Personalia

Seit 2018 an der Spitze von VW: Zur Person des Österreichers Herbert Diess

Mit dem Aufrücken des Österreichers Herbert Diess an die Spitze des Vorstands von Volkswagen hat sich auch der Führungsstil des weltgrößten Autobauers geändert. Diess gilt als strategischer Strippenzieher und erfahrener Krisenmanager. Hier die Details.

In der VW-Führungsriege saß der Österreicher Herbert Diess seit Mitte 2015 schon in der ersten Reihe. Öffentlich blieb er zunächst aber eher im Hintergrund, denn oberster Frontmann war ein anderer: der weitaus emotionaler auftretende Konzernchef Matthias Müller. Im April 2018 löste Diess Müller dann an der Spitze der VW-Gruppe ab. Damit änderte sich auch der Führungsstil beim inzwischen weltgrößten Autobauer.

Diess gilt als strategischer Strippenzieher und erfahrener Krisenmanager. Der 60-Jährige ist stets gut vorbereitet, hat keine Berührungsängste zu den Medien, reagiert souverän auf Kritik und war schon früh als möglicher Kronprinz im Gespräch. Sein Name wurde bereits für den Top-Job bei Volkswagen gehandelt, als der damalige Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn im September 2015 über den Diesel-Skandal stolperte und abtreten musste.

Maschinenbauer und Kostendrücker

Der studierte Maschinenbauer Diess ist allerdings auch ein nüchterner und durchsetzungsstarker Kostendrücker. Er war vor allem angetreten, um die renditeschwache Pkw-Kernmarke bei Volkswagen auf Vordermann zu bringen, und handelte das Reform- und Sparprogramm "Zukunftspakt" bei der Stammsparte aus. Dabei kam es anfangs zu erheblichen Reibereien mit dem mächtigen Betriebsratschef Bernd Osterloh.

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Strittig ist Diess' Rolle im Sommer 2015, kurz vor dem Bekanntwerden der Dieselaffäre. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelte wegen Marktmanipulation und klagte neben Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch und Winterkorn nun auch ihn an. Der Verdacht: Diess könnte von illegaler Abgastechnik in den USA gewusst, die Finanzmärkte aber nicht wie vorgeschrieben informiert haben.

Stationen bei BMW und Bosch

Als promovierter Fertigungstechniker hatte sich Diess bereits bei BMW einen Namen als Effizienzexperte gemacht. Dort verantwortete er zwischen 2007 und 2012 nicht nur Einkauf und Zulieferer-Netzwerk, sondern zuletzt auch das Ressort Entwicklung. Zwischen 1999 und 2003 leitete er in BMW-Diensten das Motorenwerk nahe Birmingham und die Fahrzeugfabrik in Oxford. Seine ersten beruflichen Schritte machte Diess bei Bosch. Er setzt sich für die Fertigung von Batterien und Batteriezellen für die E-Mobilität am Standort Deutschland ein. (dpa/apa/red)

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