Baustoffindustrie

RHI-Magnesita: "Wir kommen gar nicht mit dem Liefern nach"

Dem ehemals österreichischen Weltmarktführer bei feuerfesten keramischen Produkten bleiben die Kunden auch nach der Fusion erhalten - nicht zuletzt, weil Rohstoffe knapp werden. Obwohl RHI-Magnesita weltweit Mitarbeitern kündigt, sei in Österreich eher der Aufbau von Personal ein Thema, so Konzernchef Borgas.

Dem RHI-Magnesita-Konzern, Weltmarktführer bei feuerfesten keramischen Produkten, bleiben die Kunden nach der Fusion der früheren Konkurrenten trotz der Überschneidungen in den Absatzmärkten wegen der Rohstoffknappheit treu. "Wir kommen gar nicht mehr mit dem Liefern nach", meinte Stefan Borgas, Konzernchef des mit dem Headquarter in Wien sitzenden Konzerns, kürzlich im Klub der Wirtschaftspublizisten.

Ursprünglich hatte der Konzern nach dem im Oktober vollzogenen Merger mit einem schlagartigen Verlust von 8 bis 10 Prozent seiner Kunden gerechnet und gehofft, dies binnen 18 Monaten wieder ausgleichen zu können. Durch den Mangel an speziellen Rohstoffen, verursacht hauptsächlich durch die Schließung unzähliger Fabriken in China aus Umweltgründen, sei die befürchtete Kundenabwanderung aber nicht eingetreten. "Ich traue dem Braten aber nicht", so Borgas, der nicht ausschließt, dass Abnehmer zeitverzögert doch noch abhandenkommen könnten - dem wolle man in den nächsten sechs Monaten entgegenwirken.

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Zentraler Faktor Rohstoffpreise - in China

Bei RHI-Magnesita sind laut Borgas zwei Drittel der Herstellungskosten durch Rohstoffe beeinflusst - und diese Preise seien 2017 geradezu "explodiert". Magnesiumsinter habe sich um 450 Prozent verteuert, geschmolzenes Magnesium um 200 Prozent.

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Die Hälfte der einschlägigen Rohstoffe werde in China abgebaut. Weil China die seit langem bestehenden Umweltrichtlinien nun strikt umsetze, seien unzählige Anlagen stillgelegt worden. Der Wert der RHI-Magnesita-eigenen Rohstoffe steige dadurch, man müsse diese Rohstoffverteuerung aber auch an die Kunden weitergeben. In Summe kann sich der Konzern zu 50 Prozent mit Rohstoffen selbst versorgen (v.a. bei magnesitischen), etwa ein Fünftel bis ein Viertel der Materialien komme aus Österreich.

Konzern beliefert gesamten Abnehmermarkt für Feuerfest-Produkte

Weltweit ist RHI-Magnesita auf fast allen wesentlichen Märkten vertreten, mit im Vorjahr 2,5 Mrd. Euro Umsatz hielt man 14 Prozent Weltmarktanteil und war damit global die Nummer 1. Außerhalb Chinas kenne man den gesamten von Bluechips geprägten Abnehmermarkt für Feuerfest-Produkte. China sei zwar eines der wichtigeren Produktionsländer, nach Brasilien mit mehr Beschäftigten als in Österreich mit seinen 1.800 bis 2.000, doch erzeuge man in China auf den Export ausgerichtet.

Borgas zu China: "Die Stahlqualitäten werden besser"

Langsam öffne sich aber auch der Markt China für RHI-Magnesita, sagte Borgas: "Die Stahlqualitäten werden besser, daher werden sie einmal unsere Produkte brauchen." Zunächst könnte es die Chance geben, zumindest Know-how einzubringen, falls in China Partner für diesen Bereich gesucht würden. "Wir wären schon gerne ein Beteiligungspartner", so der Konzernchef.

Eckdaten zum weltweiten Markt

Der Feuerfest-Absatzmarkt mit keramischen Isolierschichten ist 20 Mrd. schwer, ist die letzten zehn Jahre nicht gewachsen und dürfte laut Borgas auch die nächsten zehn Jahre strukturell nicht wachsen. Zulegen könne man nur etwa durch kleinere Zukäufe, das Hinausdrängen kleiner Player, eine Ausdehnung des Portfolios Richtung Spezialprodukte oder ein Weitertreiben der Technologie. An 35 Produktionsstätten (davon zehn Minen) stellt RHI-Magnesita weltweit 120.000 verschiedene Produkte her.

Von den weltweit 14.000 Beschäftigten will RHI-Magnesita bis zum ersten Quartal 2019 insgesamt 750 "white collar"-Positionen abbauen. 250 Leute seien schon weg, 250 weitere würden bis zum ersten Quartal 2018 folgen, das letzte Drittel bis ein Jahr danach. Danach könnten durch die Schließung zwei, drei kleinerer Standorte weltweit gut 700 Arbeiter wegfallen, so Borgas.

Konzernweit müssen hunderte Mitarbeiter gehen

In Österreich mit mehreren Produktionsstandorten in der Steiermark, Kärnten und Tirol gebe es immer wieder einen Ab-, aber auch einen Aufbau, zuletzt ein Plus. Der globale Abbau von 750 Mitarbeitern bis zum Frühjahr 2019 geht an Österreich vorbei, hier gibt es bis 2020 eine Standort-Garantie. "Das Thema ist eher ein Jobauf- als ein -abbau", so Borgas.

Das Headquarter in Wien mit knapp 400 Menschen, "die das Geschäft weltweit von hier aus steuern", und das seit 120 Jahren in Leoben bestehende Technologiezentrum könne man gar nicht so einfach abziehen.

Gerade die hiesigen Standorte zählen dem RHI-Magnesita-CEO zufolge zu den besten des Konzerns. Besonders wichtig sind sie auch wegen der Rohstoffe. Der heimischen Alpensinter habe eine ganz spezielle Zusammensetzung, sei damit einzigartig und funktioniere teils besser als andere Rohstoffe.

Borgas sorgt sich über den von ihm festgestellten Fachkräftemangel in Österreich. Man sei permanent auf der Suche nach Facharbeitern.

Eckdaten zum Konzern

RHI-Magnesita ist aus dem Zusammenschluss der beiden früheren Konkurrenten RHI und Magnesita hervorgegangen. Die Börsennotierung wurde von Wien nach London verlegt. Trotzdem gibt es in Wien, wo die Titel im "Global Market"-Segment gehandelt werden, laut Borgas ebenso viel Börsenumsatz wie früher, als RHI noch im Leitindex ATX vertreten war.

Zwei Drittel der Umsatzes spielen sich am Londoner Kapitalmarkt ab. Die Börsennotierung der Ex-Magnesita in Brasilien muss noch sistiert werden. Arnheim in Holland als Sitz der in London notierten Holding hat man gewählt, um trotz Brexit weiterhin ein rechtliches Bein in der EU zu haben.

In Arnheim würden nur ganz wenige Mitarbeiter beschäftigt, in London würden acht Leute den dortigen Kapitalmarkt-Eintritt managen - seit Dezember ist man "im oberen Drittel" des FTSE-250 vertreten. Borgas wünscht sich dort auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten auch ein intensiveres Coverage der Aktie durch Analysten. (apa/red)