Standortdebatte

Sandoz' Tirol-Standort profitiert von Schließung in Höchst

Die Pharmafirma Novartis will ihr Werk Sandoz Industrial Products bei Frankfurt bis Ende 2016 schließen. Davon sind mehr als 300 Beschäftigte betroffen, deren Jobs wegfallen. Der Standort Kundl/Tirol dürfte davon profitieren. Die deutsche Gewerkschaft ist empört: "Wir produzieren in Höchst billiger als das Werk in Kundl".

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Das Unternehmen wolle wegen des Preisverfalls Zwischenprodukte und Wirkstoffe für die Antibiotika-Herstellung künftig nur noch für den Eigenbedarf produzieren und nicht mehr im großen Umfang für Dritte, teilte die deutsche Gewerkschaft IB BCE am Dienstag in Frankfurt mit. Die Herstellung für den Eigenbedarf soll nach Kundl in Tirol verlagert werden, wie ein Sprecher der Sandoz-Gruppe Deutschland gegenüber dpa-AFX bestätigte.

Sandoz Industrial Products gehört zur Schweizer Novartis-Gruppe. In Höchst stellt Sandoz für Dritte Zwischenprodukte und Wirkstoffe für die Antibiotika-Herstellung her. "Wir befinden uns da in einem globalen Wettbewerb, die Hersteller kaufen überall ein", zitierte die "Frankfurter Neue Presse" zuletzt Sandoz-Sprecher Hermann Hofmann. "Bei den Antibiotika-Klassen, die wir in Frankfurt herstellen, haben wir weltweit einen ruinösen Wettbewerb." In Asien gebe es Überkapazitäten anderer Anbieter, die mit Kampfpreisen auf den Markt gingen, so Hermann. Deshalb habe sich die Geschäftsführung entschieden, die Lohn-Herstellung von Zwischenprodukten und Wirkstoffen für die Antibiotika-Herstellung Dritter komplett aufzugeben. Man werde nur noch für die eigene Herstellung produzieren, das dann aber nicht mehr im Industriepark Höchst.

Die Produktion werde nach Kundl in Tirol verlagert, wo Sandoz im Unterinntal auf dem Gelände der ehemaligen Kundler Brauerei die europaweit größte Anlage zur Antibiotika-Herstellung betreibt, wurde in der Frankfurter Zeitung argumentiert. Die Anlage gilt als Kompetenzzentrum; dort ist auch die Forschungsabteilung von Sandoz angesiedelt. Das Unternehmen gehört zu den größten Herstellern von Antibiotika. Pro Jahr verlassen ungefähr 190 Millionen Arzneimittel-Packungen das Werk Kundl, die in mehr als hundert Ländern eingesetzt werden.

Der deutsche Betriebsrats-Chef Helmut Heun kritisierte die Entscheidung: "Wir produzieren in Höchst billiger und besser als das Werk in Kundl." Vor kurzem habe die Geschäftsleitung noch gesagt, der Standort Frankfurt sei sicher. Das Unternehmen will mit dem Betriebsrat jetzt verschiedene Optionen diskutieren, wie der Sandoz-Sprecher sagte. Dabei gehe es unter anderem um Alternativen im Unternehmen oder die Vermittlung von Jobs bei anderen Firmen im Industriepark Höchst. (apa)

 

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