Mineralölindustrie

Schwierigkeiten in Libyen drücken auf das Ergebnis der OMV

Kein Gewinnanstieg im ersten Quartal bei der OMV - wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen in Nordafrika. Konzernchef Seele hofft auf eine schnelle Entscheidung Dänemarks zur umstrittenen russischen Gasröhre Nord Stream 2. Mit Rumänien laufen invensive Verhandlungen über Bohrungen im Schwarzen Meer.

Probleme im politisch instabilen Libyen verhinderten beim Öl- und Gasriesen OMV im ersten Quartal einen Gewinnanstieg. Das operative Ergebnis wäre sonst höher als Anfang 2018 gewesen. Nun laufe die Produktion wieder auf Normalhöhe, sagte OMV-Chef Rainer Seele zur APA. Doch auch Abschreibungen belasteten, und die Raffineriemarge ist gedrückt.

OMV hält an Nord Stream 2 fest

An der Finanzierung der Nord-Stream-2-Gaspipeline, die unter Ägide der russischen Gazprom gebaut wird, hält die OMV fest, insgesamt beteiligen sich die Österreicher ja mit einem Zehntel an den Projektkosten von 9,5 Mrd. Euro. Aus Dänemark erhofft Seele eine positive Bauentscheidung - wichtig sei, dass die dänischen Behörden möglichst rasch eine diskriminierungsfreie Entscheidung treffen. Bei der Umsetzung der Dritten EU-Binnenmarkt-Richtlinie sei die Frage, wie etwa in Deutschland die dortigen Behörden betreffend die "letzten Meter" der Leitung entscheiden.

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Bohrungen im Schwarzen Meer in Vorbereitung

Mit der rumänischen Regierung steht die OMV über ihre Tochter Petrom in "intensivem Dialog", um - bei geeigneten Bedingungen - eine finale Investitionsentscheidung für eine Explorationsbohrung im Schwarzen Meer ("Neptun") treffen zu können. Man will mehr Steuersicherheit, einen freien Erdgasmarkt und möglichst liberale Gasexporte.

Vorübergehend keine neuen Beteiligungen mehr

Für die Achimov-IV/V-Gasakquisition der OMV in Russland "wollen wir uns im Sommer auf den Kaufpreis einigen", sagte Seele. Nach diesem Zukauf und dem im Jänner verkündeten Erwerb einer Raffinerie-Beteiligung in Abu Dhabi will die OMV "eine schöpferische Pause" einlegen, um sich auf die Erträge der Neuerwerbungen zu konzentrieren.

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Kriegerische Konflikte in Libyen

Den negativen Effekt durch die Libyen-Ausfälle bezifferte Seele auf Ebene des um Lagerbestände bereinigten CCS Operativen Ergebnisses vor Sondereffekten mit 144 Mio. Euro. Ohne diese Probleme wären es nicht 759 Mio. Euro (-7 Prozent) gewesen, sondern knapp über 900 Mio. Euro - mehr als die 818 Mio. Euro von vor einem Jahr.

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Die Produktion in Libyen laufe trotz der Unruhen im Land wieder stabil - und zwar auf dem normalen Niveau von rund 35.000 Barrel Öl-Äquivalent pro Tag, sagte Seele. Man könne das Öl zu den Häfen transportieren, und auch die Verladung sei nicht beeinträchtigt. Abhängig von Libyen soll die durchschnittliche Tagesproduktion der OMV heuer auf rund 500.000 Barrel Öl-Äquivalent steigen, nach 427.000 boe/d 2018 bzw. 474.000 boe/h heuer im Erstquartal.

Hohe Abschreibungen aus Zukäufen

Zweiter negativer Faktor für die OMV im Auftaktquartal waren höhere Abschreibungen aus Zukäufen (Neuseeland, Gaslagerstätte in Abu Dhabi sowie SapuraOMV in Malaysia). Im Zusammenhang mit IFRS-Leasing-Regeln stieg dadurch auch der OMV-Verschuldungsgrad auf 20 Prozent, nach 16 Prozent Anfang 2018 bzw. 13 Prozent Ende 2018.

Die OMV-Raffineriemarge sank im ersten Quartal auf knapp über 4 Dollar pro Barrel - den tiefsten Stand seit 2016. Wegen der schwächeren Nachfrage habe man Kraftstoffe und Nafta vielfach auf Lager produziert. Speziell bei Kraftstoffen und Nafta habe man Vorräte aufgebaut. Dadurch sei der an sich gute Cash-Zufluss belastet gewesen, der ohne Lagereffekte stärker ausgefallen wäre. Nun habe die Nachfrage aber wieder angezogen.

Belastet werden könnte die Marge freilich auch durch die neuen strengeren Iran-Sanktionen, je nachdem wie China bzw. Indien darauf reagieren und ob sich die Ölmärkte verknappen. Weiterer Negativ-Faktor sind die höheren Transporte aus den USA - wegen der dort schwachen Nachfrage -, die nach Europa kämen und die Margen drücken würden. Im Gesamtjahr sieht die OMV die Raffineriemarge unter 5 Dollar/Fass, davor hoffte man auf "rund 5 Dollar".

Zahlen fürs erste Quartal

Wie von Analysten erwartet, war die OMV schwächer ins neue Jahr gestartet. Das operative Ergebnis der Gruppe sank im Jahresabstand um 15 Prozent auf 766 Mio. Euro, ein etwas stärkerer Rückgang als prognostiziert. Dafür verringerte sich der den Aktionären zuzurechnende Nettogewinn nur um 13 Prozent auf 354 Mio. Euro. Beim Umsatz verzeichnete man ein Plus von 9 Prozent auf 5,403 Mrd. Euro, die Mitarbeiterzahl sank um zwei Prozent auf 20.225.

Den Brent-Ölpreis erwartet die OMV heuer weiterhin im Schnitt bei 65 Dollar pro Fass (2018: 71 Dollar), die Gaspreise an den Spotmärkten werden niedriger erwartet. Die Petrochemie-Margen würden etwas niedriger als 2018 liegen, damals waren es 448 Euro pro Tonne. Generalüberholungen der Raffinerien seien 2019 keine geplant, daher werde der Raffinerie-Auslastungsgrad höher als die 92 Prozent des Jahres 2018 sein.