Erdgas

Sanktionen gegen Nord Stream 2: Berlin und Uniper warnen

"Kein Staat hat das Recht, Europa ihre Energiepolitik zu diktieren. Und das wird auch nicht gelingen", so der deutsche Außenminister Heiko Maas. Warnungen kommen auch vom Energieriesen Uniper.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas hat US-Drohungen gegen den Bau der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 zurückgewiesen. "Kein Staat hat das Recht, der EU ihre Energiepolitik zu diktieren. Und das wird auch nicht gelingen", sagte Maas in Moskau nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow.

"Sanktionen zwischen Partnern (sind) definitiv der falsche Weg", fügte er mit Blick auf US-Drohungen gegen die Pipeline hinzu, die russisches Gas nach Westeuropa liefern soll. Er habe dies auch US-Außenminister Mike Pompeo erklärt.

Deutschland werde in der derzeitigen EU-Ratspräsidentschaft das Thema europäischer Souveränität forcieren, kündigte Maas an. Europa habe Werte und Interessen. "Wenn gegen diese Interessen verstoßen wird, dann werden wir dies ... Richtung Westen zur Sprache bringen." Allerdings werde man auch "nach Osten" zur Sprache bringen, wenn von dort etwa mit dem Mord im Tiergarten oder Cyberangriffen deutsche oder europäische Interessen verletzt würden, fügte Maas in Anspielung auf Vorwürfe an die russische Regierung hinzu.

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Lawrow warf den USA vor, überall auf der Welt ihre Position durchsetzen zu wollen. Das Projekt Nord Stream 2, an dessen Finanzierung auch die österreichische OMV beteiligt ist, müsse aber abgeschlossen werden. "Und soweit ich das verstehe, gibt es allen Grund dafür, davon auszugehen, dass dies auch in nächster Zeit passieren wird", sagte er. Die USA versuchen mit Sanktions-Drohungen gegen die am Projekt beteiligten Firmen eine Fertigstellung der Pipeline noch zu verhindern. (reuters/apa/red)

Auch Uniper warnt

Dem deutschen Energiekonzern Uniper könnte seine Finanzhilfe für das von den USA bekämpfte Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2 teuer zu stehen bekommen. Durch das Vorgehen der USA erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Verzögerungen im Bau der Röhre komme oder das Projekt überhaupt nicht fertiggestellt werde, erklärte der Konzern im Risikobericht zu den vorgelegten Halbjahreszahlen.

Im Fall eines Scheiterns müsse Uniper gegebenenfalls den an für das Projekt zur Verfügung gestellten Kredit wertberichtigen und auf die geplanten Zinserträge verzichten. Die Gesamtsumme beider Faktoren bezifferte der Konzern auf rund 950 Millionen Euro. Der deutsche Außenminister Heiko Maas wies die Sanktionsdrohungen der USA zurück.

Den USA ist die fast fertiggestellte Pipeline, durch die weiteres Gas von Russland nach Westeuropa strömen soll, ein Dorn im Auge. Sie setzen die Partner des Milliardenprojektes unter Druck - auch mit Sanktionen, was von der deutschen Regierung scharf kritisiert wird. Uniper sei nicht direkt betroffen, betonte Konzernchef Andreas Schierenbeck. Er sei weiter vom Sinn des Projektes überzeugt und gehe auch davon aus, dass dies zu Ende gebaut werde. Finanzchef Sascha Bibert bemühte sich, die Bedeutung der Formulierung im Risikobericht zu relativieren. Es handle sich hierbei um ein Worst Case Szenario. An der Finanzierung von Nord Stream 2 ist auch die OMV beteiligt.

Operativ lief es für Uniper trotz Coronakrise im ersten Halbjahr weitgehend rund. Der Konzern konnte sein bereinigtes Ebit unter anderem wegen der Zuwächse im Gasgeschäft auf 691 Mio. Euro mehr als verdoppeln. Im Gesamtjahr peilt der Konzern nun 800 Mio. bis 1 Milliarde Euro an, nachdem sie im März 750 Mio. bis 1 Milliarde in Aussicht gestellt hatten. Die Inbetriebnahme des durch ein Feuer beschädigten russischen Kraftwerks Berjosowskaja 3 verzögert sich allerdings weiter. Uniper rechnet damit nicht mehr bis Jahresende, sondern im ersten Halbjahr 2021. (reuters/apa/red)