Baustoffe

Schweizer Gericht stützt den Kurs von Sika gegen Saint-Gobain

Im Kampf um die Unabhängigkeit hat der Schweizer Bauchemiekonzern Sika einen wichtigen Rechtsstreit gewonnen. Die Sika-Gründerfamilie kündigte umgehend Berufung gegen das Urteil an.

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Im Kampf um die Unabhängigkeit hat der Schweizer Bauchemiekonzern Sika einen wichtigen Rechtsstreit gewonnen. Das Kantonsgericht Zug unterband einen Versuch der Sika-Gründerfamilie, die Kontrolle über das Unternehmen an den französischen Baustoffkonzern Saint-Gobain zu übertragen. Die bereits fast zwei Jahre dauernde Übernahmestreit ist damit aber noch nicht beendet.

Die Familie kündigte umgehend Berufung gegen das Urteil an. Die Burkards hatten im Dezember 2014 entschieden, ihren Anteil an Saint-Gobain zu verkaufen. Dank zweier Aktienkategorien hält die Familie mit nur 16 Prozent des Kapitals 53 Prozent der Stimmrechte an Sika. Saint-Gobain bietet den Burkards 2,75 Milliarden Franken für ihren Anteil an der über 100jährigen Firma. Die Prämie zum damaligen Aktienkurs beläuft sich auf 80 Prozent, die übrigen Aktionäre sollen leer ausgehen. Die meisten Publikumsaktionäre, darunter auch ein Anlagevehikel von Microsoft-Gründer Bill Gates, protestierten gegen dieses Vorgehen.

Um einen Machtwechsel zu vereiteln, zog der Sika-Verwaltungsrat ein in der Schweiz verbreitetes Abwehrinstrument aus dem Hut. Auf einer Aktionärsversammlung im Jahr 2015 beschnitt Sika die Stimmrechte der Burkards auf fünf Prozent. Damit gelang es der Familie nicht, die Mehrheit im Verwaltungsrat zu erlangen. Genau dies ist aber eine Voraussetzung, damit die Transaktion über die Bühne gehen kann. Gegen die Stimmrechtsbeschränkung klagte die Familie. Die drei Richter am Kantonsgericht Zug kamen nun zum Schluss, dass die Stimmrechtsbeschränkung zu Recht erfolgte.

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Sika-Präsident Paul Hälg bemühte sich nach dem Entscheid um eine Annäherung. "Wir wollen der Familie die Hand reichen und bieten einen offenen und konstruktiven Dialog, um eine einvernehmliche Lösung zu finden, die sowohl ihr Ziel eines Verkaufs erfüllt als auch die Unabhängigkeit von Sika bewahrt", erklärte er. Frühere Äußerungen der Familie deuten allerdings darauf hin, dass die Chancen einer Einigung beschränkt sind. Falls eine der Parteien auch das Urteil der nächsten Instanz anficht, kommt der Fall vor das Schweizer Bundesgericht. Bis zu einem letztgültigen Entscheid könnten nach Einschätzung von Anwälten nochmals rund zwei Jahre verstreichen.

Saint-Gobain bekräftigte, am Übernahmeplan festhalten zu wollen. Die Schenker-Winkler Holding (SWH) werde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts Zug beim Zuger Obergericht Beschwerde einlegen. Der Verwaltungsrat von Saint-Gobain nehme den Entscheid des Kantonsgerichts Zug zur Kenntnis, teilte das französische Unternehmen am Freitagabend mit. Man habe Vertrauen in die Schweizer Justiz, dass die Eigentumsrechte der SWH als Familienholding der Gründerfamilie im Berufungsverfahren wiederhergestellt würden.

Der Verwaltungsrat bekräftigte seine Entschlossenheit, "das industrielle Vorhaben", das für alle beteiligten Parteien Mehrwert schaffen werde, wie geplant umzusetzen. Die mit der Familie Burkard geschlossene Vereinbarung habe bis Ende Juni 2017 Gültigkeit und könne von Saint-Gobain bis Ende Dezember 2018 verlängert werden. (APA/Reuters/sda/red)