Verlagerung

Schaeffler-Pläne für Shared Service Center: „Ein Zeichen der Zeit“

Mit dem Aufbau eines Shared Service Centers für indirekte Bereiche dreht der Automobilzulieferer Schaeffler an der Kostenschraube.

Von

Schaeffler dreht an der Kostenschraube und plant bis 2022 die Errichtung eines Shared Service Center für Europa. Transaktionale Prozesse sollen künftig an einem Standort zusammengezogen werden. Konzern- und Gesambetriebsrat kündigten schon im November Widerstand an. Sie forderten unter anderem keine betriebsbedingten Kündigungen. Mit dem Shared Service Center plant Schaeffler Aufgabenverlagerungen aus den Bereichen Finanzen, Personal, Einkauf, Logistik sowie IT. 

Betroffen seien nahezu alle deutschen und europäischen Standorte, heißt es im Unternehmen. Der Betriebsrat spricht in einem Informationsblatt von 900 betroffenen Stellen, davon rund 500 in Deutschland und 400 weiteren im restlichen Europa. 600 bis 800 Stellen sollen im Shared Service Center - Mitarbeiter tippen auf einen Niedriglohn-Standort wie Polen oder Rumänien - demnach entstehen. Schaeffler will durch definierte Maßnahmen „Prozesse und Kostensituation nachhaltig verbessern“, heißt es im Unternehmen. Man werde hiermit „auf veränderte Marktanforderungen reagieren können“. 

"Konzern zieht mit"

Im Schaeffler-Werk Berndorf will man beim Thema Verlagerung nicht konkreter werden. „Wie viele Stellen in welchen Ländern und in welchen Funktionen betroffen sind, wird schrittweise ausgearbeitet“, heißt es auf Anfrage. Daher könne man zum jetzigen Zeitpunkt auch keine Angaben zu Österreich machen. Nur soviel: Shared Service Center seien "ein Zeichen der Zeit", der Konzern ziehe mit. Neo-Schaeffler-Austria-Geschäftsführer Thomas Konrad Bauer - er folgte zu Jahresbeginn Langzeit-Chef Oliver Lödl - war zu keiner Stellungnahme bereit.

White Paper zum Thema

Folgen für Schweinfurt?

Einschnitte werden im deutschen Schaeffler-Werk Schweinfurt befürchtet. „Für Schweinfurt hat das Folgen“, schreibt der Betriebsrat in einem Rundbrief. „Nach den positiven Entscheidungen für Wankstabilisator, neue Ausbildungswerkstatt, ‚Digitale Lernfabrik‘“ habe man nun wiederum „Personalabbau zu befürchten“, heißt es. Welche Arbeitsbereiche betroffen sind, könne man auch Mitte Februar noch nicht sagen. Der Standort Schweinfurt habe jedenfalls gelernt, mit "Rationalisierungsmaßnahmen umzugehen", sagt ein Betriebsratsmitglied. Betriebliche Vereinbarungen würden das schlimmste verhindern, sei man überzeugt. "Verlagerungen wurden bisher sozialverträglich - etwa mit mit Versetzungen am selben Standort - abgewickelt", sagt er.

Schaeffler-Konzern- und Gesambetriebsrat stellten schon im November mehrere Fragen in den Raum. Darunter die folgenden. „Ist eine Zentralisierung von Verwaltungsfunktionen in Zeiten von Home Office und mobiler Arbeit überhaupt notwendig?“ Und: „Wie wird mit einem Shared Service Center Geld eingespart, wenn hohe Restrukturierungs- und Investitionskosten zu erwarten sind?“

Beratungsinstitut eingeschaltet

Kleinere Shared-Service-Aktivitäten sind in der Schaeffler-Welt freilich nichts neues. "Benötigt ein Mitarbeiter in Schweinfurt ein Arbeitszeugnis, wird es heute am Schaeffler-Standort Brașov angefertigt", erzählt ein Mitarbeiter.

Mit dem Saarbrückener Info-Institut schalteten die Personalvertreter jetzt ein externes Beratungsinstitut ein. Es soll die Zahlen des Vorstands prüfen und das weitere Vorgehen klären. Spätestens im Junikönnten alle Fakten am Tisch liegen, so ein Betriebsratsmitglied.

Verwandte tecfindr-Einträge