und Mülheim reagierten Beschäftigte empört auf die Abbau-Pläne ihres Arbeitgebers. Der Mühlheimer Betriebsratschef Pietro Bazzoli kündigte einen "heißen Dezember" mit Protestaktionen an.

Chefin des Gesamtbetriebsrats verweist auf Pakt zur Standortsicherung

Gesamtbetriebsratschefin Steinborn pochte vor allem auf den bei Siemens geltenden Pakt zur Standort- und Beschäftigungssicherung. Sollte es tatsächlich zu betriebsbedingten Kündigungen kommen, die Siemens-Personalchefin Janina Kugel nicht ausgeschlossen hatte, würde das zu einem "ernsthaften Zerwürfnis" zwischen Management und Betriebsräten führen, sagte sie. Auch Standortschließungen seien in dem Pakt ausgeschlossen.

Das Siemens-Management hatte zu dieser Frage mehrfach auf eine Klausel in dem Pakt verwiesen, wonach sich Firmenseite und Arbeitnehmer zusammensetzen und nach Lösungen suchen können, falls alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

"Alle wirklich geschockt"

Über die geplanten Maßnahmen seien "alle wirklich geschockt" gewesen, sagte Steinborn. Nun würden die Informationen bei der kommende Woche geplanten Betriebsräteversammlung und Mitte Dezember dann bei der Gesamtbetriebsratssitzung diskutiert.

Sie gehe davon aus, dass angesichts des breiten Widerstands von Politik, IG Metall und Arbeitnehmern "ein Umdenken im Management einsetzt, und das muss einfach sein, sonst weiß ich nicht, wie wir weiterkommen wollen", sagte Steinborn.

Es gehe darum, die Strukturänderungen zu gestalten, hier müssten alle Beteiligten eng zusammenarbeiten. "Wir sind nicht die reinen Abwickler von Personalabbau", betonte Steinborn. (red mit dpa, APA)

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