Interview

"Ganz ohne Subventionen ist die ROLA nicht überlebensfähig"

Ralf-Charley Schultze, Generaldirektor der Internationalen Vereinigung für den kombinierten Verkehr Schiene-Straße (UIRR), über die Wirtschaftlichkeit der Rollenden Landstraße und den überschätzten logistischen Aufwand für KMU.

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Die Rollende Landstraße (ROLA) hat schon bessere Zeiten erlebt, die Verkehrszahlen sind seit Jahren rückläufig. Macht es da eigentlich noch Sinn, sich eine ROLA zu halten?

Ralf-Charley Schultze Natürlich macht es Sinn, eine ROLA zu haben. Und zwar dort, wo es zusätzliche Gründe dafür gibt. Also etwa bei Strecken mit natürlichen Hindernissen, wie eben dem Brenner. Wenn für den Güterverkehr auf der Straße dann auch noch Nachtfahrverbot und Blockabfertigung an der Grenze dazukommen, macht das die ROLA noch attraktiver. Ein weiterer Aspekt ist, dass es via ROLA möglich ist, die gesetzlichen Ruhezeiten für Lkw-Fahrer einzuhalten. Vorausgesetzt, dass die Strecke entsprechend lang ist. Für kurze Strecken macht die ROLA keinen Sinn.

Kritiker sagen, dass weder ökonomische noch ökologische Gründe für die ROLA sprechen.

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Schultze Eines ist klar: Ganz ohne Subventionen ist die ROLA nicht überlebensfähig. Schließlich zahlt man zweimal den Verkehrsträger, also Lkw und Fahrer, und dann auch noch die Schiene. So etwas kann per se nicht wirtschaftlich sein. In der Schweiz besteht ein Verfassungsauftrag und ein Gesetz darüber, den Transitverkehr durch die Alpen auf die Schiene zu verlagern. Das ist eine politische Willensbekundung, die in erster Linie ökologisch begründet ist. Man will die Lkw von der Straße bekommen. Auch Österreich hat in dieser Frage immer schon eine Vorreiterrolle eingenommen, insofern bin ich gespannt, welche Schritte in Richtung kombinierter Verkehr während der EU-Ratspräsidentschaft Österreichs ab Mitte des Jahres gesetzt werden. Ich erhoffe mir diesbezüglich sehr viel von Ihrem Verkehrsminister Hofer.

Das mit der Totlast sehen Sie nicht als Problem?

Schultze Es werden mittlerweile auch Alternativen angeboten, um nur den Sattelauflieger ohne Zugmaschine zu transportieren mittels vertikalem oder horizontalem Umschlag. Es gibt viele Nischen, die eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Die ROLA kann ein guter Einstieg in den kombinierten Verkehr sein, um den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu bekommen. Großartiges Wachstum ist da allerdings nicht zu erwarten. Es gibt auch kaum neue Projekte. Mittelfristig wird sich der unbegleitete kombinierte Verkehr mit intermodalen Ladeeinheiten durchsetzen.

Wenn sich der unbegleitete kombinierte Verkehr durchsetzt, dann hat sich der Verlagerungsgedanke für einen Großteil der österreichischen Transportunternehmen erledigt, argumentiert man bei der Wirtschaftskammer. Ein durchschnittliches mittelständisches Unternehmen könne allein schon den logistischen Aufwand nicht stemmen.

Schultze Seit 20 Jahren wird prophezeit, dass die Kleinen untergehen, geschluckt werden. Ich muss sagen: Für einen Totgesagten hält sich der Mittelstand erstaunlich wacker. Damals meinte man, dass die Branche auf eine Handvoll Big Player zusammenschrumpfen wird. Das ist in der Form nicht eingetreten. Klar sind die Großen größer geworden, aber die sind, zumal meistens ohne Flotte, genau auf die KMU angewiesen. Die brauchen jemanden, der für sie fährt. Mit der Digitalisierung kommen jetzt wieder große Veränderungen auf die Branche zu. Und selbstverständlich ist jeder Unternehmer gut beraten, sich neu aufzustellen und diese Veränderung als Chance zu nutzen. Jetzt hat man noch die Möglichkeit der Mitgestaltung, in zehn Jahren ist das vielleicht nicht mehr der Fall.