Erdgas

Riesiges Erdgasfeld vor Zypern - Türkei will gleich losbohren

Südlich der drittgrößten Mittelmeerinsel Zypern sind sehr reiche Vorkommen von Erdgas entdeckt worden. Zypern ist EU-Mitglied. Die Türkei, die seit 1974 den Nordteil der Insel militärisch besetzt hält, will sofort Bohrschiffe für Probebohrungen schicken. Ausländische Firmen "sollen wissen, dass sie ohne uns nichts tun können", lässt Ankara verlautbaren.

Südlich der drittgrößten Mittelmeerinsel Zypern sind reiche Erdgasvorkommen entdeckt worden. Dies teilten der zypriotische Energieminister Giorgos Lakkotrypis und ein Vertreter des amerikanischen Konzerns Exxonmobile in der zypriotischen Hauptstadt Nikosia mit.

"Es ist der größte Fund weltweit innerhalb der letzten drei Jahre", sagte der zypriotische Energieminister im zypriotischen Fernsehen (RIK). Es werden Vorkommen von bis 227 Milliarden Kubikmeter vermutet. Der Konzern werde die Erkundungen im Seegebiet südlich von Zypern fortsetzen, hieß es.

Türkei ist wütend 

Die Erdgasvorkommen vor der Küste südlich von Zypern führen zu Spannungen zwischen Ankara und Nikosia. Ankara erkennt Zypern nicht an und lehnt die Suche nach Erdgas vor einer Lösung der Zypern-Frage und ohne die Zustimmung der türkischen Zyprioten ab.

White Paper zum Thema

Die internationale anerkannte Regierung der Republik Zypern weist diese Forderungen zurück. Es sei das Recht jedes souveränen Staates, solche Erkundungen durchzuführen, heißt es seitens der Regierung in Nikosia immer wieder.

Dazu:
Türkische Kriegsschiffe blockieren Gasbohrungen vor Zypern >>   

Neue Erdgasfelder vor Zypern: Türkische Schiffe blockieren weiter >>
Erdgasstreit vor Zypern: Türkei setzt sich durch >>  

Istanbul kassiert viel Geld von der EU für neue Bahnstrecke

In diesen Tagen hat die EU übrigens der Türkei ungeachtet des Konflikts mit dem EU-Mitglied Zypern viel Geld für den Bau  einer neuen Bahntrasse zugesagt: Neue Bahntrasse in der Türkei: EU zahlt 275 Millionen Euro >>

Türkei will gleich mit Bohrungen vor Zypern beginnen

Bereits 2011 waren Erdgasvorkommen südlich der Inselrepublik entdeckt worden. Auch französische und italienische Energiekonzerne suchen nach Erdgas dort. Zur Förderung der Vorkommen fehlt es Zypern allerdings noch an der nötigen Infrastruktur.

Die Türkei hat kürzlich angekündigt, "in den kommenden Tagen" mit Probebohrungen in den umstrittenen Gasfeldern vor Zypern zu beginnen. Zwei türkische Bohrschiffe würden dafür in die Mittelmeerregion entsandt, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Die Unternehmen "aus der Ferne" sollten wissen, "dass sie ohne uns nichts tun können in der Region", so Cavusoglu.

Die Regierung in Zypern hat seit der Entdeckung großer Gasfelder vor der Küste der Insel mit ausländischen Konzernen wie Eni aus Italien, Total aus Frankreich und ExxonMobil aus den USA Verträge zur Erforschung der Vorkommen geschlossen. Die Türkei lehnt aber eine Ausbeutung der Gasvorkommen in der Region ab, ohne dass die Türkische Republik Nordzypern daran beteiligt wird. Daher gibt es seit Langem Spannungen mit Nikosia.

Türkei hält den Nordteil der Insel seit 1974 militärisch besetzt

Die Mittelmeerinsel Zypern ist seit 1974 in einen griechischen Süden und einem türkischen Norden geteilt. Damals hatte die türkische Armee nach dem Versuch der griechischen Zyprioten, eine Wiedervereinigung mit dem Mutterland Griechenland herbeizuführen, den Nordteil der Insel gewaltsam besetzt.

Die sogenannte Türkische Republik Nordzypern wird allerdings international nur von Ankara anerkannt. Jahrzehntelange Verhandlungen über eine Wiedervereinigung brachten keine Einigung. (dpa/afp/apa/red)

Verwandte tecfindr-Einträge