Deutschland

Schwerer Vorfall im Tunnelbau von Züblin: Auswirkungen auf Güterverkehr

Auf einer Tunnelbaustelle einer Arbeitsgemeinschaft der Strabag-Tochter Züblin mit Hochtief kam es zu einem schweren Zwischenfall. Jetzt muss die riesige Tunnelvortriebsmaschine einbetoniert werden. Die Bahn muss bis zu 200 Güterzüge am Tag umleiten. Autoindustrie und Logistiker halten die Auswirkungen trotzdem für vergleichsweise gering.

Im Bild ein Screenshot zu einem Video über die Tunnelvortriebsmaschine im Einsatz beim Tunnelbau im Tunnel Rastatt.

Die Rheintalbahn ist seit einem Zwischenfall bei den Arbeiten in einer Tunnelbaustelle gesperrt. Die Strecke im Südwesten Deutschlands ist eine der wichtigsten Bahnverbindungen des Landes und liegt im Zentrum wichtiger Bahnstrecken Europas.

Weil der Schaden größer ist als zunächst angenommen, hat die Sperre auch Auswirkungen auf zahlreiche andere Branchen, etwa die Logistik, die Autoindustrie und ihre Zulieferer.

Eine der wichtigsten Bahnstrecken Deutschlands

Die Bahnstrecke zwischen Karlsruhe und Basel gehört zu den wichtigsten Verbindungen Deutschlands. Normalerweise fahren auf der Strecke bis zu 200 Güterzüge am Tag, dazu zahlreiche Passagierzüge im Fern- und Regionalverkehr.

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Die gesamte Strecke ist rund 182 Kilometer lang. Wegen ihrer geografischen Lage gilt sie auch als Herzstück des wichtigsten europäischen Güterkorridors Rotterdam-Genua. Schon seit Jahren baut die Deutsche Bahn die Rheintalbahn als Teil des europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes aus.

Züblin und Hochtief bauen

Die aktuell in Arbeit befindliche Neubaustrecke südlich von Karlsruhe besteht aus neun Streckenabschnitten, die jeweils in mehrere Planfeststellungsabschnitte unterteilt sind. Der Tunnel Rastatt, in dem sich der Zwischenfall ereignet hat, liegt am Ende des Streckenabschnitts 1 wenige Kilometer nördlich der Stadt Baden-Baden.

Mit den Arbeiten am Tunnel Rastatt ist die Arbeitsgemeinschaft Arge Tunnel Rastatt beauftragt. Mitglieder dieser Arbeitsgemeinschaft sind der Baukonzern Züblin, der zum österreichischen Branchenführer Strabag gehört, sowie der deutsche Bauriese Hochtief.

Dabei ist Ed. Züblin für die Technik verantwortlich und Hochtief für die kaufmännische Seite. Im ersten Halbjahr 2016 startete die Montage der ersten Tunnelvortriebsmaschine der Firma Herrenknecht.

Der schwere Vorfall im August

Am 12. August kam es zu einem schweren Zwischenfall bei den Bauarbeiten. Dabei hat sich ein Betonsegment in der Röhre verschoben. Wasser und Erdreich drangen ein.

An dieser Stelle führt die Tunnelstrecke im Grundwasser nur knapp fünf Meter unter den Gleisen der Rheintalbahn hindurch. Deshalb senkten sich die Gleise darüber ab. Wie es zu diesem Zwischenfall kommen konnte, ist laut den Verantwortlichen derzeit unklar. Daraufhin hat die Bahn den Zugverkehr gestoppt.

Jetzt wird ein 150 Meter langer Tunnelabschnitt mit rund 10.000 Kubikmetern Beton gefüllt. Dann soll eine 120 Meter lange und einen Meter dicke Betonplatte gegossen werden, auf der dann neue Gleise verlegt werden.

Tunnelbohrmaschine wird einbetoniert

Die Verfüllung der beschädigten Tunnelröhre soll bis zum kommenden Freitag abgeschlossen sein. Dabei wird auch die 18 Millionen Euro teure Tunnelbohrmaschine einbetoniert.

Die an dieser Baustelle eingesetzte Tunnelbohrmaschine steckt rund 40 Meter vor dem geplanten Ende der Röhre fest. Solche für große Tunnelbauprojekte jedes Mal eigens zusammengestellten Maschinen sind üblicherweise über hundert Meter lang.

Alleine der Bau der Bodenplatte werde drei Wochen dauern, heißt es. Für die Arge sagte Klaus Pöllath, es gebe technische Lösungen, um eine einbetonierte und unbenutzbar gewordene Tunnelbohrmaschine wieder zu bergen. Zur Frage, wie und wann die Röhre fertiggestellt werden kann, gab es keine Auskunft.

Starke Kritik am Bauherrn DB

Seit dem Zwischenfall leitet die Bahn die Züge nach und nach auf andere Strecken durch Baden-Württemberg und Bayern sowie Frankreich um.  

Nach dem Vorfall war die Deutsche Bahn von der Politik und den betroffenen Kommunen scharf kritisiert worden. Das Bauvorhaben sei zu risikoreich, es habe kein Ausweichkonzept gegeben und es sei zu spät informiert worden, sagen sie.

Autoindustrie und Logistiker: Auswirkungen "nicht so dramatisch"

Die Autoindustrie und die Logistikbranche halten die Folgen für überschaubar. Von der Autoindustrie heißt es: "Wir haben keine Meldung über Probleme vorliegen", so ein Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Dagegen bringe für die Passagiere die lange Sperrung der Trasse große Nachteile mit sich, heißt es beim Fahrgastverband Pro Bahn.

Sprecher der Logistikbranche erwarten keine Engpässe. Der Stau von Zügen befand sich zehn Tage nach der Havarie nach Angaben von DB Cargo auf niedrigem Niveau. Die Auswirkungen auf die Lieferströme seien "nicht so dramatisch", sagte der Sprecher des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME), Frank Rösch.

Freigabe der Strecke Anfang Oktober

Wie die Deutsche Bahn und die Arbeitsgemeinschaft der Baufirmen jetzt mitteilen, soll die Rheintalbahn am 7. Oktober wieder für den regulären Verkehr freigegeben werden. Die Deutsche Bahn hat hier weitere Details dazu veröffentlicht.

(pm mit Material von dpa/apa)

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Siemens Österreich liefert Züge
Für den steigenden Verkehr auf der Rheintalbahn hat die Deutsche Bahn übrigens unlängst neue Züge in Graz bestellt. Mehr dazu unter: Siemens Österreich gewinnt Großauftrag: Neue Regionalbahnen für das Rheintal kommen aus Graz >>

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