Vorwurf auf Ungesetzmäßigkeit

Rumänien verordnet Kontrollen bei heimischem Holzverarbeiter

Das rumänische Umweltministerium hat eine Kontrolle der Aktivitäten des österreichischen Unternehmens Holzindustrie Schweighofer eingeleitet, auch sind groß angelegte Protestveranstaltungen gegen angebliche umweltschädliche Praktiken des Unternehmens angekündigt worden. Schweighofer weist die Anschuldigungen zurück.

Papier- und Holzindustrie Schweighofer

Gegen den österreichischen Holzverarbeiter wurden in den letzten Monaten immer häufiger Vorwürfe laut, man würde illegal abgeholztes Rohmaterial aufkaufen und damit exzessive und gesetzwidrige Rodungen anspornen. Schweighofer wird außerdem vorgeworfen, durch seine Monopolstellung kleinere lokale Unternehmen verdrängt zu haben.

Ein mit versteckter Kamera aufgenommener Bericht der US-amerikanischen Umweltschutzorganisation Environmental Investigation Agency (EIA) hat nach eigenen Angaben aufgedeckt, dass die von Schweighofer mit dem Ankauf von Holz beauftragten Mitarbeiter eindeutige Angaben zur illegalen Schlägerung des Holzes über das zulässige Kontingent hinaus nicht nur ignorieren, sondern diese Praxis sogar mit Bonuszahlungen belohnen.

"Nachhaltig und verantwortungsvoll"

Schweighofer betont, die Aussagen der beteiligten Mitarbeiter seien massiv zusammengeschnitten worden und würden den tatsächlichen Inhalt der Gespräche in gänzlich falscher Weise wiedergeben. "Holzindustrie Schweighofer hat sich seit jeher einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Holzverarbeitung verpflichtet. Wir weisen daher alle Anschuldigungen vehement zurück, die behaupten, dass unser Unternehmen illegale Schlägerungen unterstützt oder davon indirekt profitiert", so Alleineigentümer und Geschäftsführer Gerald Schweighofer in einer Stellungnahme auf der Firmenwebseite. Schweighofer hat den im EIA-Video vorkommenden Mitarbeiter vom Dienst freigestellt. "Ich vertraue meinen Mitarbeitern, aber dennoch haben wir bis zur vollständigen Aufklärung des Sachverhaltes den für die Gespräche verantwortlichen Mitarbeiter suspendiert", erklärte Firmenchef Schweighofer in seinem Statement. Gleichzeitig forderte er die Umweltorganisation auf, das ungeschnittene Originalmaterial zur Verfügung zu stellen.

Bereits in den vergangenen Jahren hatte Schweighofer argumentiert, es obliege der Forstbehörde bzw. dem Besitzer, bei der Abholzung die Einhaltung geltender Gesetze sicherzustellen. Man unterstütze die Ermittlungen und habe auch eine interne Kontrolle veranlasst. Jede einzelne Anlieferung werde "bereits an den Toren unserer Sägewerke mit den gesetzlich vorgeschriebenen Frachtpapieren und Datenbankabfragen kontrolliert", so das Unternehmen.

Marktführer in Rumänien

Die Holzindustrie Schweighofer mit Zentrale in Wien ist seit 2002 in Rumänien aktiv und mittlerweile Marktführer. Die Österreicher betreiben mit mehr als 2.500 Mitarbeitern vier Fabriken und haben zuletzt 150 Millionen Euro in einen fünften Standort investiert. Laut Unternehmensangaben beläuft sich die Gesamtinvestition in Rumänien auf 778 Millionen  Euro und der für 2015 geschätzte Umsatz auf 700 Millionen Euro.

Die aktuellen rumänischen Medienberichte folgen zeitnah auf eine Affäre, die dem rumänischen Staatschef Klaus Johannis (Iohannis) den Vorwurf einbrachte, Schweighofer bevorzugen zu wollen. Johannis hatte Ende März eine Novellierung des Forstgesetzes, durch die strengere Auflagen eingeführt werden sollten, ununterschrieben an das Parlament zurückgeschickt. Unter anderem sieht das Gesetz die Verhinderung von Monopolstellungen und eine Bevorrechtung von Möbelproduzenten beim Holzankauf vor. Während Johannis aufgrund "einer arbiträren Beschränkung in der Aktivität von Wirtschaftsreibenden" negative wirtschaftliche Auswirkungen und mögliche Verstöße gegen EU-Wettbewerbsregelungen befürchtet, handelt es sich laut Kritikern um den Einfluss der Schweighofer-Lobby auf den Präsidenten. Der Senat lehnte Johannis' Antrag auf Revidierung des Gesetzes ab.

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Schaden von fünf Milliarden Euro

Zudem ist ein Schreiben vom September 2014 von Firmenchef Gerald Schweighofer an den rumänischen Premier Victor Ponta an die Öffentlichkeit gelangt. Mit Verweis auf EU-Regelungen sowie dem Einwand, dass eine Änderung des Forstgesetzes die rumänisch-österreichischen Investitionsabkommen beeinträchtigen würde, warnt Schweighofer darin Rumänien vor internationalen Gerichtsverfahren. Offiziell heißt es jedoch, Schweighofer würde sich dem neuen Forstgesetz nicht widersetzen.

Mangels effizienter gesetzlicher Regelungen wurden in Rumänien zwischen 1990 und 2011 laut einem Bericht des Rechnungshofs 366.000 Hektar Waldfläche gerodet, was einen Schaden von fünf Milliarden Euro bedeutet. Umweltschützer beklagen die Reduzierung der Waldfläche auf weniger als die Hälfte in den letzten 25 Jahren, was umso besorgniserregender sei, da Rumänien über die Hälfte des unberührten Urwaldes in der EU verfügt. Jährlich werden etwa 19 Millionen Kubikmeter abgeholzt, davon 8 Millionen Kubikmeter Nadelhölzer, wovon Schweighofer wiederum 2,3 Millionen Kubikmeter aufkauft.

Auch Tiroler Egger im Visier

Auch der Tiroler Holzriese Egger bekam Besuch von staatlichen Kontrolleuren. Am 5. und 6. Mai seien im Egger-Werk im ostrumänischen Radauti "Messungen" durchgeführt worden, bestätigte Pressesprecherin Manuela Leitner gegenüber der APA.

Egger stellt in Radauti unter Verwendung von Formaldehyd Spanplatten her. Laut der rumänischen Nachrichtenagentur "Mediafax" prüft das Umweltministerium die dortige Luftqualität. In mehreren rumänischen Medienberichten war zuvor Schweighofer mit Formaldehyd in Verbindung gebracht worden. Allerdings stellt die Holzindustrie Schweighofer keinerlei Spanplatten her, "daher gibt es auch keine Formaldehyd-Belastungen oder Ähnliches in und aus unseren Werken", betonte das Unternehmen in der Firmenzentrale in Wien gegenüber der APA. (apa)

 

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