Biotechnologie

Shire streicht über 500 Arbeitsplätze in Niederösterreich

Die Biotechnologiefirma Shire hat mehr als 500 beim AMS angemeldet. Der größte Teil der Stellenstreichungen betrifft die Produktion in Orth an der Donau. Die Firma spricht von einem "Übergang" - Gewerkschaft und Arbeiterkammer halten das für Schönfärberei.

Bei der Biotechnologiefirma Shire sind über 500 Mitarbeiter von einer Verlagerung und von "Umschichtungen" betroffen. Der Großteil davon in Orth an der Donau im Bezirk Gänserndorf.

"Wie viele Stellen abgebaut werden, wissen wir zum heutigen Zeitpunkt noch nicht", hieß es auf Anfrage der APA vom Unternehmen. Das entscheide sich in einem mehrstufigen Prozess über die nächsten zwölf Monate.

Im AMS-Frühwarnsystem seien vorsorglich mehr als 500 Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet worden. Es gebe einen Sozialplan, bestätigte das Unternehmen, ohne Details zu nennen. Der Standort Orth bekomme als "Innovations-Hub" einen anderen Schwerpunkt, Bereiche sollen auch nach Wien verlagert werden.

White Paper zum Thema

Firma stellt die Kündigungen als "Übergang" dar

Rund um einen geplanten Stellenabbau bei Shire in NÖ und Wien hat die Biotechnologie-Firma am Mittwoch in einer Stellungnahme von einem "Übergang" gesprochen, der in mehreren Stufen über die nächsten Jahre erfolge. Ein Sozialplan sei ausverhandelt worden, hieß es von Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ) und Gewerkschaft, die ihr Unverständnis für geplante Kündigungen äußerten.

Der Betriebsrat hat bereits einen Sozialplan ausverhandelt, der im Vergleich mit anderen Lösungen "wirklich gut" sei, sagte Barbara Teiber, Regionalgeschäftsführerin der GPA-djp, auf Anfrage der APA. Darin sei auch eine Arbeitsstiftung vorgesehen. Der Sozialplan soll bis Ende 2018 laufen und beinhalte Sonderregeln für ältere Angestellte über 50 Jahren. Besonders an dem Stellenabbau sei, dass in allen Altersklassen überwiegend gut qualifizierte Menschen betroffen seien.

Von der Gewerkschaft her gebe es "großes Unverständnis", dass Stellen abgebaut werden, obwohl der Standort gut laufe und Gewinne schreibe, sagte Teiber. Die Entscheidung sei aber offensichtlich in der Zentrale in den USA gefallen. Viele Details seien aber noch nicht klar. Auch AKNÖ-Präsident Markus Wieser erklärte, er habe überhaupt kein Verständnis für die Kündigungen, da keine wirtschaftliche Notwendigkeit bestehe.

Laut AKNÖ-Informationen wurden im AMS-Frühwarnsystem bis zu 650 Shire-Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet. Davon seien zwei Drittel am Standort Orth an der Donau (Bezirk Gänserndorf) und ein Drittel in Wien tätig. Wie viele Arbeitsplätze tatsächlich abgebaut werden, werde sich erst herausstellen.

Verlagerungen nach Wien

Laut Firmenangaben werden u.a. ein zentrales Prozessentwicklungs-Team und die Plasma-Qualitätskontrolle nach Wien verlegt. "Wien, als der aktuell größte Shire Standort in Österreich, wird mit dem Transfer der Plasma-Qualitätskontrolle und dem Aufbau eines globalen Kompetenzzentrums für Abfüllung eine zunehmend bedeutende Rolle im Shire Netzwerk spielen", teilte das Unternehmen mit.

Die Jobs wandern nach England

Parallel dazu werde ein "Innovations-Hub" in Österreich errichtet, in dem sich das Forschungsteam in Orth künftig auf Gentherapie und Hämatologie fokussiere. Eine kleinere Forschungs-und nicht-klinische Entwicklungsabteilung bleibe in Orth, der Rest der Kompetenzen werde im britischen Cambridge gebündelt.

Das Unternehmen begründete die Entscheidung, diverse Bereiche zu verlagern, mit einer strategischen Studie zum Produktionsnetzwerk, die nach der Übernahme von Baxalta durchgeführt worden sei. Mit dieser Bewertung soll laut Angaben der Firma das interne und externe Versorgungsnetz analysiert und optimiert werden. Die Ergebnisse seien an die Mitarbeiter kommuniziert worden.

Im Juni 2016 wurde die Fusion des britisch-irischen Unternehmens Shire und Baxalta Incorporated abgeschlossen. Shire beschäftigt derzeit 4.000 Mitarbeiter in Österreich in mehreren Gebäuden in Wien sowie in Orth an der Donau. Der Standort in Krems wurde im Vorjahr geschlossen. Betroffen waren 65 Mitarbeiter, die am Aufbau beteiligt gewesen waren. (apa/red)

Verwandte tecfindr-Einträge