Coronakrise

Schur-Flexibles-CEO Schernthaner und Saubermacher-Aufsichtsratschef Roth: "Hätten uns von der EU mehr erwartet"

Das "Konzept Europa" funktioniere nicht sehr gut, konstatiert Schur-Flexibles-Chef Michael Schernthaner. "Es wäre ein Wunder, wenn bei der Gesundheit auf einmal alle gut zusammenhalten", ergänzt Saubermacher-Gründer Hans Roth bei einem Zwiegespräch über Corona, Europa und Nachhaltigkeit.

Saubermacher-Aufsichtsratschef Hans Roth: "Hätte mir von der EU mehr gewünscht" 

Michael Schernthaner, CEO des Verpackungsherstellers Schur Flexibles, und Hans Roth, Gründer des Entsorgungsdienstleisters Saubermacher, haben sich zum digitalen Zwiegespräch getroffen, um im INDUSTRIEMAGAZIN-Podcast über mögliche Umsatzeinbußen oder auch Umsatzsteigerungen durch die Corona-Krise, das EU-Kreislaufwirtschaftspaket und verbindliche Recycling-Quoten und die Schwächen der Europäischen Union zu sprechen.

Bei letzterem Punkt sind sich beide einig: Die Solidarität in der EU lasse zu wünschen übrig. "Es wäre ein Wunder, wenn bei der Gesundheit auf einmal alle gut zusammenhalten", so Saubermacher-Aufsichtsratschef Hans Roth. "Ich kann mich Herrn Roth nur anschließen. Man muss wieder einmal feststellen, dass das Konzept Europa nicht so gut funktioniert, wie wir das gerne hätten, weil es da schlußendlich doch wieder zu sehr nationalen Umsetzungen kommt, die sehr unterschiedlich gehandhabt werden. Das erleichtert einem europäischen Konzern wie uns das Leben nicht", ergänzt Schernthaner. Im Gesundheitswesen habe man außerdem noch eine ganz andere Herausforderung. Dies sehe man an einem Staat wie Österreich, der föderalistisch aufgestellt sei, denn viele Themen seien nicht einmal Bundessache. "Dadurch wird alles noch einmal schwieriger."

Er habe sich gewünscht, "dass man zumindest den Solidaritätspakt ein bisschen mehr spüren würde. Das heißt man sollte sich als Land nicht unbedingt nur freuen, dass man weniger Corona-Fälle oder weniger Todesfälle als ein anderes Land hat", so Schernthaner. Jetzt wäre der Zeitpunkt, dass man diesen Ländern, die wirklich sehr betroffen sind, wirklich schnelle Hilfe zukommen lässt." (Anm.: Zwei Wochen nach dem Gespräch haben sich die EU-Finanzminister auf ein Corona-Hilfspaket geeinigt.) "Ich hätte mir gewünscht, dass diese Best-Practice-Schere besser funktioniert hätte. Das hilft uns in Europa unter den Werken jeden Tag, wenn wir voneinander lernen und das hätten wir uns auch auf politischer und gesellschaftlicher Ebene gewünscht", so der Schur-Flexibles-Chef.

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