Zuliefererindustrie

Selbstfahrende Autos bald in der Steiermark unterwegs

Teilweise selbstfahrende Autos - also speziell ausgerüstete Fahrzeuge, die selbstständig lenken, bremsen und beschleunigen - wurden nun in der Steiermark erstmals getestet. Im Jänner beginnen die regulären Tests.

AVL-Chef Helmut List und Magna-Vorstand Gerd Brusius haben gemeinsam mit Verkehrsminister Jörg Leichtfried die steirischen Teststrecken für selbstfahrende Autos vorgestellt. Anschließend gab es eine kurze Probefahrt auf der A9 bei Gratkorn.

Die ersten regulären Tests starten im Jänner am steirischen Teil der Südautobahn (A2)  schwerpunktmäßig zwischen Laßnitzhöhe und Modriach in beide Richtungen. Weiters sollen die Testfahrten sukzessive auf den steirischen Teil der Pyhrnautobahn (A9), die Brucker Schnellstraße (S35), die Murtal Schnellstraße (S36) und die Semmering Schnellstraße (S6) ausgeweitet werden. Damit kommen autonom fahrende Autos nach deutschen Autobahnen als Testfahrzeuge auch auf die österreichischen Straßen.

Autos fahren mit dem „Zehn-Augen-Prinzip“

Die ersten Testreihen seien ab Mitte Jänner geplant, schilderte Peter Schöggl, Leiter Business Field Racing, Vehicle Engineering und Technik Antriebsysteme der APA. Vorerst habe man um fünf entsprechende "Versuchskennzeichen" angesucht, im Laufe des Jahres sollen es mehr werden. Die Autos seien mit Laserscanner, Radarsensoren und Kameras zur Überwachung der Fahrzeugumgebung ausgestattet worden. "Wir fahren sozusagen nach dem Zehn-Augen-Prinzip", schmunzelte Schöggl. In den Fahrzeugen befinde sich "jede Menge Elektronik und Software, welche die Daten, die die Sensoren erfassen, fusionieren", so der AVL-Teamleiter. Die Asfinag schließt bis zum Ende des Jahres sämtliche technologischen Vorbereitungen zur Datenerfassung auf der Teststrecke zwischen Laßnitzhöhe und dem Knoten Graz-West ab.

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Leichtfried sprach von einem "riesigen Schritt in die Zukunft" und einem historischen Tag: "Selbstfahrende Autos werden unseren Alltag sicherer machen. Es wird weniger Tote auf unseren Straßen geben, weil die Technik hilft, fatale Fehler zu vermeiden", versprach der Minister. Insgesamt investiert das Verkehrsministerium bis 2019 über 20 Mio. Euro für den Ausbau des automatisierten Fahren. "Hier geht es um Sicherheit, aber auch um unsere Unternehmen und unsere Wirtschaft", betonte Leichtfried. Die Förderung würde private Folgeinvestitionen in Millionenhöhe auslösen und neue österreichische Technologie entstehen lassen.

Große europäische Unternehmen wollen heimische Straßen nutzen

Ziel sei es, federführend an der Entwicklung der Technologien für selbstfahrende Autos mitzuwirken und Fahrassistenzsysteme zu entwickeln, die letztlich die Unfallzahlen im Straßenverkehr deutlich senken sollen, erläuterte AVL-CEO Helmut List: "Dass wir jetzt auf steirischen Straßen testen können, ist ein wichtiger Schritt zu schnellen und effizienten Lösungen im Sinne unserer Kunden", sagte List. Tests auf öffentlichen Straßen unter Realbedingungen seien "unbedingt notwendig" betonte Magna Steyr-Vorstand Gerd Brusius. So könne sichergestellt werden, dass die Systeme "verlässlich funktionieren". " europäische Unternehmen stehen bereit, die die Chance zu Testfahrten auf österreichischen Straßen nutzen wollen", so Brusius.

AVL, Magna, das Kompetenzzentrum Virtual Vehicle, Joanneum Research und die TU Graz haben sich zum "ALP.Lab (Austrian Light Vehicle Proving Region for Automated Driving) zusammengeschlossen. Gemeinsam will man in der Steiermark ein neues Testzentrum für automatisiertes Fahren aufbauen und Kunden aus der Automobilindustrie neben Teststrecken, die zur Datenaufzeichnung notwendige Technik und eine vollständige Simulationsumgebung anbieten.

Sicherheitsrichtlinien

Für die Testfahrten gibt es laut Verkehrsministerium klare Sicherheitsmaßnahmen: Ein ausgebildeter Testpilot muss immer mit an Bord sein und jederzeit die Steuerung übernehmen können. Bei den ersten durchgeführten Tests wurden Versuchsfahrzeuge mit autonomer Längs-, und Querführung eingesetzt. Damit kann das Fahrzeug selbstständig autonom fahren, also lenken, bremsen und beschleunigen. Neben der Steiermark wird künftig auch in Salzburg ein vollautonomer Autobus unterwegs sein. Das Bundesheer will selbstfahrende Traktoren u. a. in der Buckligen Welt und im Großraum der Truppenübungsplätze Allentsteig (NÖ), Wattener Lizum (Tirol) und Zwölfaxing (NÖ) testen. (apa)

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