Stahlindustrie

Schiffbau bei Thyssenkrupp: Offenbar neue Fusionen und Verbände in Vorbereitung

Eingeweihten zufolge prüft Thyssenkrupp mit seiner Schiffbausparte Marine Systems mehrere Optionen - darunter die Gründung eines "nationalen Champions" mit der Bremer Lürssen-Werft und German Naval Yards (GNYK). Oder ein europäisches Bündnis mit der italienischen Fincantieri.

Der deutsche Industriekonzern Thyssenkrupp treibt mit seiner Werftentochter Marine Systems Insidern zufolge auf mehreren Ebenen Pläne für eine Konsolidierung im zersplitterten militärischen Schiffbau voran.

Offenbar verschiedene Optionen im Gespräch

Der Konzern verfolge verschiedene Optionen: Zum einen die Gründung eines nationalen Champions mit der Bremer Lürssen-Werft und German Naval Yards (GNYK), wie eine mit den Plänen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Parallel führe Thyssenkrupp Gespräche mit der italienischen Fincantieri über ein europäisches Bündnis. Eine Möglichkeit wäre dabei ein 50:50-Joint Venture. Dadurch ließe sich ein europäischer Champion mit einem Umsatz von über drei Mrd. Euro schmieden. In beiden Fällen sei der Ausgang offen. Thyssenkrupp könne auch mit einer "Stand Alone Lösung" leben.

Offiziell kein Kommentar

Fincantieri lehnte einen Kommentar zu den Aussagen über Gespräche mit Thyssenkrupp ab. "Die Konsolidierung der europäischen Rüstungsindustrie bleibt wünschenswert", sagte ein Sprecher jedoch. "Die lange Kooperation mit der deutschen Marine-Industrie im U-Boot-Bau ist eine Grundlage, über künftige Szenarien der Konsolidierung zu sprechen."

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Thyssenkrupp und German Naval Yards lehnten eine Stellungnahme ebenfalls ab. Lürssen verwies auf seine bisherige Aussage: "Wir halten eine Konsolidierung der Systemhäuser im deutschen Marineschiffbau für sinnvoll und erforderlich, um dadurch nachhaltig die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken."

Eckdaten zur Sparte

Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) erzielte im vergangenen Geschäftsjahr mit seinen rund 6.000 Beschäftigten einen Umsatz von 1,8 Mrd. Euro. Der Konzern hatte angekündigt, bis 2023 rund 250 Mio. Euro in die Tochter zu investieren.

Eine nationale Lösung dürfte auch bei der deutschen Bundesregierung auf Zustimmung stoßen, da sich dadurch die Technik im sensiblen Marine-Bereich und Tausende Arbeitsplätze langfristig im Lande sichern ließen. Insidern zufolge könnte vor einem Dreier-Bündnis auch zunächst ein Deal zwischen Lürssen und German Naval Yards zustande kommen. Lürssen würde dabei mit einem Anteil von 50 plus X beteiligt werden. "Das ist eine Variante über die gesprochen wird", sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person.

So könnte die Vereinbarung mit Fincantieri aussehen

Bei einem Deal mit Fincantieri würde dessen Kreuzfahrtschiff-Bereich ausgeklammert, hieß es. Ficantieri-Chef Giuseppe Bono hatte sich in einem Interview mit "Defense News" grundsätzlich positiv über die Möglichkeit einer Konsolidierung geäußert. Im U-Boot-Bereich pflege sein Konzern, der mehrheitlich in Staatsbesitz ist, eine langjährige Partnerschaft mit Deutschland. Eine Konsolidierung in Europa müsse es geben, damit man in der Welt ernst genommen werde.

Die EU-Mitgliedsstaaten bemühen sich seit vielen Jahren um eine Konsolidierung ihrer im Vergleich zu den USA stark zersplitterten Rüstungsindustrie. Bisher scheiterten politische Bestrebungen in diese Richtung jedoch am Ende meist an nationalen Interessen und Eitelkeiten.

Seit einigen Jahren bemühen sich daher die Unternehmen selbst um eine Konsolidierung, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. So taten sich die deutsche Panzerschmiede KMW und der französische Staatskonzern Nexter bereits 2015 zu KNDS zusammen. Hinzu kommt, dass große Rüstungsvorhaben von einem einzelnen europäischen Land finanziell praktisch nicht mehr zu stemmen sind. (reuters/apa/red)