Energieindustrie

Siemens Energy: Das Kursfeuerwerk bleibt aus

Die riesige Energiesparte von Siemens ist nun abgespalten und notiert an der Frankfurter Börse. Der Aktienkurs des ersten Tages blieb bescheidener als erwartet. Siemens sei nun mit drei "leistungsfähigen, fokussierten und selbstständigen Unternehmen" hervorragend für die Zukunft aufgestellt, so Konzernchef Kaeser.

Verhaltenes Börsendebüt für Siemens Energy: Der erste Aktienkurs für die abgespaltene Energietechnik-Sparte von Siemens ist an der Frankfurter Börse mit 22,01 Euro festgestellt worden.

Damit kommt das rote Zahlen schreibende Unternehmen auf einen Börsenwert von 16 Mrd. Euro, weit weniger als die Analysten ihm im Schnitt zugetraut haben - und weniger als der Buchwert, den die Wirtschaftsprüfer für Siemens Energy bei der Abspaltung ermittelt hatten. Zum Vergleich: Allein die Beteiligung am Windanlagenbauer Siemens Gamesa - der Zukunftshoffnung bei der Energiewende - ist knapp 10 Mrd. Euro wert.

Zugewinne für Aktionäre

Zeitweise bröckelten Siemens-Energy-Aktien zeitweise auf weniger als 20 Euro ab. Für die Siemens-Aktionäre hat sich die Abspaltung dennoch fürs Erste gelohnt. Sie hatten 55 Prozent der Siemens-Energy-Aktien übers Wochenende ins Depot gebucht bekommen - je eine für zwei Siemens-Papiere. Die Aktie des Münchner Technologiekonzerns fiel nur um 2,4 Prozent auf 109 Euro. Zusammengerechnet ergibt sich für die Anteilseigner ein Kursgewinn von sechs Prozent.

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Konzernchef Kaeser: Nun drei selbstständige Unternehmen

Siemens erklärte in München, mit dem Börsendebüt beginne ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte. Damit schließe der Konzern einen "wesentlichen Meilenstein der strukturellen Neuausrichtung von Siemens erfolgreich ab", erklärte Unternehmenschef Joe Kaeser. Siemens hatte bereits 2018 die auf Medizintechnik spezialisierte Tochter Healthineers an die Börse gebracht.

Mit nun drei "leistungsfähigen, fokussierten und selbstständigen Unternehmen" sei Siemens hervorragend für die Zukunft aufgestellt, erklärte Kaeser. "Die eigenständigen Börsennotierungen werden die Wertschaffungspotenziale der jeweiligen Geschäfte deutlich besser als im Konglomerat erschließen können."

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Siemens AG zählt nur mehr 240.000 Mitarbeiter

Die Siemens AG konzentriert sich nach der Abspaltung der Energie-Sparte mit den verbleibenden 240.000 Mitarbeitern auf ihre margenstarken Geschäfte mit der Automatisierung von Anlagen und ganzen Fabriken, auf digitale Gebäudetechnik und auf Züge. Sie hofft damit auf höhere Renditen und Aktienkurse. An Siemens Energy behält sie 35,1 Prozent und will das Aktienpaket binnen 12 bis 18 Monaten in Richtung 25 Prozent abschmelzen. Zusammen mit der Medizintechnik-Sparte Healthineers sind nun drei Unternehmen mit dem Namen Siemens in an der Frankfurter Börse notiert.

Größte Abspaltung seit langer Zeit

Siemens Energy ist der größte "Spin-off" in Deutschland. "Als eigenständiger Konzern haben wir nun die notwendige unternehmerische Flexibilität, um die weltweite Transformation der Energiemärkte nachhaltig und wirtschaftlich erfolgreich mitzugestalten", sagte Vorstandschef Christian Bruch. Zunächst geht es aber darum, wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Mit einer starken Bilanz habe die bisherige Muttergesellschaft "hervorragende Startbedingungen geschaffen", um Siemens Energy profitabler zu machen, sagte Siemens-Finanzchef Ralf Thomas in Frankfurt.

Zuvor hatte Bayer die Töchter Lanxess und Covestro über einen "Spin-off" als eigenständige Firmen an die Börse gebracht. E.ON trennte sich auf dem gleichen Weg von Uniper, Siemens hatte die Aktien von Osram an die eigenen Aktionäre verteilt.

Wahre Bewertung erst in Monaten sichtbar

In Unternehmenskreisen war mit starken Kursschwankungen bei Siemens Energy in den ersten Wochen gerechnet worden. Denn nicht nur Dax-Indexfonds müssen sich von Siemens-Energy-Aktien trennen. Auch Technologie-Anleger dürften aussteigen. Insgesamt könnten 35 Prozent der Siemens-Energy-Aktien in nächster Zeit den Besitzer wechseln. Erst in zwei bis drei Monaten werde man sehen, wie das Unternehmen mit rund 91.000 Mitarbeitern wirklich bewertet werde, hieß es in Siemens-Kreisen. (reuters/afp/apa/red)

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