Energie

Schoeller-Bleckmann kehrt in die satten schwarzen Zahlen zurück

Der Ölpreis steigt wieder - und nach zwei Jahren mit Verlust dreht der niederösterreichische Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann deutlich ins Plus. Ob sich jedoch im Gesamtjahr die Rückkehr in die Gewinnzone ausgehen werde, sei "noch verfrüht zu sagen", so Konzernchef Gerald Grohmann.

Für den niederösterreichischen Ölfeldausrüster SBO hat 2017 nach zwei Verlustjahren gut begonnen: Umsatz und Auftragseingänge haben kräftig zugelegt, der Verlust konnte deutlich eingedämmt werden. "Der Abschwung am Ölmarkt scheint nun endlich zu Ende zu sein", meint Vorstandschef Gerald Grohmann. Ob sich heuer bereits die Rückkehr in die Gewinnzone ausgehen wird, "ist noch verfrüht zu sagen".

Umsatzanstieg um knapp 30 Prozent

Der Umsatz von Schoeller-Bleckmann stieg im ersten Quartal gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 28,5 Prozent auf 60,1 Mio. Euro, der Auftragseingang legte um 72 Prozent auf 69,9 Mio. Euro zu. "Nach zwei heftigen Krisenjahren dreht die Branche nun langsam in die richtige Richtung", sagte Grohmann zur APA.

"In Nordamerika ist 50 Dollar offensichtlich schon ein Ölpreis, wo die Aktivität wieder anspringt, und zwar deswegen, weil die Nordamerikaner es in diesen zwei Jahren der Krise verstanden haben, durch Effizienzsteigerungen und neue Technologien - wo auch wir einen Beitrag geleistet haben - den Break-Even-Level runterzudrücken."

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Damit meint Grohmann die hochgiftige Technologie des Fracking. Dabei wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und giftigen Chemikalien mit hohem Druck in sehr tief liegende Gesteinsschichten gepresst, um sie aufzusprengen und so an das Gas zu kommen. Regelmäßig kommt es in der Umgebung der Förderstätten zu Erdbeben. Kritikern zufolge sind die Risiken des Fracking für die Umwelt und vor allem das Trinkwasser unkalkulierbar.

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Die Nachfrage im Mittleren Osten und Russland sei weiterhin stark, "aber das war ja durch die ganze Krise der letzten zwei Jahre so gegeben, dass dort auf hohem Niveau weiter gefördert wurde". International werde man wohl einen Ölpreis von 55 bis 60 Dollar benötigen, um die Nachfrage der Ölförderer wieder ansteigen zu lassen.

Auswirkungen des Opec-Treffens in Wien auf den Weltmarkt

Einiges hängt vom weiteren Verlauf am Weltmarkt nach der jüngsten OPEC-Treffen in Wien ab, wo die erdölexportierenden Länder die im November beschlossene Drosselung der Ölförderung verlängert haben. Grohmann erwartet, dass sich der Ölpreis nun etwas über 50 Dollar stabilisieren sollte.

Für heuer erwarte die Internationale Energieagentur (IEA) eine Nachfragesteigerung von 1,3 Mio. Barrel pro Tag. "Das ist guter Durchschnitt, und dann sollten auch die Läger, die doch noch relativ voll sind, langsam abgebaut werden. All das zusammen sollte zu einer Stabilisierung der Ölmärkte führen."

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In den vergangenen zwei Jahren hatte Schoeller-Bleckmann seine Belegschaft drastisch reduziert - 40 Prozent machte der Einschnitt insgesamt aus, in Österreich gingen seit Ende 2014 rund 30 Prozent der Jobs verloren. Dieser Trend ist vorerst gestoppt, der Mitarbeiterstand hat sich zuletzt von 1.200 auf 1.236 leicht erhöht. "Speziell in Nordamerika beginnen wir punktuell wieder Leute aufzunehmen", sagte der SBO-Chef. Für spürbare Personalaufstockungen sei es aber noch zu früh. "In jenen Bereichen, die sehr stark dem internationalen Geschäft verhaftet sind, kommen wir mit der aktuellen Mannschaft durch."

"Die vergangene Krise hat länger gedauert als alle davor"

Am Standort Ternitz in Niederösterreich wird nach wie vor kurzgearbeitet. "Die Kurzarbeit läuft jetzt einmal bis Ende Juli, da haben wir noch etwas Zeit uns zu überlegen, ob wir sie verlängern oder nicht. Das werden die nächsten Wochen entscheiden."

Die in guten Jahren gefüllten Überstundentöpfe seien inzwischen leer, "nachdem die vergangene Krise länger gedauert hat als alle davor". Das flexible Arbeitszeitmodell bei SBO "hilft uns, ein Krisenjahr gut zu überstehen, ohne dass wir Schlüsselpersonal kündigen müssen. Diesmal hat die Krise zwei Jahre gedauert."

SBO plant neue Übernahmen

Nach möglichen Zukäufen sieht sich Grohmann laufend um. "Unser Cashbestand ist weiterhin sehr hoch, wir hatten zum Quartalsende fast 190 Millionen Euro." Die Nettoverschuldung betrug 54,9 Mio. Euro, die Eigenkapitalquote 52,6 Prozent. Akquisitionen wären also möglich, aktuell habe man aber nichts am Radar, sagte Grohmann.

An den operativen Ergebniszahlen für das erste Quartal war die Erholung schon abzulesen: Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) drehte von -4,8 Mio. auf 7,2 Mio. Euro ins Plus. Das Betriebsergebnis (EBIT) verbesserte sich von -16,9 Mio. im ersten Quartal 2016 auf -5,8 Mio. Euro im ersten Quartal 2017, das Ergebnis vor Steuern von -20,2 Mio. auf -6,3 Mio. Euro. Unterm Strich stand aber immer noch ein Minus: Das Ergebnis nach Steuern betrug -4,9 Mio. Euro, nach -15,0 Mio. Euro im Startquartal 2016. (apa/red)

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