Energiewirtschaft

Siemens: In der Kraftwerksparte müssen 2.700 Menschen gehen

Siemens streicht in der angeschlagenen Energiesparte weitere 2.700 Stellen, die meisten davon in Deutschland. Betroffen ist das Geschäft mit Hochspannungsleitungen und Trafos. Siemens Österreich erwartet "keine großen Auswirkungen".

Siemens streicht in der Energiesparte weitere 2.700 Arbeitsplätze. Davon entfallen 1.400 auf Deutschland, teilte der deutsche Industriekonzern mit. Betroffen ist diesmal nicht das Kraftwerks-Geschäft, in dem Siemens bereits gut 6.000 Stellen abgebaut hat. Vielmehr geht es um das Projektgeschäft und die Energieübertragungs-Sparte, in der Hochspannungsnetze und Transformatoren hergestellt werden.

"Keine großen Auswirkungen" bei Siemens Österreich

Bei Siemens Österreich rechnet man nicht mit großen Auswirkungen, jedenfalls würden sie unter der normalen Fluktuation bleiben, sagte ein Sprecher zur APA. Man sei in laufenden Gesprächen mit dem Betriebsrat.

Siemens will damit angesichts einer schwindenden Zahl von Großprojekten und sinkenden Margen 500 Mio. Euro einsparen. "Die geplanten Maßnahmen helfen uns dabei, mehr Wachstumschancen zu schaffen", sagte die für die Sparte Gas & Power im Vorstand zuständige Lisa Davis. "Außerdem können wir dadurch unsere Wettbewerbsfähigkeit im Energiemarkt erhöhen und unser Geschäft besser sichern."

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13.000 Arbeitsplätze verschwinden

Bei Siemens fallen damit in den nächsten Jahren mehr als 13.000 Arbeitsplätze weg. Davon betroffen sind neben Gas & Power die Konzernzentrale, von der viele Tätigkeiten in die Sparten und Tochterfirmen verlagert werden, sowie die Digital- und die Infrastruktur-Sparte, die künftig den Kern von Siemens bilden sollen. Unter dem Strich sollen aber in einigen Jahren 10.000 Menschen mehr bei Siemens arbeiten als heute. Das gelte auch nach dem zusätzlichen Abbau bei Gas & Power, sagte ein Sprecher.

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Die IG Metall will darauf schauen, dass das auch wirklich passiert. Es dürfe nicht bei Lippenbekenntnissen und halbherzigen Ansätzen bleiben, betonte Hagen Reimer, der für die Gewerkschaft im Aufsichtsrat des Konzerns sitzt. Siemens habe versprochen, dass die Mitarbeiter für den Strukturwandel umgeschult und neu qualifiziert würden. "Nur so bleiben die bei Bekanntgabe der Ausgliederung des Bereichs verkündeten Wachstumspläne wirklich glaubwürdig", sagte Reimer. Grundsätzlich sei der Abbau von Arbeitsplätzen "ideenlos", zumal angesichts des langfristig drohenden Fachkräftemangels.

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Sparte wird komplett ausgegliedert und an die Börse gebracht

Siemens hatte den Stellenabbau in der neu formierten Sparte Gas & Power schon angekündigt, ihn aber noch nicht beziffert. Nun seien die Arbeitnehmervertreter im Wirtschaftsausschuss über die Abbaupläne informiert worden. Mit zahlreichen Großprojekten hatte Siemens zuletzt Verluste geschrieben. Künftig wolle man mehr Aufträge ablehnen und nicht nur auf Masse achten, sondern verstärkt auf die Rendite, hieß es.

Siemens Gas & Power soll aus dem Konzern ausgegliedert und bis September 2020 an die Börse gebracht werden, indem die Siemens-Aktionäre die Papiere ins Depot gebucht bekommen. Das hatten Vorstand und Aufsichtsrat im Mai beschlossen. (reuters/apa/red)

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