Bahnindustrie

Siemens und Bombardier wollen ihre Bahnsparten zusammenlegen

Die Industrieriesen Siemens und Bombardier wollen ihre Sparten der Bahnindustrie fusionieren. Beide Konzerne sind mit großen Standorten in Wien präsent. Bei den Verhandlungen könnte es Eingeweihten zufolge diesen Sommer eine Einigung geben.

Siemens und die kanadische Bombardier loten einem Medienbericht zufolge die Zusammenlegung ihres Zuggeschäfts aus. Beide Konzerne führten Gespräche über ein zehn Milliarden Euro schweres Gemeinschaftsunternehmen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. Eine Einigung könnte bereits Mitte des Jahres anstehen, hieß es. 

Geplant sei ein Gemeinschaftsunternehmen, sagten zwei mit den Verhandlungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Die Gespräche seien weit fortgeschritten, doch seien unter anderem technische Fragen zu klären: So wollten beide Partner die Gemeinschaftsfirma voll in die eigene Bilanz einbeziehen.

Für die Zusammenlegung der beiden Sparten hatte es bereits mehrere Anläufe gegeben, allerdings bisher nicht in Form eines Joint Ventures.

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Kein Kommentar von Bombardier Österreich

Noch liegt allerdings keine Einigung vor. Offen sind Kartellfragen und der mögliche Widerstand der Gewerkschaften gegen den Zusammenschluss.

Offen sind vor allem auch die Auswirkungen auf die großen Standorte beider Hersteller in Österreich. Auf Anfrage von INDUSTRIEMAGAZIN.at hat Bombardier eine Stellungnahme dazu abgelehnt.

Eher gelassene Reaktionen in der Wiener Kantine von Siemens Österreich

Offiziell waren Vertreter von Siemens Österreich vorerst nicht erreichbar. Ein Insider von Siemens berichtet gegenüber INDUSTRIEMAGAZIN.at, dass die Belegschaft in Wien naturgemäß ohne Freude, aber auch mit einer gewissen Gelassenheit auf diese Nachricht reagiert hat.

Ein möglicher Grund dafür sind die vor einigen Jahren ohne Ergebnis beendeten Gespräche zwischen Siemens und seinem französischen Konkurrenten Alstom über eine mögliche Fusion des Zuggeschäfts.

Entsprechend war nach Bekanntwerden der Nachricht auch der Tenor in der Mitarbeiterkantine von Siemens Österreich in Wien. Gespräche zu einer Zusammenlegung der Bahnsparte habe es immer wieder gegeben, so der Tenor unter den Mitarbeitern - "also die große Panik ist hier bei uns nicht ausgebrochen. Aber Grund zum Jubeln besteht natürlich auch nicht", sagt der Manager.

Die Bahnindustrie des Westens und ihr großes Problem

Westliche Bahnindustriekonzerne haben ein großes Problem: Hersteller aus China, die mit billigeren Produkten den Druck am Weltmarkt massiv erhöhen.

Eine bittere Ironie dabei ist der Umstand, dass westliche Anbieter von Eisenbahntechnik seinerzeit selbst tatkräftig dabei geholfen haben, die Bahnindustrie in China aufzubauen - und sich mit aktiver Mitarbeit und dem Transfer von Technologie die Konkurrenz von heute hochzuzüchten.

(red/reuters/apa)

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