Autoindustrie

Schöne neue Elektroautos und der Kampf um Rohstoffe dahinter

Mit dem massiven Ausbau der Produktion von Elektroautos steigt auch der Hunger der Autobauer nach Rohstoffen extrem an - und damit ebenso die Zerstörung der Böden. Große Autokonzerne müssen jetzt schon dafür kämpfen, dass ihnen die Konkurrenz Leichtmetalle, Seltene Erden und andere Materialien nicht wegnimmt.

Auf einer Höhe von mehr als 3.600 Metern liegt weißlich schimmernd das neue Objekt der Begierde deutscher Autobauer: Die Salzwüste Salar de Uyuni in Bolivien, die größte der Welt. Auf einer Fläche größer als Kärnten lagern die weltweit mächtigsten Reserven des Leichtmetalls Lithium, eines der Hauptbestandteile von Akkus für Smartphones und Elektroautos.

Mit dem Anlaufen der Elektrostrategien von Volkswagen, Daimler und BMW steigt der deutsche Bedarf sprunghaft an.

Deshalb wird Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Mittwoch der Gründung eines deutsch-bolivianischen Gemeinschaftsunternehmens in Berlin beiwohnen. Das Joint-Venture zwischen dem baden-württembergischen Unternehmen ACI Systems Alemania und dem bolivianischen Staatsunternehmen Yacimientos de Litio Bolivianos (YLB) will mehr als eine Milliarde Euro in den Abbau des Leichtmetalls investieren.

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Das Vorhaben hat große politische Bedeutung. Wegen der "hohen weltweiten Angebotskonzentration beobachtet die Bundesregierung neue Lithiumprojekte mit großem Interesse", antwortete das Wirtschaftsministerium auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Eva-Maria Schreiber. Die Regierung "ist in engem Austausch mit ACI Systems und flankiert das Projekt politisch".

Auch auf bolivianischer Seite sind die Erwartungen groß. Präsident Evo Morales hat die Rohstoffgewinnung unter staatliche Kontrolle gestellt und will die Rohstoffe auch im eigenen Land weiterverarbeiten. Die Industrialisierung der Provinz Potosí, in der auch die Salzwüste liegt, hat dabei symbolische Bedeutung: In dieser Region hatten die spanischen Kolonialherren einst riesige Silbervorkommen geplündert.

Diesmal sollen auch die eigenen Bewohner vom Ressourcenreichtum profitieren. Denn Bolivien hat das niedrigste Pro-Kopf-Einkommen in Südamerika, das "weiße Gold" Lithium ist eine große Chance für das Land.

Die Nachfrage wird Schätzungen zufolge gewaltig steigen, von 201.000 Tonnen Lithiumkarbonatäquivalent (der chemischen Verbindung, die für Batterien gebraucht wird) im Jahr 2016 auf eine Million Tonnen im Jahr 2030. Die Preise für Lithium haben sich seit 2016 in etwa verdoppelt. Großes Potenzial also für Bolivien, das trotz seiner riesigen Vorkommen in der Liste der großen Produzenten bisher nicht vorkommt. Hier dominieren die Nachbarländer Chile und Argentinien sowie Australien.

Allein das erste Joint-Venture mit den Deutschen soll bis Ende 2022 eine Produktionskapazität von 35.000 bis 40.000 Tonnen Lithiumhydroxid jährlich erreichen. Eine erste Batteriefabrik soll jährlich Akkus für 100.000 bis 150.000 E-Autos liefern, als Kunde ist Volkswagen im Gespräch.

Doch der Boom kommt nicht ohne Risiken. Denn wie die Bundesregierung auf Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Uwe Kekeritz erklärte, liegen ihr keine Umweltgutachten für das geplante Projekt vor. "Wirtschaftliche Interessen der deutschen Industrie über die Menschenrechte zu stellen ist verantwortungslos", kritisierte der grüne Entwicklungspolitiker. Die Gewinnung von Lithium sei mit enormen Risiken für Mensch und Umwelt verbunden. "Insbesondere die lokalen Gemeinden leiden unter Wasserknappheit und Umweltzerstörung, ohne von den Profiten aus dem Rohstoffabbau zu profitieren."

Die deutsche Regierung erklärte: "Sollte ACI Systems beim Bund Unterstützung des Projekts durch Instrumente der Außenwirtschaftsförderung beantragen, wird der Bund im Rahmen der Antragsprüfung insbesondere auch die Umweltaspekte des Projekts gründlich prüfen." Bisher liege so ein Antrag aber nicht vor. Solange muss die Bundesregierung darauf vertrauen, dass Bolivien selbst für die Einhaltung von Umwelt- und Menschenrechten sorgt. (afp/apa/red)

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