Stahlindustrie

Schrottrecycler Scholz steht kurz vor Verkauf an Chinesen

Der angeschlagene deutsche Schrottverwerter Scholz steht vor dem Verkauf an den chinesischen Metallrecycler Chiho-Tiande. Scholz hatte zunächst exklusiv mit der US-Finanzfirma KKR verhandelt, doch Chiho-Tiande hat jetzt die Gläubiger auf seine Seite gezogen. Die Auswirkungen auf Scholz Austria sind derzeit offen.

Nachdem die chinesische Hebei Iron & Steel Group Interesse an Tata Steel in Großbrittannien bekundet und zuvor schon beim serbischen Stahlwerk Zelezara Smederevo zugeschlagen hatte, steht nun ein weiteres Unternehmen aus der Stahlbranche im Fokus eines chinesischen Rivalen: der schwer angeschlagene deutsche Schrottverwerter Scholz. Der an der Börse in Hongkong gelistete Metall-Recycler Chiho-Tiande hat die Gläubiger des Konzerns aus Essingen bei Aalen auf seine Seite gezogen und den US-Finanzinvestor KKR damit ausgestochen.

Fast alle Gläubiger hätten das Angebot der Chinesen für ihre Forderungen im Nominalwert von 524 Mio. Euro angenommen, die restlichen dürften folgen, teilte Scholz mit. Die Zeichner einer in Wien notierten, 182 Mio. Euro schweren Anleihe bekommen zwischen 7,67 und 10,85 Prozent zurück, je nachdem wie viel Gewinn Scholz in diesem und im nächsten Jahr schreibt.

Scholz ist mit gut einer Milliarde Euro verschuldet und einer der größten Sanierungsfälle in Deutschland. Mehrere Banken hatten ihre Darlehen an Hedgefonds weiterverkauft. Der Konzern mit knapp 5.000 Mitarbeitern leidet unter dem enormen Preisdruck auf dem Schrott- und Stahlmarkt.

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Scholz hatte zunächst exklusiv mit KKR verhandelt; der US-Investor wollte über einen Kreditfonds einsteigen. Die Bindung an KKR sei aber aufgehoben worden, sagte ein Sprecher. Damit kann Scholz nun mit Chiho-Tiande über einen Einstieg verhandeln. Dazu wollen die Chinesen die aufgekauften Forderungen in Anteile an der Scholz Holding umwandeln. Bei den Verhandlungen dürfte es auch darum gehen, ob und wie die bisherige Eigentümerfamilie mit einem Minderheitsanteil an Scholz beteiligt bleibt. Ihre Anteile und die der mit 39,9 Prozent eingestiegenen japanischen Toyota Tsusho werden von einem Treuhänder verwaltet.

Auswirkungen auf Scholz Austria offen

Ob es Auswirkungen auf Österreich geben wird, ist derzeit offen. Bei einer diesbezüglichen Anfrage von INDUSTRIEMAGAZIN.at hat die Geschäftsführung von Scholz Austria auf die Konzernzentrale von Scholz in Deutschland verwiesen.

Die deutsche Scholz Holding GmbH hält indirekt 63,35 Prozent an der Scholz Austria GmbH. Die Voestalpine hält indirekt 34,011 Prozent und die Stahl- und Walzwerk Marienhütte Gesellschaft m.b.H. direkt 2,639 Prozent der Anteile an der Scholz Austria GmbH.

Die Scholz Austria GmbH wurde Ende 2006 als Joint Venture des Voestalpine Konzerns und der deutschen Scholz Gruppe gegründet. Mit diesem Joint Venture haben die beiden Konzerne ihre österreichischen und zum Teil auch tschechischen Schrotthandelsaktivitäten in einer Gesellschaft gebündelt. (APA/Reuters/red)

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