Erdgas

Sanktionen der EU wegen Zypern: Türkei will jetzt viertes Schiff schicken

Ankara hält trotz der geplanten neuen Sanktionen der EU an den umstrittenen Gasbohrungen vor der Küste des EU-Mitglieds Zypern fest. Außenminister Mevlüt Cavusoglu kündigt sogar ein weiteres Bohrschiff an.

Die Türkei zeigt sich von den EU-Sanktionen wegen ihren Erdgas-Bohrungen vor der Küste Zyperns unbeeindruckt. Die Arbeiten würden fortgesetzt, erklärte die Regierung in Ankara. Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte auf einer Pressekonferenz im nordmazedonischen Skopje, die Reaktion der Europäischen Union auf die Bohrungen müsse man nicht sonderlich ernst nehmen.

"Das sind einfache Dinge. Das sind keine Dinge, die uns beeinflussen werden", sagte Cavusoglu. Die EU-Außenminister hatten Strafmaßnahmen gegen die Türkei beschlossen. So sollen EU-Gelder für das Land gekürzt und Spitzengespräche ausgesetzt werden.

Das EU-Mitglied Zypern sieht in den türkischen Erkundungen vor der Küste der von der Türkei seit 1974 militärisch geteilten Mittelmeerinsel einen Verstoß gegen internationales Recht. Auch die EU wertet die Bohrungen als illegal. Die Türkei dagegen argumentiert, sie schütze die Hoheitsrechte über ihrem Festlandsockel, außerdem müssten auch die türkischen Nordzyprioten von den Rohstoffen profitieren können. Im östlichen Teil des Mittelmeers sind große Öl- und Gas-Vorkommen entdeckt worden.

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Außenminister kündigt bereits das vierte Bohrschiff an

Cavusoglu zufolge sind bereits drei türkische Schiffe zur Erkundung vor der Küste Zyperns, ein viertes werde so bald als möglich entsandt. Solange die Rechte der türkischen Zyprioten nicht garantiert würden, werde die Türkei ihre "Aktivitäten dort weiterhin verstärken."

Die Entscheidung der EU-Außenminister werde die Entschlossenheit der Türkei, ihre Erkundungsbohrungen im östlichen Mittelmeer fortzusetzen, nicht im mindesten beeinträchtigen, erklärte das Außenministerium in Ankara. Die Türkei hat den betreffenden Energiekonzernen untersagt, mit der zypriotischen Regierung zusammenzuarbeiten.

Europäische Investitionsbank

Die EU und Zypern betrachten ein Gebiet von bis zu 200 Seemeilen um die geteilte Insel, die sogenannte ausschließliche Wirtschaftszone, als ihr Einflussgebiet. Zuletzt haben die EU-Außenminister die Verhandlungen mit der Türkei über ein Luftverkehrsabkommen ausgesetzt. Spitzengespräche unter anderem über Wirtschaft und Handel wurden bis auf weiteres gestoppt. Die Europäische Investitionsbank (EIB) wurde aufgefordert, ihre Kreditvergabe an die Türkei zu überprüfen.

Der Streit spielt sich vor dem Hintergrund der jahrzehntealten Teilung der Insel und der Bevölkerung in griechische und türkische Zyprioten ab. Die Türkei hält den Norden der Insel seit 1974 militärisch besetzt. Damals hatten die griechischen Bewohner der seit Jahrtausenden griechisch geprägten Insel den Anschluss von Zypern an Griechenland durchsetzen wollen.

Daraufhin schickte Ankara Militär, das den Nordteil der Insel seither besetzt hält. Die dortige Türkische Republik Nordzypern wird nur von der Türkei, nicht aber von der internationalen Gemeinschaft als Staat anerkannt. Umgekehrt unterhält die Türkei keine diplomatischen Beziehungen zur international anerkannten zypriotischen Regierung. Die Republik Zypern ist seit 2004 Mitglied der EU. (reuters/dpa/apa/red)