Coronakrise

Siemens-Chef: Politik hätte stärker auf die Wirtschaft setzen sollen

Die deutsche Bundesregierung hätte bei der Bekämpfung der Coronakrise mehr auf die Wirtschaft bauen sollen, so der neue Konzernchef von Siemens, Roland Busch. Ein Beispiel dafür sei die Produktion von Masken. Aktuell sei vor allem eine höhere Geschwindigkeit beim Impfen notwendig.

Siemens Elektroindustrie Maschinenbau Coronakrise Roland Busch

Die deutsche Bundesregierung hätte bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie nach Ansicht des neuen Siemens-Vorstandschefs Roland Busch mehr auf die Wirtschaft bauen sollen. "Man hätte zum Beispiel eine groß angelegte Initiative starten können, um die Impfstoff-Produktionskapazitäten schneller hochzufahren oder die Impflogistik zu optimieren", sagte Busch in einem Interview dem "Handelsblatt".

Die Unternehmen hätten viel Erfahrung in der Logistik und Beschaffung. "Hier hat die Politik versucht, zu viel allein zu lösen. Dadurch haben wir Zeit und Momentum verloren."

Busch mahnte mehr Tempo beim Impfen an. "Hier müssen wir viel schneller werden." Schon bei Masken und Schnelltests habe die Politik zu langsam gehandelt, statt die Erfahrungen aus der Wirtschaft zu nutzen. Die Siemens-Medizintechnik-Tochter Siemens Healthineers war im vergangenen Jahr in die Produktion von Schnelltests auf Covid-Infektionen eingestiegen. Bis in den März hinein hatte die Bundesregierung darauf verwiesen, dass die Tests knapp seien. "Wenn man die bestellt, liefern wir", sagte Busch und ergänzte auf Nachfrage: "Wir hätten früher liefern können."

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Busch forderte einen Bürokratieabbau, um auch nach der Krise nicht gegenüber anderen Regionen ins Hintertreffen zu geraten: "Die Gefahr besteht. Um das zu verhindern, muss Deutschland seine bürokratischen Prozesse hinterfragen und wesentlich beschleunigen." (reuters/apa/red)