Medizintechnik

Semperit verkauft Sempermed - Werk in Wimpassing soll bleiben

Der Wiener Gummiverarbeiter Semperit hat sich für den Verkauf seiner angeschlagenen Medizinsparte Sempermed entschieden, die ein Drittel des Umsatzes erwirtschaftet. Das große Werk in Wimpassing soll aber erhalten bleiben, so Konzernchef Füllenbach.

Der börsennotierte Gummiverarbeiter Semperit hat beschlossen, die Medizinsparte Sempermed zu verkaufen. Dieser Schritt wurde seit November 2019 geprüft. Die Sparte hat rund 3.000 Mitarbeiter und macht rund ein Drittel des gesamten Semperit-Umsatzes von knapp 900 Mio. Euro.

Konzernchef Füllenbach: Andere Eigentümer wären für die Sparte besser

Zu klein sind die Kapazitäten im globalen Umfeld, zu gering die Margen und zu hoch der Investitionsaufwand, der in den nächsten Jahren angestanden wäre. "Wir sind davon überzeugt, dass unser Medizingeschäft durch andere Eigentümer besser fortgeführt und entwickelt werden kann" sagt Semperit-Vorstandsvorsitzender Martin Füllenbach. Aktuell zu Sempermed: Wegen der Medizinsparte: Semperit erwartet einen Jahresverlust >>

Füllenbach will das Unternehmen jetzt zum Industriegummi-Spezialisten transformieren. Das sei die "größte strategischen Grundsatzentscheidung der letzten Jahrzehnte" für das Unternehmen. Für Sempermed werde "zeitnah" aber "ohne konkrete Frist" ein Käufer gesucht.

White Paper zum Thema

Werk in Wimpassing soll bleiben - "Aufwertung" in Aussicht gestellt

In Österreich sind über 100 Mitarbeiter betroffen, davon unter 100 in Wimpassing in der Produktion von Operationshandschuhen. Wimpassing sei aber "in erster Linie Standort der Industriesegmente Semperform und Semperflex und steuert auch gruppenweite Schlüsselbereiche wie die Forschung & Entwicklung oder Mixing", so Semperit.

Das Stammwerk in Wimpassing (NÖ) bleibe "als Teil der Semperit-Gruppe zweifellos erhalten", schreibt CEO Martin Füllenbach.

Der Standort ist in erster Linie Standort der Industriesegmente Semperform (Gummidichtungen) und Semperflex (Industrieschläuche) sowie von Schlüsselbereichen der F&E und dem Mixing. Das dritte Industriesegment Sempertrans (Gummiförderbänder) hat seien Schwerpunkt in Polen. Der Standort Wimpassing solle sogar aufgewertet werden, sagte Füllenbach, ohne in Details zu gehen. Wimpassing solle "eine konzernweit noch größere Bedeutung erfahren".

Mit dem Verkauf und der damit verbundenen Konzentration auf den Industriesektor wird das Gewinnziel, das bisher bei 10 Prozent Ebitda-Marge ab Ende 2020 lag, bis Ende 2024 auf 13 Prozent erhöht.

Ende Dezember 2019:
Semperit: Neuer Technikvorstand und neue Strategie >>

Werk in den USA?

Semperit kündigt auch an, eine eigene Produktion in Nordamerika aufzubauen und dort den Vertrieb zu verstärken. Details werden erst geprüft. Dafür ist beschlossen, dass die bisher aus drei Bereichen bestehende Industriesparte künftig aus vier Geschäftsfeldern bestehen soll.

Aus dem Segment Semperform wird die Herstellung von Profilen, etwa Fenster- und Türdichtungen, unter dem Namen Semperseal abgespalten. Unverändert bleiben Semperflex und Semperform bestehen. Auch will Semperit einen Schwerpunkt auf die Entwicklung neuer Produkte für Industrie 4.0 legen.

(red mit apa)

INDUSTRIEMAGAZIN zur Holding hinter Semperit:
B&C-Chef Peter Edelmann im Interview: "Ich nenne das enkelfähig" >>