Zulieferindustrie

Schaeffler streicht 1.900 Arbeitsplätze in Europa - schnelle Erholung in China

Der Industriezulieferer Schaeffler meldet deutliche Verluste für das erste Quartal und will weitere Mitarbeiter abbauen. Das nächste Quartal dürfte noch schwieriger werden, so Konzernchef Rosenfeld. Dagegen erhole sich die Auslastung in China unerwartet schnell.

Die Folgen der Coronavirus-Pandemie haben den deutschen Auto- und Industriezulieferer Schaeffler im ersten Quartal tief in die roten Zahlen gerissen. Die Risiken der Pandemie zwangen das Management zu Wertberichtigungen in der Sparte Automotive, um künftige Risiken zu mindern.

Zusammen mit den Kosten für weiteren Stellenabbau führte dies zu einem Verlust von 184 Mio. Euro im ersten Quartal, wie das im SDAX notierte Unternehmen in Herzogenaurach mitteilte. Im Vorjahreszeitraum hatte noch ein Überschuss von 137 Mio. Euro zu Buche gestanden.

"Die Coronavirus-Pandemie stellt uns vor bisher ungekannte Herausforderungen", sagte Konzernchef Klaus Rosenfeld. Das nächste Quartal dürfte noch schwieriger werden. Die Umsätze gingen in den Regionen China, Asien/Pazifik und Europa um jeweils etwa zehn Prozent zurück - in Amerika nur um sechs Prozent. Letzteres dürfte sich ändern, weil die Coronakrise in den USA später angekommen ist. "Das erste Quartal war eigentlich noch gut", sagte Rosenfeld. Die Zukunftsaussichten besonders im Auto-Sektor seien jedoch eingetrübt.

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Auslastung in China wieder bei 90 Prozent

Das Geschäft mit der Automobilindustrie bleibe jedoch für Schaeffler zentral. "Daran gibt es keinen Zweifel, das ist unser Kerngeschäft", unterstrich Rosenfeld. Die Schaeffler-Bilanz sei robust genug, um auch eine Wertminderung zu verkraften.

Während der Umsatz im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 9 Prozent auf 3,28 Mrd. Euro sank, sackte das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um rund ein Fünftel auf 215 Mio. Euro ab.

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Die Auslastung in China, wo die Viruskrise ihren Anfang nahm, liege schon wieder bei über 90 Prozent. Die Lage auf anderen Kontinenten dagegen sehe differenzierter aus. "Es wird überall wieder gearbeitet, aber noch lange nicht auf dem Niveau der Vergangenheit", sagte Rosenfeld. So werde die Kapazitätsauslastung etwa in den USA in der kommenden Woche bei 20 bis 25 Prozent liegen, in Europa nähere sie sich 40 bis 45 Prozent an.

1.900 Arbeitsplätze in Europa werden gestrichen

Wegen der Coronakrise hatte Schaeffler bereits im März seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr ausgesetzt. Eine konkrete Vorhersage sei weiterhin nicht möglich, hieß es nun. Zudem teilte Schaeffler mit, dass der Konzern jetzt 1.900 Stellen in Europa auf freiwilliger Basis abbauen will - nicht mehr nur 1.300, wie bisher geplant.

Das Unternehmen ist an 170 Standorten in 50 Ländern der Welt aktiv und fertigt unter anderem Getriebe- und Antriebslösungen sowie Kupplungen für Autos und die Industrie. Insgesamt beschäftigt Schaeffler derzeit weltweit mehr als 86.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2019 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von rund 14,4 Mrd. Euro. Er gilt als einer der größten Familienbetriebe der Welt. (dpa/apa/red)