Zusammenarbeit

Ryanair will kooperieren und greift gleichzeitig an

Der Chef der Billigfluglinie Ryanair, Michael O'Leary, hat die großen Fluggesellschaften zur Kooperation mit der günstigen Konkurrenz auf Mittelstreckenverbindungen aufgefordert. Gleichzeitig will der Billigflieger die Schwäche der deutschen Fluggesellschaften ausnutzen.

Luftfahrt Ryanair Michael O'Leary Kooperation

Etablierte Airlines wie die Lufthansa müssten Wege finden, mit Gesellschaften wie Ryanair und Easyjet zusammenzuarbeiten, um ihre Kosten auf der Mittelstrecke zu senken, sagte O'Leary auf einer Pressekonferenz in Paris. O'Leary führte aus, dass ein Sitz auf einem Mittelstreckenflug etwa die Gesellschaft Air France "ungefähr 100 bis 120 Euro" koste, bei seinem Unternehmen seien es aber nur 30 Euro. Somit könnten die großen Airlines "Sitze zu einem Preis kaufen, der viel niedriger liegt als der Preis ihrer eigenen Sitze". Ihm gehe es bei der vorgeschlagenen Kooperation nicht um "Allianzen", was ohnehin ein Begriff der Vergangenheit sei, sagte O'Leary. Vielmehr könnten die Billigflieger die traditionellen Firmen schlicht mit günstigen Sitzplätzen "versorgen". 

Angriff auf deutsche Fluggesellschaften

Gleichzeitig will Ryanair die Probleme von Lufthansa und Air Berlin ausnutzen und sein Geschäft in Deutschland kräftig ausbauen. Der Marktanteil solle von derzeit fünf auf 20 Prozent wachsen, kündigte Marketingchef Kenny Jacobs an. Im Oktober will Europas größter Billigflieger eine Basis in Berlin eröffnen. Im kommenden Sommer sollen von hier 18 neue Ziele - unter anderem Palma de Mallorca, Rom, Teneriffa und Köln/Bonn - angeflogen werden. Ryanair habe 380 neue Flugzeuge bestellt, die zum Teil zusätzlich in Deutschland eingesetzt würden. Auf der Strecke nach Köln erwartet die Billigairline einen besonderen Preiskampf.

Derzeit ist Ryanair am Marktanteil gemessen hinter den Konzernmüttern von AUA und Niki, Lufthansa und Air Berlin, die Nummer drei auf dem deutschen Markt. "Doch der Wettbewerb in Deutschland ist schwach", sagte Jacobs. Lufthansa habe Probleme wegen Streiks, Air Berlin wegen seiner angespannten finanziellen Lage. Beide Airlines kürzten deshalb ihr Angebot auf der Kurzstrecke. Zugleich gebe es prozentual deutlich weniger Billigflüge als in vielen anderen Ländern. Hier gebe es viel Potenzial.

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Ryanair sei daher bereit, mit allen deutschen Flughäfen zu sprechen, sagte Jacobs. Europaweit wolle die Airline mehr große Flughäfen anfliegen, so stehe bald auch Amsterdam Schiphol auf dem Plan. Für das laufende Jahr erwartet die irische Fluggesellschaft insgesamt 104 Millionen Fluggäste, die Auslastung der Flieger sei auf 90 Prozent gestiegen. Ryanair-Chef Michael O'Leary hatte das Gewinnziel für das Geschäftsjahr (bis Ende März 2016) vor kurzem um ein Viertel auf 1,175 bis 1,225 Milliarden Euro nach oben geschraubt. (apa/afp/dpa)