Aluminiumpreise

Sanktionen gegen Rusal: Händeringende Verhandlungen in Washington

Den russischen Aluminiumriesen Rusal treffen die Sanktionen der USA schwer - mit weitreichenden Auswirkungen auf den Aluminiumpreis. Jetzt will sich der Konzern komplett umbauen, um die Sanktionen zu beenden.

Der von US-Sanktionen schwer getroffene russische Aluminiumgigant Rusal versucht händeringend, die Regierung in Washington zum Einlenken zu bewegen. Konzernnahen Kreisen zufolge will das Unternehmen dazu die Führungsspitze komplett umbauen.

In Kürze solle ein unabhängiger Verwaltungsrat berufen werden, der ein neues Management installieren werde, sagten zwei Insider der Nachrichtenagentur Reuters. "Rusal ist in Kontakt mit den US-Behörden und hofft, dass der Schritt ausreicht, um von der Sanktionsliste genommen zu werden", erläuterte einer der beiden.

Strabag-Großaktionär Deripaska will Washington massiv entgegen kommen

Die US-Regierung hat unlängst Strafmaßnahmen gegen den russischen Milliardär Oleg Deripaska sowie Rusal und andere Unternehmen verhängt, an denen Deripaska große Beteiligungen besitzt. Hintergrund sind unter anderem Vorwürfe, Russland habe sich in die US-Präsidentenwahl 2016 eingemischt.

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Deripaska hält - über seine Rasperia Trading Limited - auch 25,9 Prozent am börsenotierten österreichischen Baukonzern Strabag.

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Deripaskas Firmengruppe En+, die dessen 48-prozentiges Rusal-Paket hält, kündigte ein zusätzliches Entgegenkommen an. Demnach ist Deripaska grundsätzlich bereit, seinen En+-Anteil auf unter 50 von derzeit 65 Prozent zu verringern.

Wirkung der Maßnahmen offen

Es blieb allerdings zunächst unklar, ob die Schritte die USA dazu bringen werden, ihre Sanktionen gegen Rusal aufzuheben. Ein Sprecher des US-Finanzministeriums sagte, eine Reduzierung der Beteiligung für sich genommen könne dies nicht garantieren.

Rusal wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Jüngst hatte die Regierung in Washington angedeutet, dass sie den Konzern von der Sanktionsliste nehmen könnte, falls Deripaska die Kontrolle über Rusal abgeben würde.

Weltweiter Engpass bei Aluminium droht

Sollte das Unternehmen keinen Erfolg in seinen Verhandlungen mit den US-amerikanischen Behörden haben, müsste es seine Aluminiumausfuhren dauerhaft einstellen und sich auf den heimischen Markt beschränken, sagte einer der Insider. "In dem Fall würde sich Rusal vom Weltmarkt zurückziehen, und das will natürlich niemand", führte er aus.

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Die Anfang April verhängten Strafmaßnahmen haben bereits weitreichende Auswirkungen. So büßten die in Hongkong gelisteten Rusal-Aktien seitdem fast 60 Prozent an Wert ein.

Die Aluminiumpreise schossen drastisch nach oben, was Firmen auf der ganzen Welt trifft, auch in den USA. Unter anderem drohen nun Autoteile und Getränkedosen teurer zu werden. (reuters/apa/red)