Halbjahreszahlen

Salzgitter profitiert von Strafzöllen auf Dumpingstahl

Deutschlands zweitgrößter Stahlkocher hat im ersten Halbjahr die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Positiv ist auch der allmählich steigende Preis vieler Stahlprodukte, weil die Maßnahmen der EU gegen Billigimporte aus China greifen.

Der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller Salzgitter hofft angesichts steigender Preise auf eine Trendwende. "Wir können mit Zuversicht nach vorne blicken", sagte Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann am Mittwoch bei der Vorlage der Zwischenbilanz. Die jüngste Preiserholung spiegelte sich allerdings noch nicht in den Zahlen des ersten Halbjahres wider: So sank der Umsatz um gut zwölf Prozent auf knapp 4 Mrd. Euro. Der Vorsteuergewinn brach sogar um 80 Prozent auf 16,1 Mio. Euro ein.

Restrukturierungen und der Ergebnisbeitrag der Kupferhütte Aurubis hätten Salzgitter auf die Sprünge geholfen, teilte der niedersächsische Konzern mit. Gerettet wurde die Bilanz wieder einmal durch die Beteiligung am Kupferhersteller Aurubis. Ohne dessen Gewinnbeitrag von gut 26 Mio. Euro hätte Salzgitter vor Steuern einen Verlust geschrieben. Unter dem Strich verdienten die Niedersachsen 9,3 Mio. Euro - vor einem Jahr waren es 41,3 Millionen.

Importe aus China gehen deutlich zurück

Zudem bewirken die ersten EU-Antidumping-Maßnahmen gegen Billigimporte aus China seit dem Frühjahr 2016 einen überraschend kräftigen Rückgang von Importen aus der Volksrepublik und dadurch einen Anstieg der Preise vieler Stahlprodukte.

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Der Konzern kämpft seit Jahren darum, wieder dauerhaft Gewinne zu erwirtschaften. Seit dem von der Finanzkrise 2008 ausgelösten Wirtschaftseinbruch ist die Branche in Europa von Überkapazitäten und Preisdruck geprägt. Im vergangenen Sommer verschärfte sich die Lage, als China aufgrund der Konjunkturprobleme im eigenen Land seinen Stahl zu Billigpreisen auf den Weltmarkt warf.
 

In den vergangenen Monaten gingen die Importe aus China allerdings deutlich zurück. Das liegt unter anderem daran, dass die EU erste Schutzzölle auf chinesischen Stahl eingeführt hat. Salzgitter-Chef Fuhrmann warnte aber vor Euphorie: Von einer "generellen Lösung" der Probleme auf dem EU-Stahlmarkt könne noch "keine Rede" sein. Deshalb müsse der Konzern auch weiter hart sparen.

Im zweiten Halbjahr soll es nun deutlich besser werden. Denn Preiserhöhungen kommen erst mit einiger Verzögerung in den Ergebnissen der Stahlhersteller an, da sie einen Großteil ihrer Produktion auf Basis längerfristiger Verträge verkaufen.
Der Vorstand bestätigte seine bereits Ende Juni angehobene Ergebnisprognose. Das Unternehmen erwartet für heuer einen Vorsteuergewinn von 30 bis 60 Mio. Euro. Darin enthalten ist bereits eine Belastung von 10 Mio. Euro für neue Sparanstrengungen. 2015 hatte Salzgitter vor Steuern 13 Mio. Euro verdient. (reuters/dpa/apa/red)