Bahnindustrie

Siemens und Bombardier kämpfen mit harten Bandagen um ÖBB-Auftrag

Im Ringen um einen neuen Großauftrag der ÖBB hat Siemens dem Bahnbetreiber offenbar mit einem Ausstieg aus dem Bieterverfahren gedroht - was viel höhere Preise zur Folge haben könnte. Die ÖBB weisen den Schachzug als "Säbelrasseln" zurück.

Harte Bandagen im Kampf zwischen Siemens und Bombardier um den Zuschlag für neue ÖBB-Reisezüge im Wert mehrerer hundert Millionen Euro: Nach dem Stopp der Ausschreibung durch das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) auf Siemens-Betreiben gehen die Bedenken des Konzerns noch weiter - und er droht, aus dem Verfahren ganz auszusteigen, wie der "Kurier" berichtet.

Für die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) könnte ein Ausstieg von Siemens freilich höhere Preise durch Bombardier als Alleinbieter bedeuten, so der Bericht. Siemens soll in einem Schreiben an die Bahn festgehalten haben, "dass wir es derzeit nicht als sinnvoll erachten, bei vorliegenden Rahmenbedingungen ein Angebot zu legen".

Einspruch vor dem BVwG

Wegen Qualitätsbedenken hatte Siemens gegen die Auftragsvergabe Einspruch erhoben, das BVwG gab dem statt, wie seit Dienstag bekannt ist. Bestimmte Details der Ausschreibung würden den Konkurrenten Bombardier und dessen Produktion in China bevorzugen, hatte der "Standard" dazu berichtet.

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In dem seit Dezember 2014 laufenden Ausschreibungsprozess seien kurz vor der Vergabe die Qualitätskriterien gesenkt worden, monierte Siemens laut "Kurier", sodass Bombardier leichter habe mithalten können - ein Zuschlag an Bombardier wäre so gut wie sicher gewesen, heißt es. Allerdings entschied der BVwG jetzt nicht in der Sache selbst. In welcher Form die Ausschreibung fortgesetzt oder neu gestartet werde, ist daher noch offen.

Können selbst Chinesen bei der Qualität mithalten?

Siemens hat angeblich geltend gemacht, dass die Kriterien für die Festigkeit der Wagenkasten so sehr gesenkt wurden, dass chinesische Bombardier-Werke zum Zuge kommen könnten. Auch bei anderen Komponenten seien die Kriterien stark verwässert worden. Unter diesen Umständen hätte der Konzern laut einem Bericht des "Standard" sogar gedroht, gar nicht zu bieten.

Dass beide Anbieter im Fall einer Ausschreibungsniederlage immer wieder drohen, ein Werk in Wien zu schließen, hält Ronald Chodasz, Geschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie, eher für Säbelrasseln: "Ich rechne nicht damit, dass in nächster Zeit etwas geschlossen wird", sagt Chodasz im "Kurier". Da würden zu viele Zulieferer, Dienstleistungen etc. dranhängen, die Politik könne sich das gar nicht leisten.

ÖBB überrascht über den harten Tonfall der Bieter

Bei den ÖBB zeigt man sich über die Intensität der Auseinandersetzung überrascht: "Solche Ausschreibungen gibt es alle zwei, drei Jahre", zitiert der "Kurier" den ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder: Es sei legitim, dass ein Anbieter Einspruch erhebe - bisher seien die Entscheidungen und Ausschreibungen aber immer akzeptiert worden.

Der Auftrag ist mit einigen hundert Millionen Euro einer der größten, die derzeit im Bahnbereich ausgeschrieben sind. Siemens beschäftigt in Wien und Graz 2.200 Menschen in der Verkehrssparte. Bei Bombardier in Wien werden Straßen- und Stadtbahnen, keine Fernzüge, produziert. Hier arbeiten rund 550 Menschen.

Dabei verhandeln Siemens und Bombardier gerade über eine Fusion

Fast schon ironisch mutet angesichts dieses Ringens an, dass beide Konzerne derzeit über eine Fusion ihrer Bahnsparten verhandeln. Allerdings hat Siemens-Chef Kaeser zuletzt signalisiert, dass die Fusion nicht so bald kommen dürfte. Mehr dazu hier:

Siemens vertagt Entscheidung zur Fusion mit Bombardier >> 

Fusion der Bahnsparten von Siemens und Bombardier: Diese Eckdaten sind derzeit bekannt >>

(APA/red)

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