Security

Endstation beim Empfang

Daimler, VW, Magna oder Zumtobel lassen hier unter höchster Geheimhaltung Prototypen produzieren: In der Fertigung des Dornbirner Modellherstellers 1zu1 Prototypen stellen mehrere ausgeklügelte Sicherheitsringe, speziell geschultes Wachpersonal und stapelweise Verschwiegenheitserklärungen höchste Vertraulichkeit sicher. Ein Lokalaugenschein. Von Daniel Pohselt

Hannes Hämmerle, GF 1zu1 Prototypen: "Uns schlüpft keiner durch, nicht einmal mein 80-jähriger Onkel Paul."

Doch die Dornbirner haben vorgesorgt. Rund 40.000 Modelle fertigt der 1996 aus der Taufe gehobene Betrieb mittlerweile jedes Jahr für Topfirmen wie Daimler, VW, Magna Steyr oder den Lichtspezialisten Zumtobel. Viele davon zur gleichen Zeit am gleichen Ort. „Entsprechend ist unsere Produktion von der Außenwelt abgeriegelt“, so CO-Geschäftsführer Wolfgang Humml.

Alles abgeriegelt Davon kann man sich schon beim Besteigen des Lifts ein Bild machen. Ohne elektronischen Chip und Berechtigung ist beim Empfang im zweiten Stock Endstation. Glücklich, wer die Zutrittskarte um den Hals baumeln hat. Nur ein vager – von den Dornbirnern wohlkalkulierter – Blick lässt sich auf die angesagtesten Technologien des schnellen Modellbaus, 3D-Drucker oder Lasersinteranlagen, werfen. „Wir zeigen bestenfalls einzelne Schichten, niemals das ganze Modell“, heißt es in Dornbirn. Besonders kritisch ist der Vakuumguss. Der Bereich – hier entstehen unter anderem hochtransparente Scheinwerfergläser – ist für Außenstehende komplett gesperrt. Noch kein Kunde, kein Partner hat hier jemals Zutritt gehabt. Zum Leidwesen vieler neugieriger Personen. Doch Wolfgang Humml will die Prozessparameter beschützen. Ein Mitgrund, warum er bei noch so netten Partnern eisern bleibt. Manche Vertreter hätten ein „enormes Mitteilungsbedürfnis“, weiß Wolfgang Humml nur zu gut. Deshalb gibt es über weite Strecken blickdichte Wände. Wegen denen hat man sich schon Ärger mit dem Arbeitsinspektorat eingehandelt. Humml bleibt dabei: Selbst der Hinweis darauf, welche Farbe ein neues Produkt bekommt, wäre „fatal“. Sicherheitszonen

Gequatscht werden soll also um keinen Preis. Das geht bis hin zur vertraglichen Fixierung „der Eigenfertigung“, den OEMs immer häufiger von Prototypenbauern einfordern. Andernfalls sei laut Vertragswerk „zumindest der Kunde zu informieren“, kennt Humml die vertraglichen Passagen nur zu gut. Und wundert sich: „Daran halten sich Mitbewerber nicht mehr in allen Fällen“, meint der 1zu1-Prototypen-Chef. Vielleicht sind die Dornbirner deshalb so gut bei den Autozulieferern angeschrieben. Denn sie halten sich minutiös ans Vertragliche. Und halten, wenn es sein muss, auch im räumlichen Sinn dicht.

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