Oberösterreich

Salinen AG: Salzluft in Ebensee

Österreichs einziger Salzhersteller versucht einen Spagat zwischen Straßensicherheit und Salzgenuss. Hier Eindrücke vom Betriebsbesuch in Ebensee und Hintergründe zum Unternehmen.

Die Salinen AG, Österreichs einziger Salzhersteller, ist nicht nur Streusalz-Lieferant, sondern sucht mit Speisesalzprodukten ein neues, moderneres Image. Eine Liefermenge von rund 1,1 Mio. Tonnen im Jahr reicht für beides, auch die Pharmaindustrie sowie Abnehmer in Europa und Übersee werden bedient. Die APA durfte bei einem Betriebsbesuch in Ebensee Salzluft schnuppern.

Das Märchen vom Salz begann in Ebensee 1607, mit einer Holzsoleleitung aus dem Hallstätter Salzberg. Seither hat sich viel getan. Um dem Unternehmen einen moderneren Anstrich zu verpassen, lautet die Devise seit ein paar Jahren: weg vom Auftausalz. Natürlich habe die Sicherheit auf den Straßen klar Vorrang, da werde alles andere zurückgereiht, sagt Edda Valentin-Waldbauer vom Marketing.

Auch das Preisthema spielt eine Rolle, im Match mit anderen verschwimmen die Ländergrenzen z. B. in Richtung Süddeutschland, wie Pressesprecherin Katharina Steiner ergänz. Das Salz für die Straßen macht - abhängig vom Winter - rund ein Drittel des Umsatzes aus, heuer (bis Juni 2018) waren es fast eine halbe Million Tonnen, ein Wert im Spitzenfeld bei einer maximalen Jahreskapazität von 1,2 Mio. Tonnen Siedesalz.

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Exporte bis nach Asien

Das Unternehmen investiert innerhalb der Produktpalette viel in Speisesalze, die Aushängeschilder des Unternehmens, die - mit etwas mehr Bergpanorama auf der Verpackung als hierzulande - bis nach Asien exportiert werden. Sie machen zwar nur drei Prozent des gesamten Sortiments aus, doch "das ist die Marke, das ist sexy", weiß Valentin-Waldhauser. Mit Namen wie Waldläufer, Holzhacker und Blumenpflückerin versehen, zeichnet man Bilder von Natur und Landschaft.

Natürlichkeit boomt, und wer in Sachen Salz 100 Prozent davon haben will, der greift zu Natursalz aus dem Salzkammergut - Salz, das ganz altmodisch wie schon vor Jahrhunderten mit dem Hammer im Berg gewonnen wird. Ein Bergmann fördert so in Altaussee 350 Tonnen im Jahr zutage, nicht eben viel, doch genug um in den Supermärkten gelistet zu werden und eine Salzrarität zu produzieren. "Mehr Natur geht nicht", und das direkt vor Ort, streicht Valentin-Waldbauer den großen Vorteil des oberösterreichischen Produkts, das als Alternative zum Himalayasalz angeboten wird, heraus.

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Die Salinen AG selbst liefert über acht Vertriebstöchter nach Europa und Übersee. "Wir sind ein Komplettanbieter von allem, was aus Salz gemacht werden kann", erklärt Betriebsleiter Robert Katzlinger. Die Hauptsäulen sind Industriesalz, Speisesalz und Pharmasalz, für das die höchste Hygienestufe gilt, zudem wird Dünger aus Kaliumsulfat hergestellt und ein weiteres Produkt, das man aus der Mutterlauge heraus gewinnen könne, sei in der Pipeline, verriet Katzlinger. Dann würde auch das bisher ungenützte letzte Zehntelprozent an Sole verarbeitet.

145 Tonnen Siedesalz pro Stunde

Pro Stunde werden in Ebensee 145 Tonnen Siedesalz produziert, das sind 3.500 Tonnen am Tag. Das Siedesalz wird in einem dreistufigen Prozess nach Schweizer Verfahren aus der Rohsole gewonnen. 500 Kubikmeter Rohsole rinnen pro Stunde über die Soleleitungen in die Saline, das sind 4 Mio. Kubikmeter pro Jahr. Die Sole kommt mit 8 bis 9 Grad aus dem Bergbau in Altaussee, Hallstatt und Bad Ischl, wo sie mittels Bohrlochsonden gewonnen wird, über 40 Kilometer Soleleitungen (Hallstatt - Ebensee) in die Saline.

Im Thermokompressionsverfahren - Sole wird erhitzt bis auf 120 Grad - entweicht der Wasseranteil, so dass Natriumchlorid auskristallisiert, was an den Behältern zu sehen ist. Mit dem Strom des Antriebsmotors für den Kompressor könnten 10.000 Einfamilienhäuser versorgt werden, verdeutlichte Katzlinger. In der Kompressorhalle überblickt Peter Ritter von Rittinger, bzw. seine Büste, den Raum. Sein "Abdampfverfahren" hatte er 1856 für den Salzsiedeprozess der Saline Ebensee entwickelt und damit die Wärmepumpe erfunden.

Die Sole kommt zur Enthärtung und zum Kristallisationsprozess in die Verdampferanlage, anschließend wird sie in einer Zentrifuge getrocknet. In Ebensee arbeiten neun Verdampfer. Dementsprechend warm ist es in der Primärproduktionshalle. Durch eine Glasfront hat man einen guten Blick über die Anlage, auf die großen Silos zur Solereinigung und auf eine der drei Lagerhallen mit einer Kapazität von insgesamt 300.000 Tonnen. Am Ende bleibt hochreines Siedesalz mit einem Natriumchloridgehalt von bis zu 99,9 Prozent. Ein betriebseigenes Labor ermöglicht es den Arbeitern, schnell zu reagieren, sollte die Zusammensetzung nicht ideal sein.

In der Finalproduktion beherrschen Abpackanlagen, Säcke und Kartons mit Aufschriften in etlichen Sprachen und viel Holz das Bild. Denn Holz und Salz vertragen sich am besten, erklärt Katzlinger. In die Nase steigt dezenter Kräuterduft - hier wird das Speisesalz veredelt. Das beeindruckende Hochregallager mit 11.000 Palettenstellplätzen besteht zur Gänze aus Holz - und austretende Salzkristalle wie in der Primärproduktion sind nicht zu sehen.

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Betrieb exisitert seit Anfang des 17. Jahrhunderts

Die Saline in Ebensee gibt es seit 1607 - mit der ältesten Holzsoleleitung der Welt. Die neue Saline im Ortsteil Steinkogel wurde 1978 gebaut. Als die Produktion am 6. Juni 1979 in Betrieb ging, wurden über eine Holzsoleleitung 400.000 Tonnen Salz pro Jahr geliefert. 1997 wurde die Saline privatisiert, 1999 in der zweiten Ausbaustufe erweitert und 2007 noch einmal ausgebaut. Zuletzt kamen 2016/17 Absackanlagen für Siedesalz und Kaliumsulfat dazu sowie die Erweiterung der Rundläufertablettenanlage.

Die Saline ist 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche in Betrieb, gearbeitet wird im Schichtdienst. Im Kontrollraum geben 33 Bildschirme in vier Gruppen Übersicht über die Produktion. Sechs bis acht Leute sind ständig im Dienst. Die Kaliumsulfat-Anlage ist im System integriert und spielt mit der Salzgewinnung zusammen. "Es ist ein System mit vielen Rückkoppelungen", erklärt Katzlinger.

Einen direkten Lehrberuf gibt es nicht, Chemieverfahrenstechniker ist ein artverwandter Beruf. Wichtig seien eine abgeschlossene Lehre und der Wille zu lernen, technisches Gespür, mechanisches und chemisches Grundverständnis, wie der gerade Dienst habende gelernte Automechaniker bestätigt. Frauen sind in der Produktion kaum dabei, "eine Elektrikerin in der Instandhaltung und eine Dame in der Finalproduktion", fallen Katzlinger ein. Insgesamt sind 470 der 520 Mitarbeiter in Österreich tätig. (APA)