Maschinenbau

Schlecht für Andritz: Nachfrage nach Wasserkraftwerken sinkt

Der steirische Technologiekonzern Andritz meldet eine sinkende Nachfrage nach Wasserkraftwerken. Die Aufträge besonders im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2016 gingen zurück, im zweiten Halbjahr konnte das nicht mehr kompensiert werden.

Der steirische Technologiekonzern Andritz hat die besonders im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2016 niedrigen Auftragseingänge im Gesamtjahr nicht mehr ganz kompensiert. Die Hydro-Sparte war dabei doppelt betroffen, sagte Konzernchef Wolfgang Leitner bei der Bilanzpressekonferenz am Freitag. Der Hydro-Markt sei derzeit insgesamt schwach und in Brasilien gebe es deutlich weniger Investitionen.

Grund für die schwache Nachfrage nach Wasserkraftwerken sind die derzeit extrem niedrigen und zudem volatilen Strompreise, führte Leitner vor Journalisten aus. In Deutschland kämen Unsicherheiten wegen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) dazu. "Es gibt eine hohe Unsicherheit, wie sich die Strompreise in den kommenden Jahren entwickeln werden. Niemand investiert bei einer so hohen Unsicherheit wie derzeit." Schließlich dauere der Bau eines Wasserkraftwerks Jahre und dann brauche es bis zum "Payback" Jahrzehnte.

Mittel- und langfristig gebe es aber trotzdem sehr gute Aussichten im Bereich Wasserkraft - also dass neue Anlagen gebaut werden dürften. Das begründete Leitner beispielsweise damit, dass in Deutschland im Jänner ein großflächiger Stromausfall nur knapp verhindert worden sei. Es gebe bereits Industrien, die unter Spannungsschwankungen leiden würden. Das sei zum Teil auch in Südösterreich der Fall.

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Auf die Frage, ob man die politischen Verwerfungen in der Türkei spüre, wo man beim Ilisu-Staudammkraftwerk engagiert ist, sagte Leitner, dass es schon eine gewisse Unsicherheit gebe. Der Auftragseingang sei voriges Jahr aber sehr gut gewesen.

Noch vor der Hydro-Sparte, in der es 2016 einen Umsatz von 1,75 Mrd. Euro (minus 5 Prozent zu 2015) gab, liegt die Andritz-Sparte Pulp & Paper mit 2,1 Mrd. Euro Umsatz (minus 5 Prozent). Hier freute sich Leitner, dass die hohe EBITA-Marge von 8,7 Prozent gehalten wurde. Das ist einem Anstieg des Servicegeschäfts zu verdanken.

Die Metals-Sparte ist die drittgrößte in der Andritz-Gruppe mit einem Umsatz von 1,6 Mrd. Euro (minus 7 Prozent). Auch hier ist der "Markt weiterhin extrem ruhig", so der Andritz-Chef. "Es gibt kaum Projekte, das dürfte auch noch so bleiben." Am ehesten tue sich etwas in China. Dass zuletzt die Stahlpreise angezogen haben ist laut Leitner ein Zeichen dafür, dass die Kapazitätsbereinigung im Reich der Mitte doch funktioniert. "Die schlechtesten Zeiten liegen hinter uns. Aber bis zur Wiederbelebung wird es noch das eine oder andere Halbjahr dauern."

Dann hat Andritz noch die Separation-Sparte mit einem Umsatz von knapp 0,6 Mrd. Euro (minus 5,4 Prozent). Auch hier ist der Markt derzeit "gemischt", sagte Leitner. So laufe die Bergbauindustrie momentan schwach. Bei Futtermitteln tue sich mehr. "Der stabile Auftragseingang ist etwas enttäuschend; aber immerhin ist er stabil geblieben." Vor allem aber müsse der Konzern daran arbeiten, dass die Separation-Sparte "wieder zur durchschnittlichen Rentabilität der Gruppe von 7 bis 8 Prozent" findet.

Gut laufen die Geschäfte bei der deutschen Schuler AG, die zu Andritz gehört. Sie liegt deutlich über den ursprünglich gesteckten Umsatzzielen, sagte Leitner. Zudem wurden im Vorjahr zwei Firmen - AWEBA und Yadon - übernommen. Sie haben zum Wachstum 2016 beigetragen. Der Umsatz von Schuler war mit 1,17 Mrd. Euro aber etwas geringer als im Jahr davor mit 1,20 Mrd. Euro, wie das Unternehmen mitteilte. (apa/red)

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