Industriekonjunktur

"Schockierend schwache" Investitionen in China

Bei den Investitionen in China hat es zuletzt das geringste Wachstum seit 1996 gegeben. Auch die Industrie der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft produziert weniger als erwartet.

Industriekonjunktur China

Die Investitionen in China wachsen so langsam wie seit 22 Jahren nicht mehr. Die Anlageinvestitionen - etwa in Fabriken und Maschinen - legten von Jänner bis Mai nur noch um 6,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, wie das chinesische Statistikamt mitteilt.

Das ist der kleinste Zuwachs seit mindestens 1996. Zugleich produzierte die Industrie im Mai weniger als erwartet, während der Einzelhandelsumsatz mit 8,5 Prozent so langsam wuchs wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Die Daten "waren für chinesische Verhältnisse allesamt schockierend schwach", schrieben die Ökonomen der Rabobank in einer Studie. Die Zentralbank entschied sich angesichts der Hinweise auf eine Konjunkturabkühlung dafür, ihre Zinsen für Interbankengeschäfte nicht anzutasten.

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Marktteilnehmer hatten mit einer leichten Erhöhung gerechnet, nachdem die US-Notenbank ihren Leitzins zuvor wie erwartet auf die neue Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent angehoben hatte. Wird der Zinsabstand zu den USA zu groß, könnte Kapital aus der Volksrepublik abgezogen werden. "Sie haben die Zinsen nicht angehoben, um das wirtschaftliche Wachstum in Schwung zu halten", sagte Analyst Ken Cheung von der Mizuho Bank in Hongkong.

Statistikamt: Wachstum von 6,5 Prozent erreichbar

Das Statistikamt rechnet damit, dass die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in der zweiten Jahreshälfte ein robustes Wachstum schaffen wird. Im Gesamtjahr sei das von der Regierung ausgegebene Wachstumsziel von 6,5 Prozent erreichbar, sagte Sprecher Mao Shengyong. So sanken die Autoverkäufe im Mai zwar um ein Prozent - aber wohl vor allem deshalb, weil viele Käufer auf niedrigere Importzölle warteten, die ab 1. Juli gelten sollen und zu Preissenkungen führen dürften. Die Regierung strebt zudem eine Modernisierung der Wirtschaft an. Dazu sollen unrentable Betriebe geschlossen werden, was zumindest vorübergehend die Konjunktur dämpfen kann.

Analysten erwarten zudem, dass die Exporte an Schwung verlieren. Grund sind drohende US-Strafzölle. US-Präsident Donald Trump kommt Regierungskreisen zufolge an diesem Donnerstag mit seinen Handelsberatern zusammen, um über die angedrohten Zölle gegen China zu beraten. Bei dem Gespräch gehe es darum, wann die Zölle auf Einfuhren im Wert von rund 50 Mrd. Dollar (42,5 Mrd. Euro) in Kraft gesetzt werden sollen. (reuters/apa/red)