Stahlverarbeitung

Scholz will Schuldenschnitt - Scholz Austria nicht betroffen

Der angeschlagene deutsche Schrottverwerter Scholz will seine Gläubiger zu einem Teilverzicht auf Kredite und Anleihen bewegen. Scholz Austria betont, davon "nicht betroffen" und solide finanziert zu sein. Die Voestalpine ist indirekt mit 34 Prozent an Scholz Austria beteiligt.

Der angeschlagene deutsche Schrottverwerter Scholz will seine Gläubiger zu einem Teilverzicht auf ihre Kredite und Anleihen bewegen. Die Schulden von gut einer Milliarde Euro verhinderten den Einstieg eines dringend benötigten neuen Investors, wie die Scholz Holding eingeräumt hat.

Das Familienunternehmen von der Schwäbischen Alb sucht seit Herbst einen neuen Miteigentümer - doch bisher winkten alle Finanzinvestoren und strategischen Interessenten angesichts der Schuldenlast ab. Auch die 2014 mit 39,9 Prozent eingestiegene japanische Toyota Tshusho will kein frisches Kapital mehr geben, aber ihre Beteiligung behalten.

Scholz Austria: Ausreichend mit Eigenkapital ausgestattet

Scholz Austria betonte nun, sie sei von den Restrukturierungsmaßnahmen nicht betroffen. Die derzeitigen Restrukturierungsmaßnahmen der Gruppe würden von der deutschen Scholz Holding durchgeführt, meldet das in Wien ansässige Unternehmen. Die Schuldverschreibung in Höhe von 182,5 Millionen Euro sei ausschließlich von der deutschen Scholz Holding GmbH begeben worden.

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Von diesen Restrukturierungsmaßnahmen sei Scholz Austria nicht betroffen: "Dank einer guten Performance" sei man über die letzten Jahre ausreichend mit Eigenkapital ausgestattet und verfüge über eine Eigenkapitalquote von 52 Prozent.

Weiters habe man die operativen Verbindungen mit der Scholz Holding GmbH weitgehend zurückgefahren, melden die Wiener. Es bestünden nur noch geringfügige Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Scholz Austria und ihre operativen Gesellschaften sind nach eigenen Angaben unabhängig von der deutschen Scholz Holding über österreichische Banken finanziert, liquide und operativ und strategisch voll handlungsfähig.

Eckdaten zu Scholz Austria - Voestalpine beteiligt

Die Scholz Austria GmbH wurde Ende 2006 als Joint Venture des Voestalpine Konzerns und der deutschen Scholz Gruppe gegründet. Mit diesem Joint Venture haben die beiden Konzerne ihre österreichischen und zum Teil auch tschechischen Schrotthandelsaktivitäten in einer Gesellschaft gebündelt.

Aktuell hält die deutsche Scholz Holding GmbH indirekt 63,35 Prozent, die Voestalpine indirekt 34,011 Prozent und die Stahl- und Walzwerk Marienhütte Gesellschaft m.b.H. direkt 2,639 Prozent der Anteile an der Scholz Austria GmbH.

Deutscher Konzern leidet unter enormem Preisdruck

Der deutsche Metall-Recycling-Konzern Scholz leidet unter dem enormen Preisdruck auf dem Schrott- und Stahlmarkt und arbeitet seit 2013 am Umbau des Konzerns. Die Firma ist einer der größten Sanierungsfälle in Deutschland. 2014 hatte der Konzern mit 5.800 Mitarbeitern noch einen Umsatz von 3,1 Mrd. Euro erwirtschaftet, im ersten Halbjahr 2015 brach die Gesamtleistung um 17 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro ein, Scholz schrieb 14,4 Mio. Euro Verlust.

Damit Scholz das Jahr 2016 übersteht, hatten die Banken kurz vor Weihnachten einen Überbrückungskredit von 50 Mio. Euro gewährt.

Sitz nach London verlegt, Kredite an Finanzfirmen verkauft

Um die Verhandlungen zu erleichtern, hat Scholz den Sitz von Essingen bei Aalen nach London verlegt. In den Holding-Vorstand sind zwei Sanierungsexperten eingezogen. In Großbritannien haben Unternehmen die Möglichkeit, sich ohne ein Insolvenzverfahren über ein sogenanntes "Scheme of Arrangement" mit den Gläubigern zu sanieren.

Mehrere deutsche Unternehmen - etwa der Münchener Brillenhersteller Rodenstock - hatten dieses Verfahren genutzt. Zahlreiche Banken von Scholz haben ihre Kredite an Hedgefonds verkauft. (red/reuters/apa)

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