Pharmaindustrie

Siemens-Manager soll bei Novartis für mehr Redlichkeit sorgen

Der Schweizer Pharmariese Novartis ernennt einen neuen Ethikchef: Klaus Moosmayer, zuletzt als Chief Compliance Officer bei Siemens tätig. Novartis muss derzeit eine Reihe von Schmiergeldskandalen aufarbeiten - bei denen es unter anderem an Zahlungen an Donald Trumps ehemaligen Anwalt geht, der in eine Affäre rund um eine Pornodarstellerin verwickelt ist.

Der mit einer Reihe von Schmiergeldskandalen konfrontierte Schweizer Pharmakonzern Novartis hat einen neuen Ethikchef ernannt. Klaus Moosmayer übernehme am 1. Dezember die Funktion des Chief Ethics, Risk and Compliance Officers, teilte der Arzneimittelhersteller aus Basel mit.

Moosmayer folge Shannon Thyme Klinger nach, die im Mai Chefjuristin (Group General Counsel) des Unternehmens wurde. Der 49-jährige Deutsche kommt vom Siemens, wo er seit Jänner 2014 Chief Compliance Officer ist. Seine Nachfolgerin bei dem Münchener Industriekonzern wird Martina Maier. Die 51-Jährige leitet derzeit noch die Abteilung Kartellrecht bei Siemens.

Siemens-Manager hat Erfahrungen genug

Moosmayer, der an der Universität Freiburg zum Doktor der Rechtswissenschaften promoviert wurde, hat Erfahrung mit Bestechungsfällen: In seine Zeit bei Siemens fällt die Bewältigung der Affäre um Schwarzgeld für Aufträge, die Siemens im Jahr 2008 rund 1,6 Mrd. Dollar (aktuell 1,4 Mrd. Euro) kostete. Auch in die Affäre um die umstrittene Lieferung von Siemens-Turbinen auf die annektierte Halbinsel Krim war Moosmayer eingeschaltet.

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Novartis: Vorwürfe der Bestechung im Zusammenhang mit einem früheren Anwalt von Trump

Moosmayers Vorgängerin Klinger folgte im Mai dem langjährigen Novartis-Chefjuristen Felix Ehrat nach, der wegen der umstrittenen Zusammenarbeit des Konzerns mit einer Firma von Michael Cohen, einem früheren Anwalt von US-Präsident Donald Trump, seinen Hut nahm.

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Novartis ist weltweit mit verschiedenen Bestechungsvorwürfen konfrontiert. Im Mai etwa beschloss das griechische Parlament in der Affäre um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen des Konzerns Ermittlungen gegen hochrangige Politiker. Die Beilegung von Affären hat den Konzern bereits hunderte Millionen Dollar gekostet.

Neuer Konzernchef: Korrektes Verhalten sei eine "Top-Priorität"

Der seit Februar amtierende Novartis-Chef Vasant Narasimhan hat ethisch korrektes Verhalten zu einer Top-Priorität erklärt. Moosmayer habe umfangreiche Erfahrungen in der Compliance und sei auf diesem Gebiet international anerkannt, erklärte Narasimhan. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass er als Teil meines Führungsteams eine wichtige Rolle dabei spielen wird, unseren Umgang mit Ethik, Risiko und Compliance weiter zu definieren und zu formen." (reuters/apa/red)

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