Konsumgüterindustrie

Schluss mit "A+++" : EU ändert Kennzeichnung der Effizienz von Haushaltsgeräten

Die EU wird die derzeitige Skala von "A+" bis "A+++" für die Energieeffizienz von Haushaltsgeräten abschaffen und statt dessen eine Skala von A bis G einführen. Kritiker sehen in dem System trotzdem vor allem ein Marketinginstrument, das zum massiven Schaden der Umwelt und der Verbraucher falsche Tatsachen vortäuscht.

Das Europäische Parlament hat in Straßburg eine Überarbeitung der Energieeffizienzkennzeichnung beschlossen. Die Kennzeichnungsskala A+ bis A+++ wird abgeschafft und stattdessen ein Energieetikett von A bis G eingeführt. Das EU-Parlament und der Ministerrat hatten sich im Vorfeld bereits auf einen Kompromiss geeinigt. Um in Kraft treten zu können, muss der Rat noch formell zustimmen.

Die EU-Kommission verspricht sich dadurch Energieersparnis im Ausmaß von 200 Terawattstunden (TWh). Umfragen zufolge achten 85 Prozent der Europäer beim Kauf von Produkten auf die Energie-Labels, so die Kommission.

"Das sind gute Neuigkeiten für die Verbraucher, denn die verwirrenden Kennzeichnungen beim Kauf von Elektrogeräten werden bald der Vergangenheit angehören", betonte der SPÖ-Abgeordnete Eugen Freund. Die neue Regelung "tritt 2019 in Kraft und sei ein Zeichen, dass man sich in der EU sehr praktisch engagiert", so Freund.

Kritiker bezeichnen Effizienzkennzeichnung als "Marketing-Lüge"

Weiterhin ungenügende Regelungen gibt es dagegen bei der sogenannten geplanten Obsoleszenz, also dem von den Herstellern eigens konstruierten Defekt in ihren Produkten, die ein Gerät nach Ablauf einer bestimmten Zeit künstlich kaputt gehen lassen - meist nach dem Ende der Garantiezeit.

Damit sorgen Hersteller auf Druck des Handels auch beim energieeffizientesten Gerät für den eigenen Nutzen und den Umsatz großer Handelsketten - beim insgesamt enormen Ressourcenverbrauch und zum finanziellen Schaden der Verbraucher. Kritiker wie Sepp Eisenriegler, Buchautor und Firmenchef in Wien, sehen in der Kennzeichnung daher vor allem ein betrügerisches Verkaufsinstrument, bei dem es um Absatz und nicht um Effizienz und Umweltschutz gehe, weil der größte Teil der Energie in der Herstellung verbraucht wird. Und die finanziellen Einsparungen für die Haushalte minimal seien.

So muss eine Waschmaschine, die 500 Euro kostet, nach spätestens fünf Jahren kaputt sein. Pro 100 Euro mehr für ein neues Modell ist ein Jahr Betriebszeit mehr zu veranschlagen. Doch auch teure Waschmaschinen seien so konstruiert, dass sie spätestens nach acht Jahren kaputt sein müssen - verpflichtend, sagt Eisenriegler: "Durch dieses System wird ein langlebiges Produkt, das früher ein halbes Leben gehalten hat, zum Wegwerfprodukt."

Beste Werbung für Hersteller von Haushaltsgeräten

Die im Jahr 1994 eingeführte Skala, die ab 1995 in Gebrauch war, umfasste bereits eine Skala von A (am effizientesten) bis G (am wenigsten effizient). Um Verbesserungen in der Energieeffizienz der Produkte Rechnung zu tragen, sei diese Kennzeichnungsskala später bis A+++ ausgeweitet worden.

Mittlerweile seien die meisten Produkte und Geräte, wie etwa Waschmaschinen, einer der A-Klassen zugeordnet. Da jedoch ein Unterschied zwischen A+ und A+++ für die Konsumenten weniger motivierend wirke, zum energieeffizienteren Produkt zu greifen, als ein Unterschied zwischen C und A, habe man sich darauf geeinigt, zur alten Skala zurückzukehren, so das Europäische Parlament.

Regelung tritt erst 2019 in Kraft

Um auf weitere Entwicklungen in der Energieeffizienz reagieren zu können, ohne neue Klassen einführen zu müssen, solle auch ein Verfahren zur Neuskalierung der Etikette eingeführt werden. Außerdem solle eine Online-Datenbank für alle neuen auf den EU-Markt gebrachten Produkte eingerichtet, sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Marktüberwachung ergriffen werden.

(pm/apa)