Security

Elektronische Systeme im Kommen

Daimler, VW, Magna oder Zumtobel lassen hier unter höchster Geheimhaltung Prototypen produzieren: In der Fertigung des Dornbirner Modellherstellers 1zu1 Prototypen stellen mehrere ausgeklügelte Sicherheitsringe, speziell geschultes Wachpersonal und stapelweise Verschwiegenheitserklärungen höchste Vertraulichkeit sicher. Ein Lokalaugenschein. Von Daniel Pohselt

Spezl oder Spitzel? Das Geschäft mit Sicherheitstechnik zieht an. Wie sich Betriebe jetzt auch immer mehr die Mitarbeiter zur Brust nehmen. Ordnung muss sein. Das gilt auch im Bosch-Werk in Hallein. Dennoch putzt es sich in den Labors der Salzburger eine Spur anders. Ein Schatten folgt dem Reinigungspersonal auf Schritt und Tritt. „Wird sauber gemacht, muss immer ein Entwickler anwesend sein“, heißt es bei Bosch. Nicht, weil man an der Integrität des Personals zweifelt. Im hochsensiblen Entwicklungsbereich – die Salzburger arbeiten an neuester Großdiesel-Technik – ist Diskretion zum wichtigsten Gut geworden. Technische Schutzvorkehrungen, etwa elektronische Zutrittssysteme, sind eine Möglichkeit. Das führe aber vielfach „zu kurz“, erzählt Bosch-Mann Stephan Kneipp. Er ist Konzernbeauftragter für Datenschutz und Informationssicherheit. Und trat im Unternehmen eine Sensibilisierungskampagne los. Es geht um die Verankerung einer „Kultur des Hinsehens“, so Kneipp. Das beginnt bei der „clean-desk-policy“. Sensible Unterlagen sind niemals unversperrt aufzubewahren. Selbst arglose Ferialpraktikanten bekommen bei Dienstantritt eine „Sicherheitseinweisung“, die sich gewaschen hat. Investitionen in Sicherheit ziehen an Das passt ins Bild. Datenklau, Spitzeleien oder Industriespionage unter Vorgaukelung einer fremden Identität: Mit immer dickeren Geheimhaltungsvereinbarungen schützt sich die Industrie vor kriminellen Machenschaften. Das bestätigt die Statistik. Die Investitionen in Sicherheitstechnik sind im Steigflug. Während der Krise 2008 und 2009 zeigten die Märkte elektronischer Sicherheitstechnik „stagnierende oder gar rückläufige Umsatzzahlen“, erhob die Unternehmensberatung Mario Fischer. Das Jahr 2010 brachte, so der Berater, jedoch die Wende. Gegenüber manuellen Schließsystemen sind elektronische Zutrittssysteme heute der verlässliche Umsatzbringer. „Vier von fünf Systemen sind elektronisch – Tendenz steigend“, beobachtet Elmar Hartmann, Chef des Schrunser Zutrittssystemeanbieters Gantner Electronic. Am größten ist das Sicherheitsbedürfnis bei Automobilisten. Deren Maßnahmenkataloge – siehe Bosch – stellen sogar Luftfahrtzulieferer wie FACC in den Schatten. Dort gibt es allerdings auch ziemlich scharfe Anweisungen für Produktion und Entwicklung. Zwecks Geheimhaltung solle man „am Mittagstisch getrennt sitzen“. Bei Industrieelektronikherstellern wie Infineon, ams oder Flextronics sind nicht weniger hohe Sicherheitswände hochgezogen. Auch die voestalpine, weiß man in der Branche, hänge ihre Stahlforschung „nicht an die Pummerin“. So machen Sie jeden Industriespion mürbe!

- Führen Sie eine Schutzbedarfsanalyse durch!

Nur jeder fünfte Betrieb erstellt derartige Analysen. Sie regelt für alle Mitarbeiter unmissverständlich, welche Daten/Informationen geheim, vertraulich oder offen zugänglich sind.

- Machen Sie Informationsschutz zur Chefsache!

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Nur bei jeden fünftem Betrieb gibt es einen Chief Information Security Officer (CISO). Bei ihm (oder der Geschäftsleitung) sollten aber die zentralen Belange des Informationsschutzes liegen.

- Obacht bei Geschäftsreisen!

Rüsten Sie Ihre Mitarbeiter mit verschlüsselter Hard- und/oder Software für eine geschützte Kommunikation oder speziell vorbereiteten Reise-Laptops mit Minimalkonfiguration und nur geringem Datenbestand aus.

- Beziehen Sie externe Partner ein!

Nicht einmal jeder zehnte Betrieb bezieht externe Firmen technisch – etwa über eine Document-Compliance-Management-Lösung – in seine Sicherheits-Policy mit ein.

- Hüten Sie Ihre Zunge!

Vergewissern Sie sich immer über die Identität Ihres Kommunikationspartners, bevor Sie vertrauliche Informationen ausplaudern.

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