Maschinenbau

Siemens könnte auch Getriebetochter Flender verkaufen - Finanzfirmen warten schon

Die Aufspaltung und der Ausverkauf des Industrieriesen Siemens geht mit hoher Geschwindigkeit weiter. Jetzt hat der Konzern offenbar große internationale Finanzfirmen aufgefordert, Gebote für seine Getriebesparte Flender einzureichen. Der Deal wäre 1,5 bis 2 Milliarden Euro schwer.

Siemens will Finanzkreisen zufolge bald über einen möglichen milliardenschweren Verkauf seiner Getriebetochter Flender entscheiden. Der deutsche Technologiekonzern habe vier Finanzinvestoren aufgefordert, bis nächste Woche verbindliche Gebote für das Unternehmen aus Bocholt vorzulegen, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Große internationale Finanzfirmen interessiert

Flender könnte Siemens zwischen 1,5 und 2,0 Milliarden Euro einbringen. Siemens, die Bieter und die Banken wollten sich nicht zu den Informationen äußern. Als Favorit gilt Insidern zufolge der Finanzinvestor Triton, dem bereits der Panzer- und Schiffsgetriebe-Hersteller Renk gehört und der damit Synergien heben könnte. Aber auch die Beteiligungsfirmen Carlyle, CVC und Brookfield seien noch im Rennen.

Die Offerte könnten den Insidern zufolge beim Acht- bis Neunfachen des operativen Gewinns (Ebitda) von gut 200 Millionen Euro liegen. Sollten sie hinter den Erwartungen zurückbleiben, werde Siemens seinen ursprünglichen Plan weiterverfolgen, die Tochter 2021 abzuspalten und an die Börse zu bringen. In diesem Fall würden die Aktien an die eigenen Anteilseigner verteilt.

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Das Vorhaben hatte Finanzinvestoren auf den Plan gerufen, die auf der Suche nach lukrativen Anlagemöglichkeiten sind. Siemens hatte daher die US-Investmentbanken Citi und Bank of America damit beauftragt, Gebote einzuholen und zu prüfen. Der scheidende Siemens-Chef Joe Kaeser hatte einen direkten Verkauf von Flender nicht ausgeschlossen: "Wer eine bessere Idee für Kunden, Mitarbeiter und Aktionäre zu haben glaubt, dem sind wir bereit zuzuhören."

Sparte erst 2005 von Siemens zugekauft

Siemens hatte Flender 2005 von Babcock Borsig gekauft, das Unternehmen mit 8.500 Mitarbeitern und rund zwei Milliarden Euro Umsatz galt aber lange als Sanierungsfall. Von den "Portfolio Companies", die Siemens auf Vordermann bringen will, hat es sich aber am besten entwickelt.

Als besonders attraktiv gilt das Geschäft mit Generatoren für Windkraftanlagen, in dem Flender von einem langfristigen Liefervertrag mit der Siemens-Energy-Tochter Gamesa profitiert. Siemens hatte die eigene Sparte Wind Energy Generation Anfang September in Flender eingebracht. Das Unternehmen stellt aber auch große Getriebe und Kupplungen für Kräne, Schiffe oder die Öl-und Gasförderung her. (reuters/apa/red)

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