Bahnindustrie

Siemens-Manager: Fusionen in der Bahnindustrie lockerer nehmen

Kartellbehörden sollen Fusionen in der Bahnindustrie weniger streng behandeln, sagt Siemens-Finanzchef Ralf Thomas. Zufall? Gerade soll Siemens ja mit Bombardier über eine Zusammenlegung verhandeln. Der Manager erklärt auch, welche Optionen bei der Medizinsparte "Healthineers" denkbar sind.

Siemens-Finanzchef Ralf Thomas hat nach Spekulationen zu einer Zugfusion mit dem kanadischen Bombardier-Konzern für eine weniger straffe Aufsicht von Wettbewerbswächtern geworben. "Ich glaube, dass die Kartellbehörden sich den weltweiten Wettbewerb in der Branche ansehen sollten", sagte Thomas in einem Fernsehinterview mit dem Finanzsender Bloomberg TV in München.

Nach der Fusion der Nummer eins und zwei in China sei offensichtlich ein Konsolidierungsprozess in der Branche in Gang. "Eine weitere Konsolidierung des Marktes wird seit langem erwartet und sollte auch kartellrechtlich mit einer globalen Sicht auf die Veränderungen betrachtet werden", sagte Thomas.

Siemens und Bombardier werden bereits weit gediehene Gespräche zur Zusammenlegung ihrer Zugsparten nachgesagt - die aber auf wenig Gegenliebe von Behörden stoßen dürfte, weil der Markt in Europa bisher schon von nur drei Anbietern bestimmt wird. Neben Siemens und Bombardier gehört dazu auch der französische Alstom-Konzern. Thomas wollte Berichte dazu nicht kommentieren. INDUSTRIEMAGAZIN.at zum Thema: Geplante Fusion: Harte Verhandlungen zwischen Siemens und Bombardier >>

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Spekulationen über neue Abspaltungen: Keine klare Antwort

Zuletzt war auch immer wieder spekuliert worden, dass Siemens durch Abspaltungen und Börsengänge ein loser Holding-Verbund werden könnte. Dies treffe nicht zu, sagte Thomas. "Klar ist: Wir fokussieren unsere Geschäfte und wir schauen uns ganz genau an, wie wir jedes einzelne bestmöglich voranbringen", sagte der Finanzvorstand.  INDUSTRIEMAGAZIN.at zum Thema: Harter Umbau bei Siemens geht weiter: Das sind Joe Kaesers neue Pläne >>

Drei Varianten für die Zukunft der Medizintechnik-Sparte

Für seine Medizintechnik-Sparte Healthineers prüft Siemens Alternativen zu einem klassischen Börsengang. Thomas sagte, es gebe insgesamt zwei oder drei "sehr interessante Alternativen", um Healthineers an die Börse zu bringen.

Als drei denkbare Varianten nannte Thomas: ein Initial Public Offering (IPO), bei dem Siemens und Healthineers Aktien verkaufen würden, eine Abspaltung, bei der Siemens die neuen Aktien an seine bestehenden Anteilseigner verschenken würde, und eine Fusion mit einem bereits börsennotierten Unternehmen, womit Healthineers durch die Hintertür an die Börse käme.

Ähnlich hatte es Siemens bei der Verschmelzung seiner Windkraft-Sparte mit dem spanischen Rivalen Gamesa gemacht. Zu der Frage, ob die letzte Variante Vorbild für Healthineers sein könne, äußerte sich Thomas zurückhaltend: "Ob daraus eine Blaupause entsteht, das wage ich zu bezweifeln."

Börsengang von Healthineers auch 2018 möglich

Um die Vorbereitungen für den Börsengang war es zuletzt eher still geworden, obwohl Investoren derzeit sehr aufnahmebereit für neue Unternehmen an der Börse sind. Deshalb wuchsen die Fragezeichen, ob Healthineers überhaupt noch in diesem Jahr an die Börse gehen würde. Thomas beschwichtigte: "Die Schlussfolgerung, dass sich da etwas verzögert, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen." Er habe keine Eile. Zwar sei das Marktumfeld derzeit günstig. "Aber wir stellen auch nicht fest, dass das Marktumfeld morgen ungünstig ist."

Ein Börsengang über eine Fusion ließe sich relativ schnell bewerkstelligen. Hier käme aber - ebenso wie bei einer reinen Abspaltung der Sparte - zunächst weder bei Siemens noch bei Healthineers Geld in die Kasse. Offen war bis zuletzt auch, ob die Sparte künftig an der Börse in Frankfurt oder in New York notiert sein soll.

Konzern schreibt satte schwarze Zahlen

Nach einem guten zweiten Quartal geht Siemens noch etwas optimistischer in die zweite Jahreshälfte. "Wir haben erneut eine starke Teamleistung gezeigt und uns erneut besser entwickelt als die Märkte", erklärte Siemens-Chef Joe Kaeser.

Zwar bleibe es für das Gesamtjahr (30. September) beim angepeilten Gewinn je Aktie von 7,20 Euro bis 7,70 Euro. Diese Spanne soll jetzt allerdings auch inklusive Integrationskosten durch Übernahmen wie die des Industriesoftware-Spezialisten Mentor Graphics erreicht werden, die Siemens bisher noch herausrechnen wollte. Unter dem Strich könnte das Unternehmen damit im laufenden Jahr bis zu 6,55 Mrd. Euro verdienen.

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Im zweiten Geschäftsquartal verbesserte sich der Auftragseingang im Vergleich zum starken Vorjahreszeitraum, in dem Siemens milliardenschwere Kraftwerksaufträge aus Ägypten verbucht hatte, um 2 Prozent auf 22,6 Mrd. Euro. Dazu trugen unter anderem Großaufträge im Windkraftgeschäft und Energiemanagement bei.

Der Umsatz legte um 6 Prozent auf 20,2 Mrd. Euro zu. Der auf die Aktionäre entfallende Gewinn blieb in etwa stabil bei gut 1,4 Mrd. Euro. "Eine weitere Konsolidierung des Marktes wird seit langem erwartet und sollte auch kartellrechtlich mit einer globalen Sicht auf die Veränderungen betrachtet werden", sagte Thomas. (dpa/apa/red)

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